In dieser Ausgabe / In this issue

Piraten voraus!? Freibeuter der Zukunft +++ Graffiti in Berlin: Eine Kunst, die keine ist +++ Minderheitenpolitik: Die Sorgen der Sorben +++ Frankreich: „Im Westen was Neues...“ +++ Lissabon – westlichste Hauptstadt Europas +++ Spanien: Touristenmekka Barcelona +++ Grauer Modeosten? Junge Mode in der DDR +++ Wernher von Braun Der Raketenmann +++ Neuseeland: Keas, Kiwis und Vulkane

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Liebe Leserinnen und Leser,

“Die Freunde zählen”, zog unsere Redakteurin Elisabeth von Ah in der 50. “Deutsche Rundschau”-Ausgabe Bilanz. Ich teile Elisabeths Ansicht, denn ohne Sie, unsere geschätzte Leserschaft, Freunde und die zahlreichen Förderer unserer Monatszeitung hätten wir im Juni dieses Jahres nicht unseren 11. Geburtstag feiern und diese, die unsere 100. Ausgabe ist, nicht produzieren können. Für Ihre treue Leser-Blatt-Bindung, wie es im Journalistendeutsch genannt wird, Ihre Verbundenheit zu unserer Zeitung danke ich Ihnen sehr herzlich. Ich danke unseren Autorinnen und Autoren für ihre unentgeltliche journalistische Arbeit.

Ich danke unseren Anzeigenkunden und all denen, die mit Ideen, Vorschlägen, Kapitaleinlagen und Spenden seit mehr als einem Jahrzehnt das Überleben und Wachsen unserer Zeitung sichern.

Die “Deutsche Rundschau” hat in den vergangenen 11 Jahren an Ansehen gewonnen. Wer meine am Anfang zugegeben etwas vollmundige Ankündigung “Weltzeitung für Deutschsprechende in Kanada aus der Taufe gehoben!” noch 1997 belächelte, wird in Anbetracht der rund 80.000 ständigen Leserinnen und Leser, die wir heute in mehr als 140 Ländern erreichen, eines Besseren belehrt. Unsere Zeitung beweist, daß Deutsch sprechende und lernende Menschen, die im Ausland leben, arbeiten, studieren, gern bereit sind, 45 amerikanische Dollar für ein Jahresabonnement auszugeben, wenn sie der Inhalt und die Gestaltung einer Zeitung anspricht.

Ich weiß, daß unser Bemühen, mit unseren Beiträgen, Kommentaren und Meldungen den Nerv der Zeit zu treffen, nicht immer den Lesegeschmack aller Leserinnen und Leser treffen kann. Einmütigkeit in allen Ansichten, und das erleben wir auch intern unter allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, würde sogar eher gegen als für die Publikation sprechen. Das Wort “unabhängig” auf unserer Titelseite bedeutet für uns in der Redaktion und für unsere Autorinnen und Autoren, daß wir Ihnen unsere Meinung, gebildet auf der Grundlage sorgfältiger Recherche und unserer Erfahrungen und Überzeugungen, anbieten und es Ihnen überlassen, sie zu teilen oder nicht zu teilen. Auf den Abdruck von veralteten Agenturmeldungen werden wir, wie schon von Anbeginn an, auch zukünftig verzichten.

Ihre Hinweise zu Inhalt, Form und Gestaltung unserer Zeitung waren für uns immer Anlaß unsere Arbeit zu hinterfragen. Die “Deutsche Rundschau” ist nicht perfekt. Sie ist, wie unser Kollege Alexander Koensler aus Rom schrieb, “ein bunter Flickenteppich”. Doch gerade dieser grob gewebte Flickenteppich scheint bei Ihnen, wie wir aus Ihren Leserbriefen erfahren, gut anzukommen.

“Haben Sie Dank für Deutsche Rundschau. Lesen bei uns ganzes Dorf”, schrieb uns 1998 ein Rußlanddeutscher aus dem Altaigebirge. Die “Freunde der deutschen Sprache in Nepal” baten wie eine deutsche Sprachschule in Brasilien um weitere Freiexemplare. Anerkennende Worte schrieben uns auch amerikanische Gouverneure, kanadische und europäische Spitzenpolitiker und Unternehmer. Doch besonders freut es uns, wenn unser idealistisches Engagement von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gelobt wird.

Chinesische Zeitungen druckten Beiträge von uns nach. “Deutsche Rundschau” fand, wie unser Leser Atze Schmidt aus Peking schrieb, sogar Eingang in ein chinesisches Schulbuch. Ein Prinz aus Togo legte seinem Dankschreiben sein Foto bei. Dies brachte uns auf die Idee, Sie aufzufordern, uns zu zeigen, wo Sie die “Deutsche Rundschau” lesen. Einer Bitte, der gern entsprochen wurde. Und so zeigten die eingesandten Fotos amerikanische Germanistikstudenten und polnische Sprachschüler mit unserer Zeitung. Besonders bewegten mich die Bilder, die eine deutschsprachige lutherische Gemeinde mit unserer Zeitung in der Hand vor ihrer Kirche in Serbien, eine vietnamesische Reiseführerin in Hanoi, eine Deutsch sprechende Afrikanerin in Namibia zeigten. Wer will beim Anblick dieser Fotos noch bezweifeln, daß die “Deutsche Rundschau” eine “Weltzeitung” ist?

Daher ist es für uns unverständlich, daß die deutsche und die österreichische Regierung im Schnellgang zwar Milliarden für von der Pleite bedrohte Banken locker machen können, aber für deutsche Auslandsmedien und Vereine nur Almosen und selten ein anerkennendes Wort übrig haben. Deutschland und Österreich sind die einzigen Länder, die seit Jahren “aus Sparsamkeitsgründen” nicht in den zumeist finanziell klammen deutschsprachigen Auslandsmedien für die Bundeswahlen und Europawahl werben.

Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, daß nach 11 Jahren vergeblichen Wartens doch noch ein deutscher oder österreichischer Botschafter oder die zuständigen Pressereferenten der Botschaften in Ottawa den Weg in die Redaktionsstuben unserer Zeitung finden.

Ich berichte dies nicht um zu jammern, sondern um auf einen änderungswürdigen Zustand hinzuweisen. Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, gemeinsam gegen den bedauerlichen Wahrnehmungsverlust der deutschen und österreichischen Regierungen anschreiben. Lassen Sie uns gemeinsam aus der kleinen globalen Zeitung “Deutsche Rundschau” eine anspruchsvolle Massenzeitung entwickeln, die auch “Global Players” nicht mehr übersehen können.

Die Freunde zählen. Danke, daß Sie, wo immer Sie leben und arbeiten, die “Deutsche Rundschau” fördern. Danke, daß Sie uns auch in schweren Zeiten zur Seite standen und stehen. Danke, daß Sie den Traum von einer internationalen Monatszeitung für Deutschsprechende im Ausland erfüllen helfen. Auf Freunde wie Sie werden wir uns auch in Zukunft mit Freude, Stolz und Zuversicht verlassen.

Ich freue mich auf Ihre Zuschriften!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Juri Klugmann

(Matthias Claudius in seinem Gedicht „Urians Reise um die Welt“)

Liebe Leserinnen und Leser,

wann waren diejenigen von Ihnen, die im Ausland leben, das letzte Mal in ihrer alten Heimat? Erinnerungstourismus nennen es die einen, Pflichtbesuche die anderen.

Ich habe meinen Geburtsort Freital in Sachsen das letzte Mal vor 30 Jahren besucht. Mit Heimweh – und das verwundert mich selbst manches Mal – verbinde ich eher die Namen der Dörfer Saalhausen, Braunsdorf und Grumbach, in denen ich als „Halbstarker“, wie man uns damals nannte, glückliche Stunden und Tage verbrachte, und wo ich mir durch Arbeit auf dem Lande ein paar Mark hinzuverdiente.

Heimweh hingegen nach meiner Geburtsstadt Freital, dieser einst staub- und rußgeschwängerten Industriestadt in Sachsen, verspüre ich nicht. Viel mehr zieht es mich nach Hinterhermsdorf in der Sächsischen Schweiz, kein Wunder, da ich dort bei einer Bootsfahrt auf den Oberen Schleusen die Hand meiner ersten Liebe hielt. Oder nach Berlin, wo ich 18 Jahre gelebt, geliebt, studiert und gearbeitet habe und wo meine fünf Kinder geboren wurden. Oder es zieht mich in meinen Gedanken an Orte wie Erfurt, Wechmar, Ilmenau, Tambach-Dietharz und Sömmerda in Thüringen, wo enge Freunde leben.

Heimweh ist für mich so etwas wie eine ständige stille Sehnsucht in mir nach den Orten, in denen ich richtig glücklich war und nach den Stunden, deren besonders schöne Gefühle, die sie in mir hinterlassen haben, auch über die Jahre und die Entfernung nicht verblaßt sind. Dazu gehören kurioserweise auch die Erinnerungen an Wandertage auf dem Rennsteig, an meine Junggesellenbude in Berlin-Marzahn, an die einzigartige Currywurst, die es so nur bei Konnopke an der Eberswalder Straße gab, und deren Geruch sich mir fast noch mehr als ihr Geschmack eingebrannt hat.

Alte Ausspanne auf dem Rennsteig bei Tambach-Dietharz

(Falko Göthel www.quermania.de / Lizenz: „cc-by-sa“ Ver. 2)

Manch einer mag mich als vaterlandslosen Gesellen einstufen, weil es mich im Gegensatz zu vielen Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, nicht zurück an meinen Geburtsort zieht. Vielleicht liegt es daran, daß mein Geburtshaus und auch das Haus, in dem ich meine Kindheit verlebte, vor Jahren der Abrißkugel zum Opfer fielen. Und doch, und jetzt staunen Sie vielleicht: Hinter unserem Haus in Udora, in Ontario, in dem ich mit meiner kanadischen Familie viele Jahre lebte, wehte lange Zeit die sächsische Flagge am Flaggenmast und nicht die deutsche. Dennoch zieht es mich als Besucher zurück nach Deutschland, und das gewiß nicht nur wegen der dort lebenden Kinder, Geschwister und Verwandten.

In Kanada und in den USA bin ich vielen Menschen begegnet, die regelmäßig oder hin und wieder die Orte ihrer Kindheit und Jugend aufsuchen. Auf diesen Besuchen sehen sie sich nicht als Heimkehrer, sondern als entdeckungsfreudige Reisende in die eigene Vergangenheit. Ich traf Ukrainer, die von Kiew und Poltawa schwärmten; Giorgio, der Besitzer des Familienrestaurants in Cannington, hat ein großes Foto von seinem Heimatort in Griechenland an der Wand hängen; mein italienischer Friseur Mario wollte unbedingt mal wieder nach Palermo, und ein chilenischer Bekannter wollte mich nach Valparaiso mitnehmen. Irgendwie hat offensichtlich jeder Auswanderer, jeder, der „ausreist“ oder „Reißaus“ nimmt, ein Stück der alten Heimat im Einwanderungsgepäck in das neue Land. Und auch wenn das neue Land zur neuen Heimat geworden ist und eine Rückkehr nicht mehr in Betracht gezogen wird, das Stück alte Heimat bleibt lebenslang im Erinnerungsgepäck, sorgsam gehütet als Schatz, der nur einem persönlich gehört.

Daher ist für mich eine Reise in die alte Heimat und an Orte, die mit Gefühlen, Gedanken, Gerüchen und vor allem in Form von Bildern in mir lebendig sind, weit mehr als bloßer Erinnerungstourismus. Für mich spiegelt sich darin vor allem die Suche nach dem eigenen ICH wider. Wenn der eine nach Jahren Palermo wieder besucht, der andere Bremen oder Oldenburg, Ulm oder Stralsund, Kolberg, Breslau, Hermannstadt oder die unzähligen Orte, die Heimat für jemanden sind, dann spricht das eigene Ich zu uns in einer Sprache, die nur wir selbst verstehen. Und dann wird uns, mehr als dies an anderen Orten möglich ist, deutlich, was von dem Kind und jungen Menschen von damals in uns noch übriggeblieben ist.

„Er ist so weit gereist, daß er immer noch gerochen, ob seine Mutter Kuchen buk“, sagt ein deutsches Sprichwort.  Wir laden Sie, liebe Leserinnen und Leser der Deutschen Rundschau, ein, uns an Ihren Reisen an die Orte Ihrer Kindheit und Jugend teilhaben zu lassen. Uns interessiert, was Sie unter Heimweh verstehen.

Bitte schreiben Sie uns in kurzen Leserzuschriften, was Sie bei Ihren Reisen in die eigene Vergangenheit und die Ihrer Vorfahren an Sehenswertem und Erfreulichem, aber auch an Nachdenkenswertem und Kuriosem entdeckten. Wir sind sicher, daß sich andere Leserinnen und Leser von Ihren Berichten und Kommentaren ermuntert fühlen, Ihren Pfaden zu folgen und Ihre Beschreibungen nachzuerleben. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften.

Mit besten Grüßen aus Kanada

Ihr Juri Klugmann


 Liebe Leserinnen und Leser,

benötigen Sie nach der apokalyptischen Flutkatastrophe in Südostasien, die bisher 220.000 Menschen das Leben kostete, noch schreckenseinflößende Katastrophenfilme “made in Hollywood”? Wir haben diese Filme nie gemocht und verzichten auch zukünftig auf sie. Die Macht der Natur, die unserem Dasein Grenzen setzt, und die täglichen Meldungen über Mord und Totschlag, Folter und Vergewaltigung von Körper, Geist und Seele sind schlimm genug. Sie reichen aus, um einen sensiblen Charakter in tiefe Depressionen verfallen zu lassen. Einen Augenblick schien es, daß die Menschheit angesichts der Bilder von furchtbarer Zerstörung und unsagbaren Leids alle ihr innewohnenden Widersprüche und selbstgemachten Konflikte vergessen würde, um den Opfern in den Tsunami-Gebieten am Indischen Ozean zu helfen. Der Welle der Zerstörung folgte eine Welle beispielloser Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls. Einen Augenblick schien es, als ob Menschlichkeit über unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen siegen würde. Einen Augenblick schien es, alle Bewohner unserer Erde würden sich auf einem Schlag bewußt werden, daß wir einander brauchen, um gemeinsam zu überleben. Einen Augenblick schien es Hoffnung zu geben, daß wir als vernunftbegabte Wesen statt todbringener Waffen zukünftig allen notleidenden Menschen Zugang zu sauberem Wasser, lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und menschenwürdigem Dasein ermöglichen würden.

Doch diese Augenblicke der Hoffnung werden überschattet von neuen Schreckensmeldungen über Terroranschläge, Bürgerkriege und schwelende Konflikte. Jan Egeland, für Hilfsaktionen zuständiger Koordinator der Vereinten Nationen, erinnerte kürzlich in New York daran, nicht zu vergessen, daß seit 1998 im Kongo 3,8 Millionen Menschen dem Bürgerkrieg zum Opfer fielen und heute immer noch täglich 1000 Menschen eines gewaltsamen Todes sterben. Daß in Dafur im Sudan täglich vor den Augen der Weltbevölkerung gemordet wird. Daß den Opfern des verheerenden Erdbebens im iranischen Bam anhaltende Hilfe und Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nicht zuteil wird. Wer spricht heute noch vom Genozid in Ruanda und Burundi, steht den Millionen Waisenkindern bei, deren Eltern in den letzten Jahren Opfer einer kriegerischen Auseinandersetzung wurden, heilt die Wunden der Millionen, die in den Krisenzonen unserer Erde geistig und körperlich verstümmelt zurückbleiben?

Hingegen reisen zur Zeit noch immer Politiker aller Herren Länder medienwirksam in die Tsunami-Katastrophengebiete und machen sie zu obersten Wallfahrtsorten des Schreckens, unter dem Schutz von Sicherheitskräften und in Hubschraubern, die dadurch gehindert werden den Opfern zu helfen.

