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Liebe Leserinnen und Leser,
Kennen Sie den Roland? Nein, nicht Ihren unleidlichen Banknachbarn aus der vierten Klasse, auch nicht die Titelfigur vom mittelalterlichen Heldenepos. Sollten Sie allerdings auf den steinernen Riesen am Bremer Rathaus getippt haben, liegen Sie schon mal dicht dran: denn der Roland, um den es hier geht, ist die regionale Währung von Bremen. Wie, bitte? Ist die freie und Hansestadt klammheimlich aus der europäischen Währungsunion ausgestiegen und hat den Euro eingestampft? Mitnichten. Aber die Bremer haben schon 2001 parallel zum Euro ein eigenes, regional begrenztes Warengutscheinsystem eingeführt, das seither im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Nachfolger gefunden hat, beispielsweise den Elbtaler in Dresden, den Urstromtaler in Magdeburg, die Schwarzwälder Blüte, den Lechtaler in Augsburg. Insgesamt gibt es in Deutschland bereits 33 solcher regionaler Währungen, und mindestens 40 weitere sind in Planung.Und was soll das?
Das ist eine, wie ich meine, recht geniale und vor allem anscheinend sehr wirkungsvolle Gegensteuerung zu den Verheerungen der Globalisierung auf wirtschaftlichem, sozialem und vor allem ökologischem Gebiet. Denn im Zuge eben dieser so oft glorifizierten Globalisierung konzentriert sich das Geld bei immer weniger Menschen oder bei immer weniger immer größer werdenden transnationalen Konzernen, während die große Mehrheit für diese Minderheit immer mehr arbeitet und doch nicht wirklich reicher wird. Oder haben Sie etwa den Eindruck, daß Ihr durch Arbeit geschaffenes Vermögen genauso schnell und exponentiell wächst wie etwa das von Exxon oder Nestlé? Eben. Und woran liegt das? Am Zins und Zinseszins. Das jedenfalls glauben die Verfechter und Benutzer von Regionalwährungen, und sie wissen dies auch sehr plausibel zu erklären. In aller Kürze: Die Geldvermögen sind durch Zins und Zinseszins explosionsartig gewachsen, gleichzeitig natürlich die Schuldenberge auf der anderen Seite. Denn ohne Schuldner gibt es keine Zinsen. Geld schafft sich auch nicht selber, sondern muß von irgendwem erarbeitet werden. Weil Kredit-Schulden immer auch Zins-Schulden bedeuten, wachsen diese ebenfalls. Der Einzelne muß immer mehr für immer weniger bezahlen, denn die Unternehmen rechnen ihre Kapitalkosten, also ihre Zinskosten, in die Preise und Mieten, etc. ein, und der Staat in die Steuern. So zahlen wir Zinsen, auch wenn wir gar keine Schulden haben. Und dem Staat wird das Geld immer knapper, denn über die Steuern allein kann er seine Zinsen nicht mehr tilgen. Also wird auf Teufel-komm-raus in allen sozialen Bereichen gekürzt. Diese Spirale kann auch vom vielgepriesenen Wirtschaftswachstum auf Dauer nicht aufgehalten werden, und so wird es irgendwann hauptsächlich durch die Umlaufblockierung von angehäuftem Kapital, denn nur dieses bringt richtig gute Zinserträge, zur totalen wirtschaftlichen Krise kommen. Vorher allerdings könnte durch genau diesen unaufhaltsamen Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum erst regional, dann global die Umwelt bereits derartig zerstört sein, daß der ökologische dem ökonomischen Kollaps vorangeht.
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Roland-Gutschein (Vorderseite)

Roland-Gutschein (Rückseite)
Wie, dann, bricht man aus diesem Teufelskreis aus? Kein Zins und Zinseszins mehr? Global gesehen ist das wohl nicht möglich, von der Liquiditätsfalle mal abgesehen, aber regional funktioniert das offenbar ganz gut. Fragen Sie beispielsweise die Bremer, die als eine der ersten deutschen Regionen – zumindest seit den 30er Jahren – mit ihrem Roland Silvio Gesells Freigeldutopie verwirklicht haben. Der Roland, wie auch alle anderen Regionalwährungen, bringt keine Zinsen, ist in seinem Ausbreitungsgebiet räumlich begrenzt, mit einem Verfallsdatum versehen und unterliegt nicht den Geboten globaler Finanzmärkte. Er gestattet nachhaltiges Wirtschaften mit einem regionalen Gutschein auf der Grundlage des ökologischen Landbaus, und das heißt konkret: „die Ressourcen dieser Region so zu nutzen, daß die nachfolgenden Generationen wieder gesund leben können. Die Menschen dürfen die Tragfähigkeit der Region nicht überschreiten, das heißt, die Wirtschaftenden können nicht mit stetigem Wachstum rechnen. Wir sollten wieder lernen, uns zu begrenzen, um unsere Umwelt nicht völlig auszubeuten und mit immer mehr Schadstoffen zu belasten und letztlich zu zerstören. Die Erde sollte naturgemäß bearbeitet, die Tiere artgerecht gehalten werden. Den Bauern gilt unsere ganze Aufmerksamkeit und Unterstützung, da sie es sind, die für unsere gesunde Lebensgrundlage sorgen. Ihnen wollen wir zinslose Darlehen gewähren. Das käme dann allen zugute!”
Wie lange wohl wird es dauern, bis dieser schöne Gedanke Allgemeingut geworden ist? Das fragt sich und Sie
Ihre
A. Liane Harmat
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Bildkredit: Contraste / Roland Regional
Macht die Schule unsere Kinder kaputt? So lautete am 7. Februar 2008 die suggestive Themenfrage einer Gesprächsrunde bei Maybrit Illner im ZDF. Damit bündelte die Fernsehmoderatorin die einmal mehr in allen Medien heftig diskutierte Larmoyanz vieler Eltern in den alten Bundesländern, denen zufolge die bereits vor 10 Jahren beschlossenen Reformen in der Bildungspolitik, namentlich die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre, zuviel Druck auf ihre Sprösslinge mache.
Während der einstündigen Runde diskutierten u.a. der Präsident des Lehrerverbandes, der DIHK-Hauptgeschäftsführer und ein Berliner Schulsenator von der SPD über das Für und Wider dieses Schrittes. Dabei tönte ausgerechnet der Lehrerpräsident, dass das sogenannte G8 (8-jähriges Gymnasium) “eine Fehlkonstruktion” sei und “miserabel eingefädelt”.
Der Zuschauer, der selbst sein Abitur in 12 Schuljahren ohne nachhaltigen Schaden an