Wir hoffen, daß Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme, Erdrutsche und Vulkanausbrüche mit Hilfe moderner Technologien und neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse besser voraussehbar und in ihren Auswirkungen abgemildert werden können, wissen aber, daß sie dennoch immer unberechenbar bleiben Das flößt uns blankes Entsetzen ein. Im Gegensatz dazu scheinen wir uns jedoch an von Menschen gemachte Katastrophen als unvermeidbares Übel gewöhnt zu haben. Ist es nicht schizophren, daß wir Kriege und bewaffnete Konflikte, angezettelt von denjenigen, die am Krieg und Leid anderer Menschen Geld verdienen, als unabänderliche Tatsache akzeptieren, die uns kaum mehr Entsetzen einflößt? Welche Umkehrung der Realität hat dazu in unserem Bewußtsein stattgefunden?

Mit ihrer nie dagewesenen Spendenbereitschaft für die Opfer der Flutkatastrophe haben sich mitfühlende Menschen in aller Welt in Hilfsbereitschaft vereinigt. Auch die Regierungen zeigen mit gewaltigen Spendensummen anscheinend Verantwortungsbewußtsein. Dabei haben die Vereinigten Staaten von Amerika gerade mal die Summe zugesagt, die sie in anderthalb Tagen im Irak-Krieg ausgeben. Die Spende der deutschen Regierung entspricht gerade dem Betrag, den Steuerflüchtlinge angesichts versprochener Amnestie im letzten Jahr freiwillig zurückzahlten.

UN-Generalsekretär Kofi Annan bezweifelt zudem aufgrund seiner Erfahrung, daß die Zusagen tatsächlich in voller Höhe eingehalten werden. Kritische Stimmen hinterfragen bereits das politische Kalkül der Geberländer und sehen ihre handfesten Interessen, die in Imageaufwertung, dauerhafter Militärpräsenz in der Region und in der Stärkung von Waffenhandel und Militärkooperation bestehen könnten. Und während US-Hubschrauberpiloten in Indonesien begrüßen, daß sie mit ihrem Einsatz “Gutes für die Menschen tun können”, schließt ihr Oberbefehlshaber Präsident Busch einen künftigen Krieg gegen Iran nicht aus.

Wissen Sie einen Weg, wie wir unsere Welt für alle Bewohner lebenswert gestalten können? Sehen Sie einen Ausweg aus der Misere? Bitte schreiben Sie uns.

Ihr Juri Klugmann
Ihre Elisabeth von Ah

An interview with its President Dr. Albert Maringer

Deutsche Rundschau: Dr. Maringer, Siemens has played a definitive part in Canada’s impressive industrial history. In your opinion, what are the most significant milestones that Siemens has achieved during the last few decades?

Dr. Maringer: Following the loss of the Second World War, German-based companies in most instances not only lost their overseas assets but also “name rights” were taken away. This, of course, hit Siemens worldwide very hard. It took us until 1965 to get Siemens “name rights” back in Canada. At the same time, it is important to realize that Siemens historically had a strong business base in Eastern Europe and these were cut off by the Iron Curtain. At that time, Siemens’ business interests were never really directed towards the West, however, when Siemens realized that the Iron Curtain would remain in place much longer than anticipated, it began to redirect its business attention and turned its sights towards the West.

In the early 1970s, we began to make inroads in North America, particularly the United States and grew primarily through acquisition of local U.S. based companies. Siemens sent me to the States at that time as one of the first Siemens representatives to a joint venture between Siemens and Allis Chalmers. When acquiring a US company, you usually set a precedent for doing business in Canada at the same time. With some homegrown businesses in Canada, Siemens started to grow its base, but it took almost until the mid-90s to realize that Canada had a growing marketplace, which was sustained on its own merits and was gaining an own identity apart from the U.S., both economically and culturally. Siemens recognized a need for a dedicated agenda for doing business in Canada. Considering the fact that Siemens had a relatively late start in North America, we are currently the largest German-based company in Canada. We recognize that Canada is the seventh largest economy in the world and all things being equal, if Siemens in Canada was the seventh largest company in the Siemens family, we would be a seven billion dollar entity in Canada.

Deutsche Rundschau: Measured relative to the total global results of Siemens AG, of what significance is Siemens Canada’s contribution to the overall bottom line and thereby to the global success of the AG?

Dr. Maringer: We are squarely within the top 20 countries in the Siemens worldwide organization, which operates in over 190 countries. Of course, we can always do much better – nonetheless, we contribute significantly to the overall bottom line and are responsible for a lot of export out of Canada.

[Deutsche Rundschau: And our publication is distributed to “only” 140 countries around the world… You beat us by 50 countries! We have to find out from you which those other 50 countries are!] Yes, it is amazing to think of the number of countries that Siemens does business in and the number of times we have reinvented ourselves over our 157-year history. Siemens’ global strength and diversity is an excellent resource for us in Canada – we consistently learn from other countries and their challenges. This global experience and infrastructure knowledge can provide us with creative ideas and innovative solutions that we can transfer and use to benefit our Canadian customers. Our diversification and our ability to react to ever-changing business environments is what makes us unique.

Deutsche Rundschau: During the 1950s, the trademark “Siemens” was better known in North America in the trade and industrial circles than by “Joe Consumer”… has this conception changed markedly during the last decades? Do you continue to perceive growth opportunities in the Canadian markets? And if so, in which sectors of industry?

Dr. Maringer: Yes, it is interesting that you should say that. My yardstick for “Siemens-recognition” has always been entering the country and going through customs and immigration. Just a few years ago, when I would arrive at the airport in Toronto, officials, not really understanding or knowing Siemens, would always question what kind of a company Siemens was and the type of business Siemens was in – unlike my visits to Europe, where Siemens is a household name. Now however, the response from Toronto customs officials is been: “Siemens, yes; – great products!” Part of this new recognition is due to our marketing efforts. We are now very active in Canada through our focus on sports and charities. We have recently established “The Siemens Network of Caring” (TSNOC), through which, we lend support and channel our efforts to benefit specific charities. In addition to TSNOC, we have expanded our exposure and increased our awareness through our sponsorship of professional sports. On average, a million people will see the Siemens brand during a single NHL game and we do this across Canada — in Montréal, Toronto, Calgary and Vancouver. We also advertise with the Toronto Blue Jays in the SkyDome (Siemens technology is responsible for the opening and closing of the retractable roof of the SkyDome), and the Toronto Raptors.

In Europe, Siemens products are well known because their products form a part of everyday life – Siemens is part of the culture – people have grown up with us. Here in Canada, Siemens has always been well known in industrial arenas, but not in the public eye. I am pushing very hard to change this by introducing technological and high-tech commodity products such as cell phones, enterprise phone systems and cordless products – anything which gets our products into the hands of consumers helps to increase our brand awareness. Nonetheless, our base business is still derived from the electrical engineering and electronic sectors (in Canada, Siemens operates in six core market segments: health care, information & communications, energy & power, industry & automation, transportation and lighting) and from infrastructure products. We cannot and do not need to be everything to everyone. The bottom line is, that we focus quite strongly on solidifying the brand name and are trying to avoid any cannibalization of it. Our communications and marketing teams are doing an outstanding job in establishing our brand.

(left to right: Juri Klugmann, Dr. Albert Maringer, Donald James Dunn)

(Photo: D.L. Leslie)

Deutsche Rundschau: Siemens Canada is represented in the Canadian marketplace with a wide spectrum of products and with a correspondingly full and well-developed service capability. Has the offering of such a broad palette of products been a successful strategy in achieving desired sales targets in today’s highly competitive markets?

Dr. Maringer: Historically, Siemens in North America was structured as a vertical organization and our diverse businesses operated independently of each other – this strategy, however, gave us an illusion of strength, but did not really allow us to grow effectively. The world is not structured vertically – our customers are in need of multiple Siemens offerings and services. Those needs have to be served more in a lateral matrix. Only when you place everything you have to offer on one plate and can deliver totally integrated solutions, are you taking the right approach. Instead of having clients pick and choose suppliers from the phone book, we are offering them a one-stop shopping experience – using shared technologies and our diversity in applications. All of our clients go through a variety of business cycles and we are able to survive the “ups” and “downs” of those cycles, and maintain our relationships with those clients, even when they are not doing a lot of business with us, because of how we are structured. This is important to our success. At the same time, Canada is a tremendous challenge; it has the second largest geographical landscape in the world. As we are an infrastructure company, 50% of all capital invested in Canada is spent in the oil & gas sector and in government, meaning crown corporations involved in uranium mining, diamond mining, and so on, and our offerings are well suited. Unfortunately, when the Good Lord created this wonderful country, He made a design flaw. I argue with Him about this every night. He could have put all of Canada’s great natural resources, such as oil and gas, uranium and diamonds, in a neat and convenient ring around Toronto. Instead, they are located in beautiful but remote places like Fort McMurray, Kirkland Lake and Yellowknife. And, of course, Siemens has to be there where those natural resources are to build infrastructures on site – that challenges us. If you approach those situations in a vertical manner, there is not enough business for anyone to carry, but collectively it’s doable.

[Deutsche Rundschau: Another problem one is faced with here in Canada, of course, is the lack of sufficient market base. South of the border, you have a base of some 260 million people. In Canada the base is 32 million. How does Siemens market its products in this diminutive market base?] The approaches are different between the two countries. Marketing in the US is relatively easy because of the dense population in a rather small geography as opposed to Canada, which is the opposite. However, in spite of this challenge in size, Canada is still an extremely attractive market with a market economy equal to that of the UK or France, where Siemens is doing very well. So, by expanding our portfolio of offerings, one might think that we are diluting our strength but actually the opposite is true. Customers are always looking for new ways to compete and that is what we do – we help our customers become more profitable by providing them with innovative global solutions.

Deutsche Rundschau: Dr. Maringer, you hold important and influential positions on the board of directors of the German-Canadian Chamber of Commerce and Industry as well as on the Scientific Council for German and European Studies at York University. What noteworthy concepts and ideas do you glean from participation in such honorary positions, which you can subsequently apply in exercising your role as president of Siemens Canada?

Dr. Maringer: Of course, my primary function is to run a successful company in Canada. But, in order to be not necessarily the largest but certainly among the most prominent German companies, one cannot escape taking responsibility for the collective of the German community and the interrelationships between its members. Ideas and information obtained from Chamber and Council members can be used to support development within Siemens. The Chamber and Council is dedicated to preserving German interests culturally and economically and promote collaboration. I think we also have a responsibility to unite the different views which are inherent here because of Canada’s cultural diversity and history, by providing for a common path to be followed, a contemporary path for the future. And the Germans as well as other Europeans have tackled such challenges before. When I think of the Club of Rome and the Zero-Sum-Society and the work accomplished thereafter, I see what is still ahead of us here. Canada has not yet gone through this “growing” phase and is still in its developing stage compared to Europe where maturity in contemporary ideas to some degree has already been attained – by this, I mean in the exchange of ideas and learning to help one another. The German-Canadian Chamber of Commerce and Industry is a very important element in this because it represents three basic types of members in its constituency, all of whom – except for the grand Canadian-German or the German-Canadian affiliation – otherwise have little in common with one another. First is the affiliates of German companies run by “Germans” here in Canada; then we have Canadian companies with affiliations in Germany; these two groups have by and large different perspectives on the German-Canadian relationship. Finally, we have German subsidiaries reporting to US-Headquarters or are being managed by Canadian locals – they again may have a different view on the German-Canadian relationship. The common denominator between all of them is the Chamber managing the common interest on the German-Canadian affiliations. As far as the Advisory Council for German and European Studies is concerned, it acts as an advisory board without getting too involved in actual academic matters. It also acts as a sounding board for the associated constituency to reflect what an appropriate mix of contemporary German studies could be, concentrating more on the future than on the past, and on what we can all learn from each other. This is a very challenging task. I recently spent an entire week traveling in Germany with President Prof. Lorna Marsden and with Prof. Webber, both of York University, as well as Prof. LaCroix, President, Université de Montréal, to exchange ideas with academic counterparts in Bonn, Jena and elsewhere. This sort of cross-border venture creates a valuable resource of ideas, which can be applied in Canada.

Deutsche Rundschau: Dr. Maringer, the Deutsche Rundschau wishes to convey its sincere appreciation for your time and effort in participating in this interview.

Donald James Dunn
Juri Klugmann

Liebe Leserinnen und Leser,

beklagen Sie auch, zu wenig Zeit zum Lesen zu haben, gar nicht alles lesen können, was Sie reizt und neugierig macht und faszinierenden Lesestoff oft unterbrechen zu müssen?

Sicher kennen Sie die hypothetische, aber psychologisch interessante Fragestellung, welche drei Bücher Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Meine Buchwahl wäre je nach Lebensalter eine andere gewesen. Denn erstaunlich oft hat mir das Leben im jeweiligen Moment DAS richtige Buch in die Hände gespielt.

Geht es Ihnen auch so, daß ein Buch für die Lesezeit und darüber hinaus Begleiter Ihrer Gedanken- und Gefühlswelt wird? Daß Sie sich darüber mit anderen Menschen austauschen möchten und versuchen, sie zum Lesen zu motivieren? Und daß Sie dann oft hören: Keine Zeit!

Umfragen zufolge lesen die Deutschen heute seltener und oberflächlicher als früher und brechen eine Lektüre schneller ab, wenn sie ihnen nicht zusagt. Nahmen 1992 noch 16% der Menschen täglich ein Buch in die Hand, so sind es heute nur noch 6%. Die Zahl derjenigen, die nie ein Buch lesen, stieg im gleichen Zeitraum von 20% auf 28%. Als Gründe gaben 62% an, keine Zeit zu haben, 55% lieber fernzusehen, 28% Lesen sei ihnen zu anstrengend und 15% Lesen sei etwas für Leute, die nichts Besseres zu tun hätten.

Dennoch zeigen die Verkaufszahlen des deutschen Buchhandels, daß das Buch noch nicht aus der Mode gekommen ist. Allerdings lesen 2/3 aller Männer und 1/3 der Frauen,

Nach 20 Uhr: Jedes 5 .Kind allein vor dem Bildschirm! (Karikatur: Klaus Cadsky)

um sich zu informieren und nicht zur Entspannung und Unterhaltung. Die Umfragen zeigen allerdings auch, daß Computer und Internet nicht für das veränderte Leseverhalten verantwortlich sind, denn jugendliche Computernutzer lesen deutlich mehr als Gleichaltrige ohne Computerzugang. Tatsache ist, daß die Erfahrung in der Kindheit vorrangig das Leseverhalten prägt und mit dem Vorlesen beginnt. Ich erinnere mich immer noch gerne an meine fernsehlose Nachkriegskinderzeit mit Geschichten vor dem Einschlafen, Grimms Märchen, Sagen des klassischen Altertums, den Sanella-Sammelalben mit ihren bunten Bildern, an meine Bilderbibel und an “das Kino im Kopf”, das sie ausgelöst haben. Später an meine wöchentlichen Besuche in der Bücherei, an den Stapel Bücher unter dem Weihnachtsbaum. Und in meiner Jugend an wahllose Leseorgien von klassischer Literatur bis zum Groschenroman.

Ich frage mich, ob Kinder, die in Haushalten ohne Bücher groß werden, deren Eltern kaum oder gar nicht mehr lesen und vorlesen, Literatur wertschätzen lernen. Werden Texte in Zukunft auf Comic-Sprechblasen-Niveau verflachen müssen, um die Menschen noch zu erreichen? Stellen die anspruchslosen Bestseller, die Rekorde auf dem Buchmarkt verzeichnen, weil man sie wie geistige Fast-Food-Nahrung konsumieren kann, die Mehrheit der Menschen auf Dauer zufrieden? Oder behält das in der Sprache der Zeit gut geschriebene Wort nicht doch seinen Stellenwert, eben weil es das Denken und Fühlen der Gegenwart widerspiegelt? So wie die klassische Literatur bis heute überlebt hat, weil sie Ausdruck des Zeitgeistes ihrer Epoche ist.

Die Deutsche Rundschau freut sich wie immer auf Ihre Meinung.

Ihre Elisabeth von Ah

Liebe Leser,

“Go East – Deutschlands starker Osten”. Unter diesem Motto haben wir für Sie erst kürzlich die jungen Bundesländer 10 Jahre nach der Wiedervereinigung besucht. Wir stellten Ihnen in einer Beitragsserie interessante Menschen, Persönlichkeiten, Städte und Regionen vor. Ein besonderes Lob möchte ich an dieser Stelle dem Presse- und Informationsamt der deutschen Bundesregierung und dem Besucherdienst von Inter Nationes aussprechen, deren Mitarbeiter uns mit Rat und Tat zur Seite standen. Ohne diese Förderung wäre unseren Redakteuren, Korrespondenten und mir bestimmt manch wichtige Tür verschlossen und wertvolle Erfahrung versagt geblieben.
Da Ihnen, geschätzte Leser, die westelbischen Bundesgebiete gewiß vielfach vertrauter als der Osten Deutschlands sind, haben wir uns bewußt für Sie in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen umgeschaut. Was lag näher, als mit dem ersten Mann des jeweiligen Bundeslandes ins Gespräch zu kommen? Was lag näher, als die Oberbürgermeister und bekannte Persönlichkeiten danach zu befragen, warum sie gerade ihren Heimatort und ihre Heimatregion im Ausland lebenden Deutschsprechenden als interessanten Unternehmensstandort und sehenswertes Reiseziel empfehlen? Was lag näher, als sich vor Ort davon zu überzeugen, ob das vielfach vermittelte Negativ-Bild von Deutschland insgesamt und den “ausländerfeindlichen Ostdeutschen” nicht einer dringenden Korrektur bedarf?
Um das zu ergründen, habe ich gerne die Kritik von Lesern in Kauf genommen, die sich darüber beklagten, daß wir uns in unserer jüngsten Berichterstattung zu sehr auf die neuen deutschen Bundesländer konzentrierten, statt ein gesamtdeutsches Bild zu vermitteln.

Die für mich persönlich wohl wichtigste Erfahrung unserer jüngsten Journalistenreisen war diese: Alle Spitzen- und Lokalpolitiker, mit denen wir ins persönliche Gespräch kamen, wollten nicht nur die gebotene Chance zur Selbstdarstellung nutzen, sondern sie erkundigten sich sehr genau danach, was Deutschsprechende im Ausland bewegt. Vielfach tauchte die Frage auf, wie Deutschstämmige über heutige politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in ihrer ehemaligen Heimat denken. In besonders einprägsamer Erinnerung sind mir unsere (wiederholten) Begegnungen mit den Ministerpräsidenten von Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt, aber auch unsere sehr offenen, konstruktiven Gespräche mit Staatssekretär Heye in Berlin und Staatsminister Huber in München geblieben.

Es scheint mir, daß im Gegensatz zu manchem Industrieboß, deutsche Politiker und mittelständische Firmenchefs eher bereit sind, das Verhältnis zu Deutschsprechenden im Ausland als Segment deutscher auswärtiger Kulturpolitik, weg vom vorurteilsbehafteten“Schwarz-Weiß-Denken”, neu zu bewerten.
Sie wissen, die “Deutsche Rundschau” kritisiert im Interesse ihrer weltweiten Leserschaft oft und sehr heftig die Rotstiftpolitik der ehemaligen und der jetzigen Bundesregierung. Aber als wichtige internationale Stimme der im Ausland lebenden und arbeitenden Deutschsprechenden beklagen wir uns nicht nur. Wir wollen z.B. mithelfen, das Verhältnis zwischen Politikern der deutschsprachigen Vaterländer und Mitgliedern von Organisationen der im Ausland lebenden Deutschsprechenden zu verbessern. Deshalb suchen wir bewußt den konstruktiven Dialog mit deutschen Spitzenpolitikern. Wie Sie auch in dieser Ausgabe sehen und lesen können, wurde unsere Initiative angenommen.

Nicht nur der Regierungssprecher der Bundesrepublik Deutschland und die Ministerpräsidenten und Minister verschiedener Bundesländer hörten uns an. Nein, auch Parlamentarier der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien fanden Zeit für uns. Oberbürgermeister und Einwohner von mittel- und norddeutschen Städten kamen mit uns ins Gespäch, gaben uns Gelegenheit zum Umschauen.
Meinungsverschiedenheiten gab es auch. Beispielsweise in der Frage, wie deutsche auswärtige Kulturpolitik am Besten ihre Adressaten erreichen kann. Das ist bei diesem brisanten Thema nicht ungewöhnlich. Unterm Strich zeigten sich jedoch alle Gesprächspartner interessiert und versprachen, unsere Vorschläge sorgfältig zu prüfen.

Regelrecht begeistert wurde unser Angebot aufgenommen, gemeinsam mit örtlichen Handwerkskammern einen Austausch von Lehrlingen und jungen Handwerksgesellen zwischen deutschen und nordamerikanischen Familienunternehmen über unsere internationale Monatszeitung ins Leben zu rufen. Mit dieser Aktion möchte die “Deutsche Rundschau” erneut ihre völkerverbindende Mission unter Beweis stellen. Wir setzen uns dafür ein, daß junge Leute die Gelegenheit erhalten, ihre Traumländer und andere Unternehmenskulturen zu besuchen und kennenzulernen.
Es ist an der Zeit, daß wir uns auf die Lösung der wichtigen Fragen der Gegenwart und Zukunft konzentrieren. Vielfältige Begegnungen zwischen Deutschen und Deutschsprechenden, über Ozeane und Ländergrenzen hinweg, gehören dazu. Persönliche Kontakte können von websites im Internet angeregt, aber nicht ersetzt werden.

Ihre Ideen und die Bereitschaft zur Mitarbeit sind gefragt. Bitte teilen Sie uns mit, wie die Zusammenarbeit zwischen in Europa lebenden und außerhalb Europas wohnenden Deutschsprechenden noch verbessert werden kann. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

Liebe Leser,

Sie werden es selbst bemerkt haben: Auch im neuen Jahrtausend berichten seriöse Tagesmedien weltweit mehr über unerfreuliche, statt gute Neuigkeiten. Wer Massenarbeitslosigkeit, Massenarmut, Massenkrawalle und Massenhoffnungslosigkeit zum Thema macht, will nicht nur Einschaltquoten und Leserzahlen erhöhen, sondern berichtet über tatsächliche Probleme unserer Welt. Diese Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Wie Shakespeares zögernder Hamlet, der konstatierte “The time is out of joint”, scheinen wir hilflos mit diesem Zustand. Denn mit Besorgnis verfolgen Millionen von Menschen an flimmernden Bildschirmen, wie große Teile dieser Welt von einer Welle von Protesten und Gewaltakten erschüttert werden, die in vergangenen Jahrzehnten ihresgleichen suchte. Wehret den Anfängen!

Im Zusammenhang mit den in vielen Ländern gestiegenen Preisen für Rohöl, Benzin- und Dieselkraftstoff wird die schwankende Balance der Gesellschaft im scheinbar so stabilen Westeuropa besonders deutlich. Es war abzusehen, daß sich die in den letzten Monaten rasch gewachsene Unzufriedenheit der Bürger vieler Länder Luft machen und versuchen wird, ihren rat- und kraftlos wirkenden Regierungen Einhalt zu gebieten. Otto Normalverbraucher hat endgültig die Nase voll. Er nimmt die Knebelung durch die Steuerschraube, ganz gleich mit welchem Namen man ihm das Kind in die Wiege zu legen versucht, nicht länger hin. Wehret den Anfängen!
Ich frage mich, ob die Regierungen x-beliebiger Länder, ganz gleich von welcher Partei sie gestellt werden, überhaupt noch die Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten besitzen, die sie für sich reklamieren? Macht nicht die jüngste, von der OPEC erneut inszenierte “Ölkrise” in erschreckender Weise deutlich, daß die Karten an ganz anderen Tischen gemischt werden? Nein, es sind nicht die Schröders, Blairs, Putins oder Chiracs oder all die anderen europäischen Staatsoberhäupter, die die ökonomischen Trümpfe dieses Spelunkenspiels in ihren Händen halten, sondern die OPEC-Fürsten und internationalen Öl-Multis. Aber Mitspieler sind die Herren Politiker schon. Ob sie jedoch das Spiel im Interesse ihrer Wähler und Bürger spielen, wird die Zukunft erweisen. Nur zur Kasse gebeten wird, wie immer, der kleine Mann. Alles schon mal da gewesen? Wehret den Anfängen!

Der Ruf nach einer neuen Weltordnung, “The Call for a New Global Order”, wird lauter. Und er verhallt nicht ungehört. Ich sehe durchaus, daß viele Probleme, keineswegs nur Umwelt-, Ernährungs-. Gesundheits- oder Energieprobleme, nur global und gemeinsam gelöst werden können. Jedoch, alleine der Gedanke daran, wer alles und mit welchen Mitteln die beschworene neue Weltordnung herbeizuführen und Schlüsselstellungen der Macht zu besetzen versucht, macht mich gruseln. Werden die humanistischen Kräfte in der Welt die Oberhand behalten? Oder wird die neue Weltordnung von eiskalt rechnenden Ökonomisten, wahnwitzigen Militärs oder gar militanten politischen Außenseitern herbeigeführt werden? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins: Beten allein hilft nicht! Wehret den Anfängen!

Wer sich nur am Stammtisch ereifert und vorm Fernseher empört, ändert nichts. Jeder von uns, der in einer Demokratie lebt, hat noch die Möglichkeit Einfluß auf politische, wirtschaftliche und kulturelle Entscheidungen zu nehmen. Als Wähler und im Alltag. Sie wissen doch: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.” Wehret den Anfängen! Sie auch?

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA) wird im kommenden Jahr 120 Jahre alt. Vielen von Ihnen wird diese traditionsreiche Organisation noch unter dem ehemaligen Namen “Verein für das Deutschtum im Ausland” ein Begriff sein. Der neue Name wurde dem Zeitgeist angepaßt, das große Engagement seiner Mitglieder zum Wohle der deutschen Landsleute in aller Welt blieb unverändert. Der VDA sieht sich als Brücke zu den zwischen 14 und 15 Millionen Deutschen in aller Welt, die sich der alten Heimat bzw. der Heimat ihrer Vorfahren emotional verbunden fühlen und die deutsche Sprache und Kultur pflegen. Seine besondere Solidarität gilt, wie es in dem Aufruf an die Mitglieder und Freunde des VDA heißt, jenen Deutschen, die sich in Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion nach jahrzehntelanger Unterdrückung um die Wiederbelebung der deutschen Sprache und Kultur bemühen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß es in der Geschichte des VDA eine Reihe von Versuchen verschiedener deutscher Regierungen gab, diese Organisation zu mißbrauchen. Sie als Ochsen vor den Karren ihrer politischen Interessen zu spannen. Bei einem Verein, der sich um die Aufrechterhaltung der Verbindungen zu seinen Landsleuten im Ausland bemüht, überrascht das nicht sonderlich. Das mag für manche Funktionäre und verschiedene Mitglieder des VDA belastend — für andere gar verlockend gewesen sein. Ich weiß nicht, was z.B. die demokratisch gewählte VDA-Führung in der NS-Zeit dem Diktat der braunen Machthaber entgegensetzte? Gleichschaltung stand im “Tausendjährigen Reich” auf der Tagesordnung. Wie Kritiker behaupten, ordnete sich der VDA der “Führer befiehl, wir folgen!”-Aufforderung unter. Leider! Und doch: Mir fehlt, wie vielen Angehörigen meiner Generation, die genaue Sachkenntnis und somit auch das Recht, um über Gut und Böse, Recht und Unrecht in den einzelnen geschichtlichen Entwicklungsphasen des VDA zu befinden.

Korrekt ist, daß den Weg von der Gründung am 15. August 1881 in Berlin als “Allgemeiner Deutscher Schulverein” zum heutigen VDA Persönlichkeiten aus allen Parteien sowie gesellschaftlichen Klassen und Schichten geprägt haben. Der Reichspräsident Paul von Hindenburg, der zu Zeiten der Weimarer Republik an der Spitze der Organisation stand, gehörte ebenso dazu wie die prominenten Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner und Wenzel Jaksch. Wer seine Emotionen beiseite schiebt und für Gerechtigkeit eintritt, muß zugeben, daß es der VDA einfach nicht verdient hat, allein an seinen Taten in dunklen Jahren gemessen zu werden.

Jede Kritik ist schmerzhaft. Den Anschuldigungen von Nachkriegskritikern, daß es sich beim VDA um einen “rechtslastigen” Verein handele, wehrte vielleicht deshalb der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. Hans Klein (CDU/CSU), einst in einem Vortrag mit den Worten ab: “Entgegen nachträglicher Unterstellungen von parteipolitisch voreingenommenen heutigen Kritikern hat sich der VDA — seit 1908 trugen die zusammengeführten Schulvereine den Namen ‘Verein für das Deutschtum im Ausland’ — stets klar abgegrenzt gegen den in Zielsetzung und
Handlungsweise anders ausgerichteten Alldeutschen Verband und gegen antisemitische Einflüsse.” (Wer von Ihnen, liebe Leser, diese Aussage von Dr. Hans Klein durch Fakten be- oder widerlegen kann, sollte uns bald schreiben, weil “Deutsche Rundschau” in den nächsten Ausgaben Artikel veröffentlichen wird, die sich der Geschichte des VDA widmen.)

Und heute? Im jüngsten Aufruf an seine Mitglieder und Freunde läßt der VDA eine Zweifel an seiner Zielstellung: “Der VDA möchte auch im beginnenden neuen Jahrtausend eine Brücke zu seinen Landsleuten in aller Welt sein und den Dialog mit ihnen pflegen. Ein kleiner Teil der Deutschen im Ausland trägt durch seine Mitgliedschaft im VDA dazu bei, daß der Verein seine weltweite Arbeit zur Erhaltung und Förderung des Deutschtums leisten kann. Der VDA erhält dafür keine staatlichen Mittel und ist ausschließlich auf Spenden und Beiträge seiner Mitglieder angewiesen.”

Zweifellos ein Anliegen, das unsere ganze Unterstützung und die Solidarität aller im Ausland lebenden Deutschsprechenden verdient! Denn Hand aufs Herz: Nicht nur für den VDA, sondern für die Mehrheit der im Ausland um die Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur ringenden Organisationen stellt der anhaltende Mitgliederverlust das größte aller Probleme dar. Dem dürfen wir nicht länger tatenlos zusehen! Es müssen Konzepte gefunden werden, die insbesondere die jüngere Generation anziehen. Ein erster Schritt wäre, daß wir unsere eigenen Kinder ermutigen, ihr Mitspracherecht durch Mitgliedschaft wahrzunehmen. Mitgliedschaft im VDA? JA! Die Entscheidung über die Existenzberechtigung von Organisationen und Vereinen wie dem VDA darf nicht den innen- oder außenpolitischen Interessen und Zielen von Politikern überlassen werden. Doch was ist Ihre Meinung?

Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

mit der deutschen Sprache nimmt man es in Deutschland sehr genau. Die Rechtschreibreform scheint es zu belegen. Sie wurde trotz allem Für und Wider und trotz heftigen Widerstandes vieler Bürger durchgeboxt. Die für den Kurswechsel zuständigen Schriftgelehrten und vor allem die Kultusminister von Deutschland, Österreich und der Schweiz waren sich einig wie sonst selten. Die Mehrheit der im deutschsprachigen Raum publizierten Medien hat sich damit abgefunden und sich auf die neuen Regelungen eingestellt. “Deutsche Rundschau” folgt der neuen Sprachregelung noch nicht. Eine Entscheidung, die uns schon von einigen Redakteuren und Lesern geharnischte Kritik einbrachte. Wer mit dem Anspruch “Weltzeitung für Deutschsprechende” antrete, solle doch beispielgebend bei der Verbreitung der neuen Rechtschreibregeln vorangehen, wurde mir mündlich und schriftlich (in neuer Schreibweise!) mehrfach nahegelegt. Zunächst muß ich eingestehen, daß ich ein Gegner der neuen Rechtschreibreform bin. Nicht etwa aus Bequemlichkeit oder weil mir das Geld für die Installation des neuen Rechtschreibprogramm zu schade ist. Nein, weil für Deutschsprechende im Ausland das Umsetzen der Rechtschreibreform und Erlernen der neuen Regelungen viel schwieriger ist als in deutschsprachigen Mutter- und Vaterländern. Die Kinder deutschsprachiger Auswanderer erlernen meist die Mutter-, wenn nicht gar die Großmuttersprache zuerst. Erst danach oder gleichzeitig wird die Landessprache erlernt und erst dann, wenn überhaupt, werden sie in deutschen Samstagsschulen mit der neuen Regelung vertraut gemacht. Ich habe mir sagen lassen, daß viele deutsche Sprachschulen im Ausland noch nicht die entsprechenden Lehrmaterialien erworben haben. Nicht zuletzt, weil finanzielle und materielle Fördermittel aus der alten Heimat spärlicher als früher fließen.

Wird sich die “Deutsche Rundschau” der Rechtschreibreform anschliessen? Gewiß, denn viele unserer Redakteure und Korrespondenten arbeiten schon jetzt nach den neuen Regeln. Wir redigieren und editieren oft die nach der neuen Sprachreglung verfaßten Texte um. Ein zeitaufwendiges, nervenraubendes Unterfangen. Sie, liebe Leser, werden jedoch erst ab der Januar-Ausgabe im Jahr 2001 die “Deutsche Rundschau”, geschrieben in der neuen Rechtschreibung, lesen können. Bis dahin schreiten und schreiben wir im alten Stiefel weiter.
Die neue deutsche Rechtschreibreform hat auch noch andere Konsequenzen. Deutschstämmige Rußlanddeutsche, die ins “gelobte Deutschland” einwandern wollen, müssen in einem Sprachtest den Nachweis erbringen, daß sie die deutsche Sprache gut beherrschen. Wer den Test nicht mit Erfolg absolviert, kann seinen Traum vom Leben im Land seiner Ahnen nicht verwirklichen. Ich frage mich, was passiert wäre, wenn Kanada oder die anderen gefragten Auswandererländer in der Nachkriegszeit von ihren vielen deutschsprachigen Neueinwanderern einen ähnlichen Sprachtest in Englisch als Eintrittskarte gefordert hätten. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin der Meinung, daß jede/r Auswanderungswillige die Sprache der Wahlheimat schnellstmöglich erlernen und sprechen sollte. Man sollte aber an Deutschstämmige keine unnötig höheren Anforderungen stellen, als man sie an Antragsteller aus anderen Ländern stellt. Und was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

was verstehen Sie unter einer “unabhängigen Zeitung”? Ich verstehe darunter eine Zeitung, die ihre Autoren nicht einer Gesinnungsschnüffelei aussetzt, bevor sie sie zu Wort kommen läßt. Eine Zeitung, die sich an die Spielregeln der Demokratie hält. Eine Zeitung, die nicht bestimmte Meinungen bevorzugt oder gar indoktriniert. Eine Zeitung, die sachlich, wenn auch nicht ohne Leidenschaft berichtet und es ihren Lesern überläßt, welches Urteil sie sich aus dem Gelesenem bilden.
“Deutsche Rundschau” ist keine Parteizeitung. Als “kleinste globale Zeitung” bedienen wir die Leserinteressen von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung, Religion, weltanschaulicher Überzeugung, Lebenserfahrung und unterschiedlichen Alters. Daß dies eine schwierige Aufgabe ist, wird jedem einleuchten.
Man bewegt Menschen leichter zum Nachdenken, wenn man Dinge bewußt zuspitzt, Widerspruch herausfordert. Auf die Gefahr hin, daß man sich bei dem einen oder anderen Mitbürger unbeliebt macht. Deshalb schreibe ich Ihnen ungeschminkt meine Gedanken und Gefühle auf. Daß ich bei meinen Kommentaren oft kein Blatt vor dem Mund nehme, aus meinem Herzen keine Mördergrube mache und, das streite ich nicht ab, gelegentlich über’s Ziel hinausschieße, birgt das Risiko des “Anekkens” in sich. Berufsrisiko eines Journalisten. Ich nehme es, wenn auch gelegentlich mit Zähneknirschen, in Kauf. Jede auch kritische Leserzuschrift, die unsere Redaktion aus aller Herren Länder erreicht, werten wir zu allererst als Zeichen Ihrer Verbundenheit zu unserer “Weltzeitung für Deutschsprechende”.
Gewiß: Der Herausgeber und die Chefredaktion einer Zeitung sind Lesermeinungen und -befindlichkeiten sowie freundlichen oder weniger gut gemeinten Kommentaren regelrecht ausgeliefert. Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, die keiner kann. “Entlassen Sie sofort Ihre linken Schreiberlinge!”, fordern die einen. “Noch so ein rechtslastiger Artikel und Sie brauchen uns in Sachen Anzeigen nie wieder anzusprechen, Herr Klugmann!”, drohen andere. “Ändern Sie bloß Ihren Zeitungsnamen! “Deutsche Rundschau” klingt ja als Zeitungstitel ziemlich angestaubt. Sie sind doch nicht etwa deutschnational?”, fragen Dritte besorgt. Manche wollen es ganz genau wissen: “Wer bezahlt Sie eigentlich? Der Jüdische Weltkongreß?” Sensible meinen: “Warum haben Sie mein Gedicht nicht abgedruckt? Mein Ihnen zugesandtes Buch ist bis heute nicht rezensiert worden. Haben Sie etwas gegen junge Künstler oder mich persönlich?” Und dann kommt der erhobene Zeigefinger: “Warum lassen Sie in Ihrer Zeitung das “F-Wort” zu? Lassen Sie die “Deutsche Rundschau” nicht so verkommen!“ Wie angenehm ist dagegen die Aufforderung: “Drucken Sie bitte die Artikel in Ihrer Zeitung in größeren Buchstaben, diese kleine Schrift kann ja kein Mensch lesen und im übrigen sollten Sie sich zumindest am Telefon das Sächseln abgewöhnen.” Und abschließend die ganz Modebewußten: “Was tragen Sie denn für einen Mantel? Hatten Sie den schon bei Ihrer Ausreise aus Ostdeutschland an?” Ich möchte es bei diesem Meinungsspektrum unserer Leser belassen. Es ließe sich ausweiten.
Weiten Sie es mit aus! Halten Sie nicht mit Ihrer Meinung hinter dem Berg! Denn auch zukünftig werden unsere Korrespondenten/ Innen und Gastautoren/Innen ihre Meinung ungefiltert kundtun. Schreiben Sie uns, wenn Sie anderer Meinung sind oder es besser wissen. Schreiben Sie uns, wie wir unsere Zeitung noch interessanter, noch augenfälliger gestalten sollen. Schlagen Sie uns Ihre Themen vor, damit wir sie auf die Tagesordnung setzen können.
Teilen Sie uns mit, welche unserer Beiträge Sie gut fanden und welche nicht. Debattieren Sie energisch mit unseren Autoren, Redakteuren und Mitarbeitern, aber fordern Sie nicht gleich deren Entlassung! Denn wenn ich diesen Forderungen folgen würde, dann wären wir wieder auf der Stufe der gleichgeschalteten Medien angelangt. Auf Ihre Zuschriften freut sich Ihr

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

“Keine Politik ist besser als die Ziele, die sie sich setzt”, meint Henry Kissinger. Wenn diese Aussage stimmt, gehört Helmut Schmidt für mich in die vorderste Reihe der Männer, die das, was moralisch falsch war, nie politisch richtig fanden. Denn Eines muß man Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt lassen: Er weiß noch immer den Finger auf offene Wunden zu legen. Trotz seines hohen Alters hat der Mitherausgeber von Deutschlands renommierter Wochenzeitung “Die Zeit” seine Scharfsinnigkeit, Exaktheit und vor allem seine scharfe Zunge in der politischen Analyse und Debatte nicht eingebüßt. Letzteres macht ihn mir besonders sympathisch. “Das 21. Jahrhundert beginnt im Zeichen einer erdrückenden Präponderanz der USA – von Internet bis Electronic Commerce, von Bosnien bis Timor. Washington bemüht sich, die NATO zu einem globalen Instrument amerikanischer Machtpolitik umzuprägen”, schreibt er in seinem erst kürzlich in der renomierten Publikation “Die Zeit” veröffentlichten, mich sehr nachdenklich stimmenden Beitrag.
Helmut Schmidt, der mit den Großen dieser Welt verhandelte, ein fließendes Englisch spricht und über tiefere Kenntnisse amerikanischer Verhältnisse verfügt, als manch noch in Amt und Würden weilende europäische Staatsmann, weiß, wovon er spricht, wenn er das erdrückende Übergewicht der USA problematisiert. Zweifellos hat er recht, wenn er meint, daß aus amerikanischer Sicht die Europäische Union – das, vom Potential her gesehen, einzig ernstzunehmende Gegengewicht gegenüber den USA, – möglichst schwach bleiben sollte.
Präziser wäre es vielleicht gewesen, wenn er von der gegenwärtigen amerikanischen Regierung, den industriellen “Global Players” und der Hochfinanz gesprochen hätte. Denn sie sind es, die die “Amerika First!” – Politik noch immer ganz in Ordnung finden und ihren Freunden in Übersee nur so weit freundschaftlich begegnen, wie deren Politik amerikanischen Interessen nicht zuwiderläuft. Und der Zusammenbruch des Ostblocks mit der Weltmacht UdSSR hat diese internationale Dominanz der USA, die nun weltweit kein wirkliches Gegenüber mehr zu fürchten haben, befördert. Bleibt zu hoffen, daß die “Gefahr eines sozial rücksichtslosen Raubtier-Kapitalismus”, von der der Alt-Bundeskanzler spricht, noch rechtzeitig gebannt wird.
Wenn es um unsere heutige Welt so bestellt ist, wie es Helmut Schmidt darlegt und wie ein Blick in die internationale Politik belegt – man denke nur an die Düpierung der EU durch Präsident Clinton bei der Wahl des Präsidenten des IWF –, fragt man sich, welche Antworten darauf die Europäische Union parat hat. Was gedenken die Hochkommissare der EU zu tun, um dem übermäßigen Machthunger der USA gleichwertig zu begegnen? Was gedenkt insbesondere Deutschland zu tun? Als wirtschaftlicher Motor der Europäischen Union ist es wie kein anderes europäisches Land ins Visier der Mächtigen in Übersee geraten. Nicht nur führende Unternehmen der deutschen Großindustrie haben in jüngster Zeit in den USA, nicht zuletzt durch Anzeigenkampagnen im Zusammenhang mit der Zwangsarbeiter-Debatte, an Ansehen eingebüßt. Auch anderweitig scheinen die Beziehungen zwischen den USA und dem NATO-Partner Deutschland belastet. So steht plötzlich wieder die von Stuart Eizenstat, dem US-Unterhändler über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern, aufgeworfene Frage im Raum: Wie es eigentlich um Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg bestellt sei? Wird Deutschland seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU überhaupt noch zukünftig gerecht werden können, wenn Reparations-Milliarden über den großen Teich fließen müssen? Sicherlich ist diese von Eizenstat aufgeworfene Frage letzten Endes auch in den USA weder konsens- noch politikfähig, doch allein der Umstand, daß sie überhaupt in einem offiziellen Kontext gestellt werden konnte, bewirkte eine beträchtliche Irritation.
Von der amerikanisch-europäischen Beziehungskrise betroffen sind nicht zuletzt auch die deutschsprachigen Minderheiten. Wenn sich das politische Klima zwischen Ländern verschlechtert, sind ethnische Minderheiten immer mit belastet, wenigstens mittelbar. Manch Auslandsösterreicher wird nach den jüngsten Wahlen in Österreich sein Lied davon zu singen wissen. All das gesagt, scheint mir jedoch die große Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung weder anti-europäisch, noch anti-deutsch oder anti-österreichisch eingestellt zu sein. Da sich bei der letzten Volkszählung in den USA erneut große Teile der amerikanischen Bevölkerung, in einzelnen Bundesstaaten sogar über 50%, zu ihrer deutschsprachigen Abstammung bekannten, bleibt zu wünschen, daß sich diese Bevölkerungsgruppe nicht nur bei statistischen Erhebungen ihrer Wurzeln besinnt.
Viel wünschenswerter wäre, wenn sich der Austausch von Schülern, Studenten, und Facharbeitern zwischen der Alten und Neuen Welt unbürokratischer in einem breiteren Rahmen entwickeln könnte. Wenn junge Menschen beider Kontinente sich öfter begegnen, heilen auch noch offene Wunden schneller. Für diesen Heilungsprozeß setzt sich auch die “Deutsche Rundschau” weiterhin ein. Dem Brückenbauen haben wir uns seit der Erstausgabe verschrieben. In diesem Sinne möchte ich auch Sie, unsere Leser, zur Gestaltung von Geschichte ermutigen. Denn um mehr Bürger- und globalen Gemeinschaftssinn zu entwickeln, benötigt man keines der hochdotierten Ämter, sondern vor allem Zivilcourage. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

im Ausland lebende Deutschsprechende tauchen als Konsumenten höchst selten in Statistiken auf. Bei der Mehrheit versierter Wirtschaftswissenschaftler und bei Weichenstellern in den Chefetagen der deutschen, österreichischen und Schweizer Industrie findet man nur selten ein offenes Ohr, wenn man eine Lanze für diese wichtige Verbrauchergruppe brechen will.
Als Argument wird dabei oft ins Feld geführt, daß man den jeweiligen Markt als Ganzes oder sich gar als “global player” betrachte. Den Hinweis, daß man ein “Weltspieler” sei, finde ich gar nicht einleuchtend, denn weltweit sprechen über 100 Millionen Menschen täglich Deutsch. Gemessen am asiatischen Markt ist diese Konsumentengruppe zwar klein, doch dafür mit (ehemals) deutschen Marken besonders vertraut. Erfahrungsgemäß stehen unsere ausgewanderten Landsleute und Freunde der deutschen Sprache nicht nur der deutschen Kultur nahe. Viele deutsche, österreichische und Schweizer Waren würden sich gewiß schneller und leichter in ausländischen Märkten absetzen lassen, wenn man das Kaufverhalten der dort lebenden deutschsprechenden Bürger öfter zum Gegenstand der Marktforschung und wissenschaftlicher Untersuchungen machen würde.
Mir fiel auf, daß beispielsweise Deutschamerikaner und Deutschkanadier der zweiten und dritten Generation gern Waren kaufen, von deren Qualität schon ihre Vorfahren begeistert waren. Auch dann, wenn sie nicht mehr fließend oder gar nicht Deutsch sprachen. Mit diesem Kaufverhalten unterscheiden sie sich oft von anderen Konsumenten in Nordamerika. Verwunderlich ist deshalb, daß Unternehmer aus dem deutschsprachigen Teil Europas ihre Marktstrategien nicht stärker auf diese Verbrauchergruppe ausrichten. Denn während in Deutschland jedes Kind Coca Cola und McDonald’s kennt, ist es leider um den Bekanntheitsgrad deutscher Markenartikel, Luxusautomarken ausgenommen, in den USA und Kanada nicht so gut bestellt. Zum einen liegt es wohl daran, daß sich nur wenige Tochterfirmen zu ihrer deutschen Mutter bekennen wollen und im extremen Fall sogar einen anderen Markennamen als im Mutterland führen (müssen?). Andererseits obliegt die Unternehmensleitung vieler Niederlassungen, anders als in den 50er und 60er Jahren, Amerikanern oder Kanadiern. Darf von diesen Entscheidungsträgern erwartet werden, daß sie den Kaufstimulatoren “Erinnerung” und “Heimatliebe” besondere Bedeutung beimessen? Immer häufiger produzieren auch deutsche “Firmen von Welt” ihre Markenerzeugnisse in verschiedenen Billiglohnländern. Natürlich mit der Begründung wettbewerbsfähig bleiben zu wollen, was wohl ein vornehmer Ausdruck für Profitmaximierung ist. Aber andererseits wird der Bezug auf eine profitabel erscheinende Zielgruppe nicht gesucht und zum Teil gar bewußt vermieden. Ist die zunehmende Identitätslosigkeit bei Erzeugnissen eine Schatten- oder Sonnenseite der Globalisierung?
Letztendlich entscheidet die Qualität der Erzeugnisse über den Absatz. Das Herkunftsland scheint dabei unwesentlich. Doch ist es das wirklich? Stellt man nicht noch immer bei Wortverbindungen wie russischer Wodka und Kaviar, argentinisches Rindfleisch, kolumbianischer Kaffee, deutsche Autos usw. gedankliche Verbindungen her? Besitzen diese Verbindungen noch einen Verkaufswert? Ich meine JA!
Zurecht wird nicht nur in Deutschland über die Amerikanisierung des Alltags geklagt. Doch wer so klagt, unternimmt oft selbst nicht viel, um seine Produkte jenseits des Ozeans ideenreich im Markt anzubieten. Wer Gleiches mit Gleichem zu vergelten versucht, sollte sich nicht als U-Boot im nordamerikanischen Markt bewegen, sondern Flagge zeigen, wie das Nordamerika in Deutschland auch tut. Als ich mich bei meinem jüngsten Berlinbesuch bemühte, für meine kanadischen Kinder den von ihnen gewünschten Pulli mit Kennedys berühmter Aussage: “Ich bin ein Berliner” zu erwerben, erntete ich nur Kopfschütteln. “Wat denn, Ihre Kids sind Kanadier und denn koofen Se nich “I like Berlin?”, wurde ich halb ungläubig und halb vorwurfsvoll gefragt. Pullis mit englischen, zum Teil sinnlosen Sprüchen waren dagegen in Hülle und Fülle vorhanden. Ein anderes Beispiel: Als ich im Wartezimmer meines Augenarztes auf eine Werbebroschüre von Zeiss stieß, wollte ich diese erfreut meiner Frau zeigen. Um so ärgerlicher war ich, als ich feststellte, daß man nirgendwo ersehen konnte, daß es sich bei Zeiss-Brillengläsern um ein deutsches Markenprodukt handelt. Mir ist das unverständlich. Zumal das “Made in Germany” nicht nur bei deutschstämmigen Konsumenten noch immer den Ruf deutscher Wertarbeit in sich trägt.
Wer lange Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet hat, weiß um den Einfluß, den Einwandererfamilien aus der Alten Welt auf das Kaufverhalten ihrer Freunde und Bekannten in der Neuen Welt haben. Sie sind es, die oft entscheidend zum guten oder auch schlechten Ruf eines Produktes beitragen und zum Kauf oder Nichtkauf eines Erzeugnisses “Made in Germany, in Austria oder in Switzerland” ermuntern. Man weiß aber auch um die “Nostalgie” der Auswanderer, die Sehnsucht nach heimischen Produkten. Und warum sollte das, was bei Osterhasen aus Schweizer Schokolade und Weihnachtsbaumkugeln aus Deutschland funktioniert, bei technischen Erzeugnissen weniger wirken?
Zumindest Panzer scheinen sich immer noch besser zu verkaufen, wenn der deutsche Firmenname fällt. Aber brauchen Sie einen Panzer? Auf Ihre Zuschriften freut sich Ihr

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

in Österreich war ich bisher noch nicht. Eine Bildungslücke? Zu DDR-Zeiten ließ man mich nur in Richtung Osten. Um als “Reisekader”, wie es damals im DDR-Deutsch hieß, für die fast sozialistisch regierte Alpenrepublik nominiert zu werden, war ich wohl zu unbedeutend oder nicht zuverlässig genug. Meinen Traum, mit österreichischen Freunden in einem Wiener Caféhaus zu sitzen und Sachertorte mit Schlagobers zu schlemmen, wollte man mir jedenfalls nicht erfüllen. Obwohl es hieß, daß die Beziehungen zwischen Österreich und der DDR besser als die zur (damals sozialdemokratisch regierten) Bundesrepublik seien, ließ es die Intoleranz der DDR-Mächtigen nicht zu, ihren Bürgern die Anschauung der Welt zu erlauben, wo sie doch so gern von Weltanschauung sprachen. Mittlerweile habe ich die erträumten österreichischen Spezialitäten probiert. Zu meinem gewachsenen Bekanntenkreis zählen heute auch Auslandsösterreicher. Ob darunter Linke oder Rechte sind, vermag ich nicht zu sagen. Es ist mir auch, schlicht gesagt, egal. Und doch: Wer mir einreden will, Menschen nur nach ihrer Parteizugehörigkeit, religiösen Überzeugung, Hautfarbe oder sozialen Herkunft zu beurteilen, kann zwar zur Not ein Gesprächspartner, aber nicht mein Freund sein. Wie würden Sie sich verhalten, wenn heute jemand leise warnend zu Ihnen sagt: “Du willst Dich doch nicht etwa zu diesen Farbigen an den Tisch setzen?” Sicherlich werden Sie empört sein. Und wie reagieren Sie, wenn man flüstert: “Setz Dich nicht zu Herrn X. an den Tisch. Der ist ein verkappter Roter. Womöglich ist er sogar einer dieser gefährlichen Ost-Juden”? Mit Bestürzung? Können Sie sich vorstellen, daß es heute noch Leute gibt, die derartige Ratschläge erteilen? Würden Sie schweigend Toleranz üben?

Goethes Gretchen-Frage wird heute in vielen Schattierungen gestellt. “Und wie hältst Du es mit Herrn Haider?” scheint dabei die aktuellste Variante zu sein. Wobei ich wieder bei Österreich wäre. Folge ich blind dem Mahlstrom internationaler Meinungsmacher, muß ich schlußfolgern, daß sich die mündigen Österreicher Wähler in ihrer Mehrheit verwählt haben. Sie haben sich jedoch nicht urplötzlich anders entschieden oder gar vom Paulus zum Saulus zurückentwickelt. Sie hatten einfach die Nase vom rot-schwarzen Regierungsklüngel voll. Ich weiß nur eins, Jörg Haider hat es geschafft: Er ist zum medialen Weltereignis geworden. “Lieber einen schlechten Ruf als gar nicht bekannt”, wird er sich vielleicht sagen. Und wir? Sollen wir uns dem Trommelfeuer der Tagesmedien gegen das Rechtsbündnis in Wien anschließen? Nein, ich bin für Mäßigung und mehr Sensibilität, wenn auch unter dem Aspekt kritischer Distanz.

Für Mäßigung, weil ich die Ansicht von Theo Sommer, Mitherausgeber von “Die Zeit”, teile, wenn er in der Ausgabe Nr. 7 vom 10. Februar 2000 schreibt: “Zum Dritten verstößt der EU-Bann gegen das fundamentale Recht einer jeden Demokratie, frei zu entscheiden, welche Partei die Bürger wählen und welche dieser Parteien die Regierung bilden soll. Soll so ein europäisches Wertebewußtsein entstehen? Eher wächst nun wohl die Furcht, daß in Europa künftig eine Art umgekehrter Breschnew-Doktrin gelten soll. Ein unerhörter Vorgang: Eine Kabale von EU-Regierungschefs befindet darüber, ob demokratische Entscheidungen der Völker gültig sind.” Nein, ich kann die Überreaktion der EU-Regierungschefs auch nicht billigen. Sie hat nicht nur den Stolz vieler Österreicher verletzt, sondern wird der Wiener Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ womöglich noch mehr “Trotzwähler” zutreiben. Ich verstehe nicht, wie gebildete, angeblich demokratisch gesinnte Menschen zum wirtschaftlichen Boykott, zur politischen Isolation bis hin zum Verzicht auf den Urlaub in der Alpenrepublik auffordern können.

Hat nicht gerade die von der deutschen SPD-Führung in den 70er Jahren klug erdachte, neue Ost-Politik, “Wandel durch Annäherung”, zum Erfolg und Ende des kalten Krieges geführt? Sich somit bewährt? Ich bin für mehr Sensibilität, weil ich meine, wer sich besucht, miteinander spricht und Waren handelt, schießt nicht aufeinander. Intoleranz ist die Vorstufe zum Krieg. Ich hasse militärische Konflikte.

In Österreich bin ich bisher noch nicht gewesen. In diesem Jahr besuche ich es. Trotz alledem! Und Sie? Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

was im deutschsprachigen Teil Europas, insbesondere in Deutschland, vor sich geht, läßt im Ausland lebende Deutschsprechende mehrheitlich nicht kalt. Ganz gleich, ob man die ehemalige Heimat unter Zwang verlassen mußte oder “nur” der Liebe wegen auswanderte, vielleicht in der Hoffnung auf eine glücklichere und sozial sicherere Zukunft unter fremden Sternen – die Bindung an das Zurückgelassene bleibt. Häufig wächst das Interesse an politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Ereignissen mit zunehmendem Abstand. So war und ist es gerade das von den jeweiligen Landesmedien nur mangelhaft und “einäugig” befriedigte Informationsbedürfnis der im Ausland lebenden Deutschsprachigen, welches im letzten Jahrhundert zur Neugründung oder Wiederbelebung deutschsprachiger Auslandsmedien, darunter auch der “Deutschen Rundschau”, führte.

Und obwohl den Bundesregierungen in Deutschland und Österreich gewiß bekannt ist, daß das Deutschland- und Österreichbild der außerhalb des deutschsprachigen Europas lebenden Deutschsprechenden wesentlich von den Meldungen nationaler, nicht unbedingt immer deutsch-und österreichfreundlicher Nachrichtenmagazine und Fernsehsender geprägt wird, scheinen die Mittel für den Ausbau eigener deutschsprachiger Nachrichtensendungen und die Förderung deutschsprachiger Medien im Ausland immer spärlicher zu fließen. So hat z.B. der dem bekanntesten deutschen Auslandssender, der Deutschen Welle, von der SPD-Regierung verordnete Aderlaß vor allem uns im Ausland lebenden Deutschsprechenden eine wichtige Informations- und Unterhaltungsquelle entzogen. Die Schließung weiterer Goethe-Institute, der Entzug wichtiger finanzieller Mittel für den VDA und die Ablehnung von offiziellen Fördermitteln für Medien wie unseres setzt offenbar die Serie des (planmäßigen?) Beziehungsabbruchs zwischen im Ausland lebenden Deutschsprechenden und Deutschland weiter fort. Dabei spreche ich noch gar nicht von den vielen, die deutsche Bundesregierung händeringend um finanzielle Unterstützung bittenden deutschen Sprachschulen, Organisationen und Klubs.

Gesagt werden muß, daß die “Rotstiftpolitik” der Bundesregierung Deutschlands keineswegs erst mit der rot-grünen Berliner Regierung begonnen hat. Vielmehr sei an dieser Stelle an die von uns im Herbst 1997 veröffentlichten kühlen Absagen der Kohl/Kinkel-Regierung erinnert, als sich die “Deutsche Rundschau” mit einem Bittgesuch nach Bonn gewandt hatte. Gerade auch unter diesem spezifisch “auslandsdeutschen” Blickwinkel wiegen die “schwarzen Konten” Helmut Kohls und der Skandal um CDU-Parteispenden auch für Deutschsprechende im Ausland schwer. Während für hilfesuchende auslandsdeutsche Organisationen und Einrichtungen keine müde Mark vorhanden war, ließen deutsche Spitzenpolitiker mit Geldern aus dunklen Quellen ihre heimlichen Parteikassen klingeln. Mit dem Sprichwort: “Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken” bewahrheitet sich auch in diesem Fall der Volksmund.

Der Schröder/Fischer-Regierung ist deshalb geraten, die von auslandsdeutschen Vereinen, Klubs, Organisationen und Medien ausgestreckte Hand zu ergreifen und die “Rotstiftpolitik” zu stoppen. Letztendlich haben im Ausland lebende Deutschsprechende nicht nur einen wesentlichen Einfluß darauf, ob und welche deutsche Erzeugnisse gekauft und welche deutschen Serviceleistungen in Anspruch genommen werden, sondern auch darauf, wie sich das Ansehen Deutschlands im Ausland verbessert. Oder? Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie heute den Begriff “Mauer” hören? Vielleicht die Chinesische Mauer, auch Große Mauer genannt, die mit etwa 6.250 km Gesamtlänge als die größte Schutzanlage der Erde galt? Oder die Klagemauer im alten Jerusalem, deren unterste fünf Steinlagen zum herodianischen Tempel gehören? Nein, ich bin überzeugt, daß Ihnen zunächst die Berliner Mauer einfällt, wenn Sie ein Reporter auf der Straße nach “Mauergefühlen” befragt. Nur selten widmen Medien weltweit einem Ereignis so viel Raum, wie es aus Anlaß des Falles der Berliner Mauer am 09. November 1989 oder seines erst kürzlich begangenen 10. Jahrestags des Mauerfalls passierte. Staatsoberhäupter meldeten sich in den letzten Wochen ebenso zu Wort, wie “einfache” Menschen ihre Erinnerungen an diesen historischen Tag und damit verbundene Gefühle zum Ausdruck brachten. Was und wer letztendlich zum Fall der Berliner Mauer entscheidend beigetragen hat, wird wohl noch ein Weilchen im Verborgenen schlummern, bis der über den Tatsachen hängende feingewebte Schleier von Geschichtswissenschaftlern und Steckenpferd-Historikern behutsam oder mit einem Ruck weggezogen werden wird.

Erzwang eine “Revolution von unten”, die Massendemonstrationen in Leipzig, Dresden, Ost-Berlin und anderen DDR-Städten die Öffnung der Mauer? Oder war es eine “Revolution von oben”? Die Meinungen gehen darüber, je nach Standpunkt des Betrachters, auseinander. “Die kluge Politik Ungarns, der Realismus und die Besonnenheit Gorbatschows, die feste Unterstützung durch die USA und nicht zuletzt die ausgestreckte Hand vonseiten der Europäischen Gemeinschaft – das alles ist aus der Geschichte jener Monate nicht wegzudenken und bleibt unvergessen”, formulierte es der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland in seinem Leitartikel in der Oktober/November-Ausgabe der “Zeitschrift Deutschland”. Eine Aussage, der ich, was die “ausgestreckte Hand der EG” betrifft, so nicht zustimmen möchte! Erstens war und blieb die britische Premierministerin Margaret Thatcher gegen die Wiedervereinigung und zweitens mußte auch der französische Präsident Mitterand nach seinem Treffen mit Honecker von Helmut Kohl überzeugt werden, daß die Wiedervereinigung ein gute Sache sei. Doch bekanntlich hat der Erfolg viele Väter, die Niederlage immer nur einen. Wenn auch pure Spekulation, wäre es interessant zu wissen, wer sich zu seinem Engagement bekannt hätte, wenn der Versuch die Mauer zu öffnen gescheitert wäre? Wenn der Wille nach einem “einig Vaterland”, wie am 17. Juni beim Volksaufstand in der DDR, von russischen Panzern blutig niedergeschlagen worden wäre? Dann wohl wäre der “Ruhm der Märtyrer” doch nur auf die Bürgerrechtler und Demonstranten in der DDR gefallen. Zum Glück und zur Freude vieler Menschen in aller Welt verlief der Fall der Berliner Mauer über Nacht, ganz ohne Blutvergießen und “Gott-sei-Dank” ohne die militärische Konfrontation zwischen Warschauer Pakt und NATO. Stattdessen hat der Fall der Berliner Mauer nicht nur Deutschland zumindest geografisch geeint, sondern tatsächlich Europa politisch und wirtschaftlich tiefgreifend verändert.

Ich stimme dem Mitherausgeber der deutschen Wochenzeitung “Die Zeit”, Theo Sommer, zu, wenn er schreibt, daß “… die größer gewordene Bundesrepublik (noch) ein geschichtliches “Halbfabrikat”", sei. Das wurde mir in den vergangenen Wochen deutlich bewußt, als ich als Mitglied einer internationalen Journalistendelegation auf Einladung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung an einer Informationsreise zum 10. Jahrestag des Berliner Mauerfalls teilnehmen durfte. Bis zu meinem “Flug in die Freiheit”, nach Kanada, hatte ich fast 18 Jahre, bis 1988, im Ostteil Berlins gelebt, geliebt und gearbeitet. Diese Zeit hat mich ebenso geprägt wie meine Freunde, die damals im Westteil der Stadt lebten. Auch sie wurden vom Alltagsleben der “Frontstadt” beeinflußt. So, wie wir Auslandsdeutschen eine eigene Identität entwickelt haben, die sich von der Identität der in Deutschland lebenden Deutschen mehr oder weniger deutlich unterscheidet, haben sich auch in mehr als vier Jahrzehnten DDR und BRD zwei unterschiedliche Identitätsgefühle entwickelt. So fiel mir, dem bereits kanadisierten Auslandssachsen, im Gespräch mit Berlinern auf, aus welchem Teil der Stadt sie vor der Öffnung der Mauer stammten. Die anfängliche Reserviertheit, die mir auf Grund meines unverleugbaren sächsischen Dialekts zunächst entgegengebracht wurde (wobei Sachsen auch in Ostberliner Zeiten eher gelitten als geliebt waren), entspannte sich erst, wenn zur Sprache kam, daß ich seit einigen Jahren kanadischer Staatsbürger bin.

So brachten mir z.B. “Westberliner” unverhohlen zum Ausdruck, daß der asbestverseuchte “Palast der Republik” verschwinden müsse. Er sei schließlich die “Pißmarke der Ostberliner Machthaber”, meinte eine Charlottenburgerin drastisch. Dagegen sträubten sich die Haare von in der DDR aufgewachsenen Bekannten, die keine PDS-Anhänger sind, als ich ihnen die extreme Ansicht zu “Honeckers Lampenladen” übermittelte. “Man will im Osten alles platt machen, was nur mit einem Hauch an die guten Seiten der DDR erinnert”, war das Gegenargument der Befragten. Ja, Beispiele für die unterschiedlichen Wertmaßstäbe zwischen alten und neuen Bundesländern gäbe es viele zu nennen. Jeder, der das neue Deutschland besucht, wird sie finden. Doch muß man deshalb gleich immer von der noch vorhandenen “Mauer in den Köpfen” sprechen und schreiben? Warum spricht man nicht über die Gemeinsamkeiten, uns Vereinendes. Heute sind wir ein Volk! Wer untersucht, was Deutsche in Ost und West und was Deutsche in Deutschland und Deutschsprechende im Ausland verbindet? Wer stellt den Antrag, daß auch die verbliebenen Reste der Berliner Mauer als “Weltkulturerbe” anerkannt werden? Sie würde damit nicht nur nachfolgenden Generationen, sondern auch ausländischen Gästen als Mahnung dienen und vielleicht den Aufbau ähnlicher Mauern ein für alle Mal verhindern. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

“Immer der Erste zu sein
und immer voranzustreben den anderen,
und nicht der Väter Geschlecht
zu beschämen!”
Homer, Ilias

Liebe Leser,

offensichtlich gab es schon in der Antike guten Grund für Homer sich mit Mahnungen, wie der Eingangs zitierten an das griechische Volk oder besser, die Eliten seines Landes, zu wenden. Heute, im Zeitalter der Hochtechnologien und Globalisierung, scheinen die Epen des großen Literaten allenfalls für wissenschaftliche Arbeiten zu taugen. Im “Handbuch für Spitzenpolitiker”, wenn es ein solches überhaupt gibt, ist dieser homersche Rat gewiss nicht zufinden. Dabei wäre es dringend nötig, daß wir uns im hektischen Alltag, am Ausgang eines kriegerischen, blutigen Jahrtausend, wieder auf das besinnen, was uns geistige Giganten der Menschheitsgeschichte hinterließen. Eine breite Diskussion darüber entfachen, welche von unseren Ahnen gepriesenen und geprägten “menschlichen Werte” noch heute Richtschnur des täglichen Handelns sein sollten.Sollte die in der alten preußischen Nationalhymne enthaltene Aussage: “üb immer Treu und Redlichkeit bis an Dein Lebensende” noch gelten oder doch lieber auf dem Müllhaufen der Geschichte landen? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, doch ich gewinne sehr oft den Eindruck, daß das Schrittmaß unserer heutigen Welt nur noch vom Geldwert bestimmt wird. Wohin haben uns unsere “Eliten” geführt, wenn aus den Ereignissen der letzten Jahrhunderte kaum Lehren gezogen wurden? Wurden doch die größten Geissel der Menschheit: Krieg, Massenarmut und -arbeitslosigkeit, Elend und Seuchen, wenn schon nicht gebannt, nicht einmal auf ein Minimum eingeschränkt! Wohin haben uns unsere politischen und wirtschaftlichen “Eliten” geführt, wenn der Abstand zwischen den Superreichen und Bettelarmen noch größer geworden ist? Wohin haben uns unsere “Eliten” geführt, wenn beispielsweise der Bundesminister für Finanzen von Deutschland, des “wirtschaftlichen Motors” der Europäischen Union, eingestehen muß, daß seine Regierung eine Ausgangslage von 1,5 Billionen DM (!) Schulden vorfindet? Wohin haben uns unsere “Eliten” geführt, wenn bereits vorhandene soziale Risse in unseren Ländern und Gesellschaften immer tiefer werden?

Sollten es nicht zuerst unsere “Eliten” sein, die versuchen, “Immer der Erste zu sein und immer voranzustreben den anderen, und nicht der Väter Geschlecht zu beschämen!”? Dabei denke ich hier an all die Mütter und Väter, die im Kampf gegen Tyrannei, für Demokratie und soziale Gerechtigkeit in den vergangenen Jahrhunderten ihr Leben ließen oder, wie die deutschen Revolutionäre von 1848, ihre Heimat verlassen mußten. Wo bleibt zum Beispiel der von Alt-Bundespräsident Herzog geforderte “Ruck”, der in Deutschland durch die Gesellschaft gehen sollte? Nimmt man die soziale Lage der sogenannten Industrieländer genauer unter die Lupe, ist es im Grunde genommen fast eine finanzielle Bankrotterklärung, die unseren heranwachsenden Kindern und Enkeln als Erbe aufgebürdet wird. Dabei steht dieses Erbe im krassen Widerspruch zu den global vorhandenen personellen, materiellen und finanziellen Möglichkeiten. Was passiert mit den, durch Elefantenhochzeiten entstehenden, unermeßlichen Profiten der Superbanken und Riesenkonzerne?

Wo bleibt das moralische Gewissen der eigentlichen Nutznießer dieser gigantischen Verschmelzungsprozesse von Politik, Industrie und Kapital, die nicht müde werden sich selbst immer wieder als “Eliten” zu bezeichnen? Wie kann es je die Regierung und Elite eines x-beliebigen Staates verantworten, daß der Rotstift ausgerechnet beim Bildungs- Gesundheits- und Kulturhaushalt angesetzt wird ? Verantworten, daß Jugendliche massenhaft weder Ausbildung noch Arbeit finden?
Ich wünsche mir vor allem ein friedliches neues Jahrtausend. Ein Jahrtausend, in dem Regierungen an der Macht sind und von uns solche Politiker in die Regierungsverantwortung gewählt werden, die sich nicht als “Elite” mit Sonderrechten ausstatten, sondern sich tatsächlich als erste Diener des Staates oder einer Staatengemeinschaft verstehen. Ein Jahrtausend in dem die Menschen der Dritten Welt mit Hilfe der reichen Länder besser in die Lage versetzt werden, Ihr Menschsein als Menschen zu geniessen. Ein Jahrtausend in dem die Vereinten Nationen nicht nur über Menschheitsprobleme debattieren, sondern sie unbürokratisch lösen. Ein Jahrtausend in dem sich die Supermacht USA demokratisch gefassten Beschlüssen der Vereinten Nationen unterordnet und endlich ihre Schulden von mehr als 1 Milliarde Dollar bezahlt. Ein Jahrtausend, was noch mehr Männer, wie den Amerikaner Ted Turner hervorbringt, der den Vereinten Nationen von seinem Reichtum 1 Milliarde Dollar schenkte. Und was wünschen Sie sich vom neuen Jahrtausend? Auf Ihre Zuschriften freut sich,

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

Vom “Großen Lauschangriff” war in bundesdeutschen Medien in den letzten Monaten sehr oft die Rede. Sogar vom “Angriff aus dem All” war in “Der Spiegel” 13/1999 zu lesen. Ungeniert würden vor allem Amerikaner die deutsche Wirtschaft ausschnüffeln, die mit großem Aufwand und High-Tech Telefonleitungen und Computernetze durchforsten würden. Viel Lärm um Nichts? Der deutsche Bundesgerichtshof hat es vor kurzem als rechtens erklärt, daß alle Auslandsgespräche aus Sicherheitsgründen abgehört werden dürfen.

Insidern wird diese Nachricht nur ein müdes Lächeln abgerungen haben. Durften doch die Schutzengel dieseits und jenseits der Elbe schon seit Jahrzehnten ihre Wanzen auslegen. Denn was dem Stasi recht war, konnte ja dem Bundesnachrichtendienst nur billig sein. Das innerdeutsche Lauschen hatte zwar System, dürfte jedoch auf den Verlauf der Weltgeschichte keinen wesentlichen Einfluß genommen haben. Auch den Fall der Berliner Mauer, der sich im November diesen Jahres zum 10. Male jährt, konnten weder die kleinen noch großen Meister der Abhörkunst seinerzeit vorhersagen.

“Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand”, pflegte schon meine Oma zu sagen, wenn ich als Kind versuchte, den oft langweiligen Gesprächen der Erwachsen zu folgen. Ob nun die professionellen Lauscher in aller Welt auch ihre “eigne Schand” (an)hören müssen, sei dahingestellt. Fraglich ist, ob das neuerdings gesetzlich sanktionierte, behördliche Lauschen auch den vorgegebenen Zweck erfüllt.

Dem hohen Anspruch, die Bürger des Landes besser vor Terroristen schützen zu wollen, wird es voraussichtlich nur mangelhaft Rechnung tragen. Schlimmer ist, daß die Mehrheit der Politiker, statt laut aufzuschreien, scheinbar unbeteiligt zur Tagesordnung übergingen, als dieses Abhör-Gesetz in Deutschland zur Diskussion stand. Vielleicht empfand man, daß man gegenüber seinem “Big Brother” dringenden Nachholbedarf hatte.? Wie dem renomierten deutschen Nachrichtenmagazin zu entnehmen war, “haben die amerikanischen Geheimdienste den Auftrag, zum Wohle der US-Wirtschaft Informationen zu sammeln und an die eigenen Unternehmen weiterzugeben.” Ganz offiziell habe der US-Präsident Bill Clinton die Wirtschaftsspionage zu einer der Hauptaufgaben des CIA erklärt. Clinton wird mit den Worten “Was gut ist für Boeing, das ist gut für die USA” zitiert. Dieser Gedanke ist nicht neu. Schon Charles Wilson, ehemaliger Chairman von General Motors und späterer Wirtschaftsminister von Präsident Dwight Eisenhower, war der festen Überzeugung: “What is good for GM is good for the United States”. Mit dieser Aussage schmetterte er einst vorwurfsvolle Fragen von Journalisten ab, denen Eisenhowers die Großindustrie fördernde Politik ein gewaltiger Dorn im Auge war. Die Ansicht: “America first”, koste es was es wolle, scheint heute noch die Zustimmung vieler Amerikaner zu finden. Dabei nimmt Mancher gern in Kauf, wenn seine Freunde und Bündnispartner ausgehorcht werden. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser! Zumal, wenn etwas dabei herausspringt…

Zwar ist Wirtschaftsspionage den deutschen Nachrichtendiensten noch ausdrücklich untersagt, doch ob das so bleiben wird, ist stark anzuzweifeln. Dabei geht es bei der ganzen Abhörerei ja nicht nur um Wirtschaftsspionage! Finden Sie nicht auch, daß es ein unerhörter Eingriff in die Privatsphäre einer Person oder eines Unternehmens ist, wenn man sich an der vielzitierten Schwelle zum Jahr 2000 nicht mehr sicher sein kann, sein internationales Telefonat unbelauscht zu führen? Dominieren “Alles sehende Augen” und “Alles hörende Ohren” zukünftig noch mehr unseren Alltag?

Technisch kein Problem, sagen Fachleute. Ganze Industriezweige haben sich mittlerweile auf das profitable Abhörgewerbe eingestellt. So kann beispielsweise das vom amerikanischen Nachrichtendienst NSA entwickelte Abhörsystem “Echelon” nicht nur weltweit jede E-Mail, sondern auch herkömmliche Telefongespräche und den Fax- und Telexverkehr ungefiltert abhören und zur Auswertung weiterleiten.

Otto-Normal-Verbraucher wird nun wieder die Suppe auslöffeln dürfen, die ihm von den Kalten Kriegern der Neuzeit eingebrockt wird. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”, pflegte der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) den Landsleuten im anderen Teil Deutschlands mitzuteilen. “Die Worte hört ich wohl, allein mir fehlt der Glaube” würde sich hierauf gut erwidern lassen. Vielleicht ist es nur zu lange her, daß diese Werte galten? Lauschangriffe jeglicher Art scheinen nicht unter die Kategorie “Würde des Menschen” zu fallen. Dessen sollten Sie sich bewußt sein, wenn Sie das nächste Mal zum Telefonhörer greifen oder sich an den Computer setzen, um die Lieben in weiter Ferne zu grüßen. Freund hört und liest mit!

Zeitungsmacher haben sich auf das neue Phänomen einzustellen. Wichtige Neuigkeiten und brisante Daten übermittelt man, wie zu Pegasus’ Zeiten, neuerdings wieder per Bote. Macht man das nicht, kann es passieren, daß die eigne, mühevoll recherchierte Meldung von einer “vorbeifliegenden Schwalbe” ergriffen und anderen Medien zugezwitschert wird. Gut finde ich das nicht. Und Sie? Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

Haben Sie je davon gehört oder es erlebt, daß Auslandsdeutsche, -österreicher oder -schweizer eine Lobby zu gründen suchten? Nein, weder in Washington noch in Ottawa sitzen Senatoren, die die Trommel für die Interessen der bedeutenden ethnischen Minderheiten in diesen Ländern rühren würden. Dabei wäre es sogar wünschenswert, wenn es unter den rund 50 Millionen Amerikanern oder mehr als 3 Millionen Kanadiern, die sich laut jüngsten Volkszählungen zu ihrer deutschsprachigen Abstammung bekennen, kluge und energische Köpfe geben würde, die nach den höchsten Ämtern im Staate streben. Nein, nicht um der Macht, sondern um der Verantwortung willen, die solche Funktionen mit sich bringen.
Ich sehe es weder als etwas Gefährliches noch etwas Verwerfliches an, wenn es in unserer ethnischen Gruppe Menschen gibt, die Persönlichkeiten wie Carl Schurz, John Diefenbaker oder William Aberhart, den Generalen Steuben, von Riedesel oder Norman Schwarzkopf, Ingenieuren wie Dr. Thomas Keefer oder Sir Adam Beck, Künstlern wie Doris Day (Kappelhoff) oder Fred Astaire (Austerlitz), Wissenschaftlern wie Heinz Pagels, Gerhard L. Weinberg oder Dr. Gerhard Herzberg, Komponisten wie Oskar Hammerstein II oder Jerome Kern nacheifern. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre natürlich, daß unsere Kinder und Enkel, wenn schon nicht in der Schule, so zumindest durch uns erfahren, wer die genannten Persönlichkeiten sind. Gerade in Sachen Kulturbewußtsein können wir uns von anderen Völkern und ethnischen Gruppen eine große Scheibe abschneiden. Denn im Gegensatz zur Geschichte seines Volkes, die man mit Licht- und Schattenseiten ererbt, kann man sich entscheiden, welchen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Traditionen man folgen und welche Bräuche man bewahren will.

Gen. Friedrich Adolph von Riedesel

Da die Bundesrepublik Deutschland das ganze Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, sollten auch wir im Ausland lebenden Deutschsprechenden beginnen, darüber nachzudenken, welche unserer Jubiläen es wert sind, daß wir sie feiern. Die New Yorker Steuben-Parade ist ein gutes Beispiel, wie man auf die eigene ethnische Gruppe, ihre Leistungen in der Neuen Welt und ihre besten Vertreter aufmerksam machen kann. So kann sich beispielsweise jeder von uns dafür einsetzen, daß man aus Anlaß des 400. Jubiläums der Landung der ersten deutschen Siedler in Jamestown, USA, im Jahre 2008 die amerikanische Postbehörde erneut um die Herausgabeeiner Sonderbriefmarke ersucht. Erneut, weil der erste Versuch von deutschamerikanischen Persönlichkeiten an der ablehnenden Haltung des Citizens Stamp Advisory Committee in Washington scheiterte.
Einsetzen könnte man sich beispielsweise auch bei den zuständigen Behörden der Auswandererländer dafür, daß in deutschen, österreichischen oder schweizer Schulbüchern zukünftig mehr über die Geschichte und vielen Leistungen deutschsprachiger Auswanderer zu finden ist. Der von mir angeregte “Weltkongreß der Deutschsprachigen” (nicht der Auslandsdeutschen, wie ich von einigen Lesern mißverstanden wurde) könnte sich solchen und anderen Themen zuwenden. Er soll nicht ein Instrument für Lobbyisten sein, sondern zur Völkerverständigung und Freundschaft zwischen Deutschsprechenden und -lernenden in aller Welt beitragen. Es ist an der Zeit, daß wir, die in aller Herren Länder lebenden Deutschsprechenden, uns endlich unserer Verantwortung, Dinge in der Welt zum Guten zu bewegen, bewußt werden und den vielen Worten Taten folgen lassen.Es reicht nicht aus, wenn unsere zahlreichen Klubs und Organisationen in aller Welt nur Kulturveranstaltungen, Oktober- und Trachtenfeste von lokaler, regionaler oder seltener nationaler Bedeutung organisieren. Wir brauchen eine arbeitsfähige, internationale Interessenvertretung, wie sie andere ethnische Gruppen haben. Wie es sie seit langem mit dem “Rat der Auslandsgriechen” oder dem “Jüdischen Weltkongreß” gibt, damit wir besser unsere Interessen vertreten können.

Ich wende mich deshalb erneut an alle Klubs, Organisationen, Glaubensgemeinschaften und Einrichtungen in der Welt, die sich die Erhaltung und Pflege der deutschen Sprache und deutschsprachigen Kultur auf “ihre Fahnen geschrieben” haben. Schreiben Sie uns Ihre Meinung, lassen Sie uns wissen, ob und warum Sie die Gründung eines “Weltkongresses der Deutschsprachigen” ablehnen oder unterstützen. Lassen Sie uns wissen, ob Sie als Repräsentant einer deutschsprachigen Gruppe an einem solchen Kongreß teilnehmen werden oder als Unternehmer ein solches Anliegen finanziell unterstützen würden. Unterbreiten Sie Vorschläge. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

Liebe Leser,

Recht hat, wer da denkt, daß Geld die Welt regiert. “Die goldene Regel ist”, sagte mir einst ein erfolgreicher Geschäftsmann im Interview, “daß wer das Gold hat, auch die Regel macht”. Geld und Gold ist jedoch nicht alles. Meine Lebenserfahrung besagt, daß erfolgreich auch sein kann, wer viele Freunde hat und sich für eine gute Sache einsetzt. Deutsche Rundschau hat viele Freunde. Da waren zum Beispiel Frank, der Schweizer, Hans, der Hamburger, John, der Donauschwabe, Lilo und Otto aus Bremen und die Kanadierin Yvonne, die, begeistert von der Idee “Weltzeitung für Deutschsprechende”, das nötige Startkapital zur Verfügung stellten.
Oder die ehrenamtlichen Packer. Karl und Inge, Hilde und Stefan, Irene und Waldemar sind schon von Anbeginn dabei. Tausende von Zeitungen haben sie in den letzten zwei Jahren schon gepackt. Sie kamen bei Regen oder Sonnenschein, Gewitter oder Schneesturm. Wenn man sie braucht, sind sie zur Stelle. Der Anfahrtsweg, oft über 100 km, hat sie nicht abgeschreckt. Viele haben in den letzten Jahren unbezahlt beim Verpacken und Vertrieb der Deutschen Rundschau geholfen. Wenn Not am Mann war, sprangen der Student aus der Dominikanischen Republik, die aus der Tschechischen Republik stammende Grundstücksmaklerin, die österreichische Dichterin und Besucher aus Deutschland ein. Ob sie Theresa oder Sabine, Elke oder Bill, Günter oder Iris, Brunhild oder George, Friedrich oder Klaus, Stewart oder Cornelius heißen, sie sind auch dann zur Stelle, wenn klar ist, daß außer einem Dankeschön kein Entgelt zu erwarten ist.
Volontäre sind auch Hazel und Kathleen. Die beiden Kanadierinnen sortieren seit zwei Jahren, Ausgabe für Ausgabe, nach Ländern und Postleitzahlen in die Postsäcke von Canada Post. Ihre geografischen Kenntnisse sind dabei um einiges erweitert worden. Sie wissen heute, wo Belarus liegt und Abu Dubai. “Wenn ich in einem fremden Land leben würde, wäre ich sehr froh, eine Zeitung in meiner Muttersprache lesen zu können”, beantwortet Kathleen die Frage, warum sie sich so sehr für die Deutsche Rundschau einsetzt. Der kanadische Truckfahrer Jack ist von Anfang an dabei. Nein, Deutsch spricht auch er nicht. “Doch ich hatte schon einmal einen Deutschkanadier zum Freund. Damals, als ich noch meine Hühnerfarm hatte. Mit dem habe ich zusammen auf dem Markt Eier verkauft. Leider ist er verstorben…” Die Motive, unserem Medienkind laufen zu helfen, sind so verschieden wie die Helfer. Für Wilhelm, den Waldarbeiter, der seinen Lebensunterhalt in der unendlichen Einsamkeit der Wälder von Britisch Kolumbien verdient, ist die Deutsche Rundschau eine wunderbare Zeitung. Ihm ist das Anliegen unserer Zeitung so wichtig, daß er in seiner Freizeit 500 km weit fährt, um Geschäftsleute zu überzeugen, in unserer Zeitung Anzeigen zu schalten und neue Abonnenten zu finden.
Deutsche Rundschau feiert zweijährigen Geburtstag. Viele Leserbriefe aus aller Herren Länder sind seit unserer Erstausgabe im Juni 1997 auf unserem Redaktionstisch gelandet. Sie bestätigen, daß unsere Publikation zwar manchmal verspätet, aber auch sonst bei unseren Lesern (fast immer) ankommt. Daß wir keineswegs nur bei Auslandsdeutschen beliebt sind, sondern auch vom Prinz aus Togo, der Witwe von Robert Stoltz, dem Professor in Colorado, Radiosprechern in Minsk, Bauern im Altai-Gebirge, Studenten aus einem Kibbuz in Israel Post erhalten. Es freut uns, daß wir von den Passagieren von United Airlines, Air Canada und Canada 3000 und von Deutschsprechenden in Afrika, Asien, Australien, Amerika und in Europa gelesen werden.
Ist es nicht verwunderlich, daß die Deutsche Lufthansa es auch nach zwei Jahren noch ablehnt, unsere Publikation an Bord zu nehmen? Daß die zuständigen Lufthansa-Chefs unsere preisgekrönte Zeitung nicht einmal in den Lufthansa-Warteräumen liegen sehen möchten? Ist es nicht verwunderlich, daß die Deutsche Bank unserer Zeitung nicht nur keine Werbung gibt, sondern uns auch keine Artikel zum Thema EURO zur Verfügung stellen will? Ist es nicht verwunderlich, daß zwar viele nordamerikanische Universitäten die Deutsche Rundschau abonniert haben, aber keine Universität in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz bisher die US$ 40,- für ein Jahresabonnement aufbringen wollte? Ist es nicht erstaunlich, daß die aus Steuermitteln finanzierte deutsche Behörde Inter Nationes sich immer noch nicht dazu durchringen konnte, von den mehr als 7.000 Exemplaren, die wir kostenlos an Leser in der Dritten Welt und in Osteuropa senden, wenigstens 100 Abonnements zu übernehmen?
Es wäre schön, wenn wir in den Chefetagen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz mehr Sympathie für unsere Sache finden würden. Wir suchen Verbündete, die in jeder Beziehung global denken und den Wert einer im Ausland herausgegebenen deutschsprachigen Weltzeitung zu schätzen wissen. Menschen, wie Hilde, Karl, Lilo, Jack, Wilhelm und die anderen ungenannt gebliebenen Freunde in der Welt. Leute, die nicht nur reden sondern tun was in ihren Kräften steht. Und was ist Ihre Meinung? Auf Ihre Zuschriften freut sich,

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

Niemand hört einem mehr richtig zu”, beklagte sich neulich ein guter Freund bei mir. Erst war ich verdattert, doch dann mußte ich ihm beipflichten. Im informationsüberfluteten Alltag scheint uns gelegentlich selbst das Gefühl zum richtigen Zu- und genauen Hinhören abhanden gekommen zu sein.
Untersuchungen sprechen davon, daß Otto-Normal-Verbraucher nicht sonderlich daran interessiert ist, täglich mehr als 45 Minuten Nachrichten in sich aufzunehmen. Ob auch eine geistige Verarbeitung des Gelesenen, Gehörten oder Gesehenen erfolgt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da Medien- und Nachrichtenmacher wissen, daß bei einem Überangebot an Informationen entweder die Nachrichtenquelle oder das Gehirn abgeschaltet wird, hat der Kampf um die Hirne und Herzen der Nachrichtenkonsumenten an Schärfe zugenommen.

Politiker, Medienfachleute und Technikwissenschaftler zerbrechen sich deshalb täglich den Kopf darüber, mit welcher noch ausgeklügelteren Übertragungstechnik, -form und -methode sich ihre Nachrichten am besten, schnellsten und überzeugendsten an die Frau oder den Mann bringen lassen. Gefährlich an diesem Wettlauf ist, daß im Ringen um die täglichen 45 Minuten Aufnahmebereitschaft nicht immer nur gute, erfreuliche und vor allem der Wahrheit entsprechende, also gut recherchierte Nachrichten die Nase vorn haben.

“Ich sehe soeben, daß sich der Herr Kollege vorne rechts zum Wort meldet...”
“Ich sehe soeben, daß sich der Herr Kollege vorne rechts zum Wort meldet...”
“Ich sehe soeben, daß sich der Herr Kollege vorne rechts zum Wort meldet…”

Nachrichten als Waffe? Heißen Kriegen gehen in der Regel “Kalte Kriege” voraus oder folgen einer kriegerischen Auseinandersetzung nach. Seit Kriege um Macht, Boden und Weltanschauungen geführt werden, werden sie von psychologischer Kriegsführung begleitet.
Bei gegenwärtig mindestens 40 größeren und kleineren Krisenherden kann man deshalb davon ausgehen, daß jede der rivalisierenden Konfliktparteien ihr eigenes Nachrichten – Süppchen zu kochen versucht. Die Wahrheit ist nicht nur das erste Opfer eines Krieges, oft bleibt sie auch in Nachkriegs- zeiten “kriegsversehrt”. Keine Vermutung, sondern bittere Erfahrung von Millionen und Aber-Millionen Kriegs- und Bürgerkriegsopfern.
Ich bin zwar bestürzt, doch nicht verwundert, wenn das Mißtrauen gegenüber allem, was man hört, liest und sieht, immer mehr wächst. Ich ertappe mich dabei, selbst Medienmacher, nicht nur nicht mehr richtig, sondern gar nicht mehr dem zuhören zu wollen, was einem von manchen Medien und Politikern als schwer verdauliche Nachrichtenkost und politische Ansicht täglich vorgesetzt wird. Ob die Bereitschaft der Bürger, Nachrichten in sich aufzunehmen, gar auf 30 Minuten pro Tag oder weniger absinken wird? Immer häufiger höre ich Zweifel an der Glaubwürdigkeit von geschriebenen und gesprochenen Worten oder gezeigten Bildern. Ob sich bereits mehrheitlich Politiker und Medienmacher über den Vertrauensverlust Gedanken machen, ist fraglich.

Leider gibt es auch heute noch Staaten, in denen Politiker an der Macht sind, die ihrem (Fuß-)Volk nicht zuhören wollen. Wo die Volksmeinung im allgemeinen und die von Minderheiten nichts zählt. Werden sich diese Politiker nach der Jahrtausendwende gegebenenfalls ein neues Volk auswählen, wenn ihnen das eigene nicht mehr in den politischen Kram paßt?

Ich weiß nicht, wie Sie empfinden, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß man sich weltweit heute mehr um Meinungsbildung sorgt, statt um (Volks-)Meinungserforschung bemüht.

Und wie stehe ich als Herausgeber der Deutschen Rundschau zu meiner Verantwortung? Ich wurde in den letzten Monaten wiederholt gefragt, warum wir in unserer internationalen Monatszeitung den Leserforen und -briefen solch einen breiten Raum einräumen. Zumal doch einige der veröffentlichten Beiträge, Kommentare und Meinungen sehr provokativ und deshalb nicht unbedingt (anzeigen-)geschäftsfördernd seien. Leute, die so fragen, mögen es gut mit uns meinen. Aber offensichtlich interpretieren sie die Worte Demokratie und Pressefreiheit anders als wir. Die Mitarbeiter der Deutschen Rundschau wünschen sich, auch wenn sie sich nicht mit jeder veröffentlichten Meinung identifizieren, auch zukünftig reges und offenes Mitdenken unserer Leser. Die von Martin Luther geäußerte Meinung, man solle “dem Volk aufs Maul schauen”, ist in unserer Redaktion ein Maßstab für gute journalistische Arbeit.

Es ist nicht möglich, daß ich jeden von Mitarbeitern der Deutschen Rundschau verfaßten Artikel persönlich nachrecherchiere, bevor ich ihn publiziere. Doch Ihr eventueller Widerspruch, wenn Sie es besser wissen, ist mir immer willkommen.

Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

Partner oder Konkurrent? Viel Positives gab es bisher zum Verhältnis zwischen den im deutschsprachigen Sprachraum produzierten und den im übrigen Teil der Welt vorhandenen deutschsprachigen Medien nicht zu berichten. Das Thema “Auslandsdeutsche” war lange Zeit in den Medien tabu; und wenn berichtet wurde, dann meistens nur über die östlich der Oder und Neisse lebenden “Brüder und Schwestern”. Die deutschsprachigen Medienwinzlinge im westlichen Ausland waren vielen Redaktionen großer deutscher und österreichischer Tagesmedien und Magazine keinen Schuß Druckerschwärze wert. Galten diese in von den 68er “Revolutionsjahren” geprägten Journalistenkreisen doch als rechtsradikal und deshalb suspekt.

Nein – als Konkurrenz wurden und werden unsere im Ausland produzierten deutschsprachigen Medien gewiß nicht angesehen. Eher auf Grund mangelnder Professionalität und steinzeitlicher Herstellungsmethoden belächelt. Und selbst, wenn der eine oder andere Kleinverleger oder Allzweckreporter in seiner deutschsprachigen Auslandszeitung oder “deutschen Auslandsstimme” mal einen politischen Furz ließ, reichte dessen Gestank nicht bis in die deutsche, österreichische oder schweizerische Öffentlichkeit. Es mag sein, daß besonders gewissenhafte Pressesekretäre der Botschaften besonders krasse journalistische Ausrutscher

Warnung

Solche Bücher läßt du drucken!
Teurer Freund, du bist verloren!
Willst du Geld und Ehre haben,
Mußt du dich gehörig ducken.

Nimmer hätt ich dir geraten
So zu sprechen vor dem Volke,
So zu sprechen von den Pfaffen
Und von hohen Potentaten!

Teurer Freund du bist verloren!
Fürsten haben lange Arme,
Pfaffen haben lange Zungen,
und das Volk hat lange Ohren!

Heinrich Heine

auf dem Dienstweg an das jeweilige Auswärtige Amt meldeten. Zu einem handfesten Skandal mit anschließendem Rauschen im heimatlichen Blätterwald hatte es jedoch, Gott sei Dank, nie gereicht. Und so erfüllte sich auch die heimliche Hoffnung so manchen Medienmachers im Ausland, “lieber einen schlechten Ruf zu haben, statt gar nicht bekannt zu sein”, nicht. “Deutschsprachige Auslandsmedien? Ja, gibt es die denn überhaupt noch?” war dagegen häufiger zu hören.

Partnerschaft? Wirkliche Anerkennung durch Berufskollegen blieb den hart arbeitenden Eigentümern und Mitarbeitern der rund 3000 deutschsprachigen Publikationen und 400 deutschsprachigen Rundfunkprogramme, die heute noch außerhalb des deutschsprechenden Raumes Europas existieren, bisher mehrheitlich versagt. Die oft übermenschlichen Anstrengungen und die Selbstlosigkeit der Macher dieser Medien, die notwendig sind, um sich als deutschsprachiges Fernseh- oder Rundfunkprogramm oder deutschsprachige Publikation in einer fremden Kultur zu behaupten, werden auch heute noch nicht, oder kaum, von Politikern und Regierungsbeamten in Berlin, Bonn und Wien wahr-, geschweige denn ernst genommen. Wer das abstreitet, möge mir bitte Beispiele nennen, in denen deutsche oder österreichische Bundestagsabgeordnete in einer Parlamentsdebatte in den letzten Jahrzehnten ein Wort über den vielleicht bescheidenen, doch umso mehr lobenswerten Beitrag deutschsprachiger Auslandsmedien zur Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur im Ausland verloren haben.

Ich weiß nicht, ob jetzt, mit der neuen rot-grünen Regierung in Bonn, alles anders werden wird. Immerhin hat das freudige Rätselraten darüber, ob deutschsprachige Medien aus dem Ausland am Geburtstagstisch des Bundeskanzlers zum 50jährigen Jubiläum der Bundesrepublik mit Platz nehmen dürfen, bereits begonnen. Auf alle Fälle bleibt zu wünschen, daß die Berliner Regierung im Umgang mit deutschsprachigen Auslandsmedien eine andere Politik verfolgt als ihre Vorgänger in Bonn. Die Signale, die bisher gesetzt wurden, deuten es nicht an. Da wurde mit einem Federstrich der Deutschen Welle in Köln der Etat in Millionenhöhe gekürzt. Niemand scheint sich dabei ernsthafte Gedanken gemacht zu haben, welche Konsequenzen diese Kürzungen insbesondere für die deutschsprachigen Zuschauer und Hörer der beliebten DW-Programme haben. Bei aller berechtigter Zuschauerkritik an den Programmveränderungen bei Deutscher Welle – tv muß man der Programmdirektion dieses öffentlich-rechtlichen Senders bescheinigen, daß sie nicht wie ein Känguru große Sprünge machen kann, ohne etwas im (Geld) Beutel zu haben. Vielmehr ist zu sagen, daß ohne Werbeaufträge und Serviceleistungen der Deutschen Welle und ohne die persönliche Unterstützung des DW-Intendanten Prof. Dieter Weirich weitere deutschsprachige Medien im Ausland längst das Handtuch hätten werfen müssen.

Zu danken ist nicht nur der Deutschen Welle, sondern auch Nachrichtenagenturen wie A D N und ADX Wirtschaftsnachrichten, Tageszeitungen wie der “Berliner Morgenpost”, Magazinen wie INSIGHT oder GLOBUS, Organisationen wie dem Verein für das Deutschtum im Ausland e.V., der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Internationalen Medienhilfe (IMH), daß sie sich als Berichterstatter und Veranstalter dem Thema “Deutschsprachige Medien im Ausland” zugewendet und damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf uns gelenkt haben. Bleibt zu wünschen, daß auch der offene Brief der Mitglieder der IMH an Bundeskanzler Schröder nicht seine Wirkung verfehlt.

Auf Ihre Zuschriften freut sich wie immer

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

Reisen bildet”. Eine Aussage, die oft in bunten Reisemagazinen zu lesen ist. Deutsche reisen besonders gern: Aktuelle Umfragen sagen aus, daß sie sogar Spitzenreiter unter den reiselustigen Völkern sind. Immer fernere, exotische Ziele werden angesteuert. Keine Wüste und Insel, kein Hochgebirge und Dschungel sind zu heiß, zu fern, zu hoch oder zu undurchdringlich, um sich von den erlebnis- und abenteuerlustigen Touristen aus “Old Germany” abkapseln zu können. Und während sich Sachsen, Mecklenburger und Pommeranzen vielleicht noch mit Rom, Paris, Oslo und Tunis begnügen, treibt es Bayern, Schwaben und Hessen schon lange scharenweise nach Ägypten, Tibet, Indien, Südafrika oder in die USA. “Reisen bildet”.

Da es fast keinen Winkel der Erde gibt, in dem deutsche Reisende noch nicht zu Gast waren, müßte man annehmen, daß Deutsche zu den überdurchschnittlich gebildeten und weltoffenen Völkern gehören. Sind Deutsche wirklich so fremdenfeindlich, wie man es ihnen von manchen Medien und Politikern gern nachsagt? Wenn ja, wo liegen die Ursachen für die zunehmende Fremdenangst im eigenen Land? Mit welchen Erfahrungen ist der deutsche Reisende von seiner alljährlichen Bildungs-, Öko- und Erholungsreise zu fernen Kulturen, in fremde Länder und extreme Klimazonen nach Hause zurückgekehrt, wenn er sich zunehmend Chinesen nur in China, Ghanesen nur in Ghana, Inder nur in Indien und Kurden möglichst nur, Karl May läßt grüßen, “Im wilden Kurdistan”, aber möglichst nicht vor der eigenen Haustür wünscht?
Als die rot-grüne Bundesregierung den Gesetzentwurf zur Doppelten Staatsbürgerschaft vorlegte, schlugen die Wogen der Empörung unter weiten Bevölkerungsteilen besonders hoch. “Sagen Sie ‘Nein’ zur Mogelpackung Doppelte Staatsbürgerschaft” forderte beispielsweise die national orientierte “Deutschland-Bewegung” und stieß damit offenbar nicht auf taube Ohren. Die CDU/CSU-Opposition strebt eine Volksbefragung an und setzte das Thema so geschickt im hessischen Wahlkampf ein, daß es der CDU mit zu einem Wahlsieg in diesem Bundesland verhalf.

Sind die Ängste vor einer Veränderung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts wirklich unbegründet? Viele ausländische Bürger haben mit der Integration in den deutschen Alltag Probleme. Probleme, die Auslandsdeutschen nicht unbekannt sind: Erlernen der Landessprache, Anerkennung der in der Heimat erworbenen Schul-, Berufs- und akademischen Abschlüsse, Bewahrung der eigenen kulturellen Sitten und Gebräuche unter dem Einfluß der jeweiligen Landeskultur bis hin zu veränderten Ernährungsgewohnheiten gehören zum schwierigen Teil der Einwanderung in ein fremdes Land. Die große Mehrheit der in alle Welt ausgewanderten Deutschen hat diese Klippen bezwungen.

Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem sich deutsche Nachkriegsauswanderer in ihrer neuen Heimat die Gründung einer eigenen Partei gewünscht hätten. Vielleicht hinkt der Vergleich, doch im Gegensatz dazu wünschen sich, laut einer Umfrage des deutschen Nachrichtenmagazins “FOCUS”, aber 84% der rund 2 Millionen in Deutschland lebenden Türken eigene Parteien. Man stelle sich einmal vor, daß ein solcher Wunsch von Deutschamerikanern oder Deutschkanadiern öffentlich geäußert würde…
Dabei muß man den Türken bescheinigen, daß sie im Gegensatz zu den rund 500.000 Juden, die vom Zentralvorstand der Juden in Deutschland vertreten werden, bisher keinen wesentlichen Einfluß auf Regierungsentscheidungen hatten. Daß in türkischen Bevölkerungskreisen deshalb der Wunsch entsteht, diesen politischen Einflußmangel zu beseitigen, ist aus meiner Sicht verständlich. (Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin gegen Parteienbildung von jeglicher ethnischer Gruppe!)

Doch vielleicht sollten die Teile unter uns Deutschsprechenden im Ausland, die gern alle Schuld an ihren täglichen Daseinsproblemen immer dem “Weltjudentum”, wie es Geschichtsrevisionisten sagen würden, zuschieben, endlich aufwachen und beginnen darüber nachzudenken, was wir weltweit von jüdischen Mitbürgern in Sachen Organisation, gegenseitige Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Wissensaneignung und positive Einflußnahme auf Regierungsentscheidungen lernen können. Ein erster Schritt wäre: Deutschsprechende aller Länder einigt Euch. Auf Ihre Zuschriften freut sich wie immer

Ihr Juri Klugmann


Liebe Leser,

aus gutem Grund wird Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, meist mit verbundenen Augen dargestellt. Sie soll bei der Rechtsprechung nicht sehen, wer vor ihr steht. Unbeeinflußt von der äußeren Erscheinung, der Hautfarbe oder dem gesellschaftlichen Rang der Personen, ist sie so am besten in der Lage, ein gerechtes Urteil zu fällen. Mit der Waage in der einen und dem Schwert in der anderen Hand gilt sie seit Jahrhunderten bei vielen Völkern als Symbol ausgewogener Urteilsfindung. Manchmal frage ich mich, wie es kommt, daß man die nett anzuschauende Dame noch nicht durch andere Figuren der jüngeren Vergangenheit oder Gegenwart abgelöst hat. Schließlich leben wir in einer Zeit, in der es doch von sich selbst als “Gerechte” bezeichnenden “Halbgöttern” nur so wimmelt.
Mit wachsender Verwunderung stelle ich fest, daß sich in unserem Alltag Fälle häufen, in denen bei der Untersuchung von Verfehlungen bis hin zur Rechtsprechung offensichtlich immer dann mit zweierlei Maß gemessen und abgewiegelt wird, wenn es sich um Fehltritte “der oberen Zehntausend” handelt. Niccoló Machiavelli würde sich gewiß diebisch freuen, zu sehen, daß seine vor mehr als 480 Jahren geäußerte Idee noch heute auf fruchtbaren Boden fällt. In seinem proabsolutistischen Werk “Der Fürst” äußerte der florentinische Staatsmann und Historiker die Auffassung, daß man einem zu erreichenden Ziele den Gebrauch jeglicher Mittel unterordnen kann. Im Volksmund als “Der Zweck heiligt die Mittel”- Aussage bekannt. Ich kann mich derzeit des Eindrucks nicht erwehren, daß vom Steuerzahler finanzierte Untersuchungskommissionen in Sachen Korruption immer dann zu keinem für die Öffentlichkeit befriedigenden Ergebnis gelangen, wenn es sich um Angehörige der sogenannten “oberen Gesellschaftsschichten” handelt.
Da scheint die olympische Idee nicht mehr das zu sein, was sie früher einmal war. Ein paar der “gerechten” Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees waren bei der Annahme von Gastgeschenken und besonderer Aufmerksamkeiten der sich bewerbenden Olympiade-Städte etwas zu großzügig. “Was erwartest Du denn von Leuten, die zum Teil aus Ländern kommen, wo Bestechung und Korruption an der Tagesordnung sind?”, wurde ich gefragt. Ein Argument, das für den einen oder anderen Bestochenen gelten mag. Doch waren die Bestecher nicht alle hochzivilisierte Menschen? Personen, die hohe Ämter bekleideten und in dieser Rolle Gesetze entwarfen und verabschiedeten, also selbst über Recht und Unrecht entschieden? Und vor allem war es nicht ihr Geld, was sie verpulverten. Eine Entschuldigung hört man nicht, die Bestechung erfolgte ja, weil man für die Stadt nur Gutes wollte. Die Bürgermeisterin von Salt Lake City trat wie eine beleidigte Leberwurst zurück. Wie wäre von den Behörden in der gleichen Stadt mit einem Parksünder verfahren worden, der sein Ticket nicht bezahlt?
Im Hauptquartier der Europäischen Union in Brüssel gab es Aufruhr. Nicht jeder der “hohen Kommissare” war so sattelfest, wie er oder sie von Amts wegen sein sollten. Von Leuten, die es wissen müssen, wird behauptet, daß bei einigen Abgeordneten Eigennutz sehr viel höher im Kurs stand als das Allgemeinwohl der europäischen Familie. Von Vetternwirtschaft war gar die Rede. Die versehentlich versickerten Millionenbeträge stammten größtenteils aus dem Steuersäckel von Otto Normalverbraucher. Was würde mit einer in diesem hohen Haus arbeitenden Sekretärin passieren, die dabei ertappt wird, wie sie ein paar Büromaterialien für ihre schulpflichtigen Kinder in der Handtasche verschwinden läßt? Wird sie ihre Vertrauensstellung behalten dürfen? Die beschuldigten “Kommissare” sind jedenfalls mit einem “blauen Auge” davongekommen. War Justitia hier die Binde von den Augen gerutscht? Korruptionsgefahr lauert überall. Auch im Mediengeschäft. Wer es sich heute als Politiker oder Unternehmer leisten kann, bietet Journalisten z.B. “Informationsreisen” an. Vom Fünf-Sterne-Hotel in New York bis zur Weinverkostung in Europas schönsten Châteaus, vom Freibier bis zur Bratwurst wird alles in die Waagschale geworfen, um die Objektivität der Beobachter zu schärfen. Stapelweise vorformulierte Pressemitteilungen sollen dabei die Arbeit der teilnehmenden Journalisten und Medienmacher erleichtern. Oft folgt ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: “Natürlich müssen Sie nicht übernehmen, liebe Frau A. und geehrter Herr Z., was wir Ihnen im Interesse Ihrer Leser/Hörer/Internet User aufgeschrieben haben.” Und bei passender Gelegenheit hinzufügend: “Unser Werbebudget erlaubt uns leider nur, in sehr ausgewählten Medien Anzeigen zu plazieren…” Wer ist schon so gefestigt, daß er in solchen edlen Momenten nicht zu den “Ausgewählten” gehören möchte? Da Werbung heute oft über Sein und Nichtsein der Medien entscheidet, können Anzeigenaufträge Köder und Waffe in den Händen von unberechenbaren und skrupellosen Zeitgenossen sein. Verstehen Sie, wieso ich mich frage, ob Justitia als Göttin der Gerechtigkeit das Jahr 2000 überdauern wird?

Auf Ihre Zuschriften freut sich wie immer

Ihr Juri Klugmann

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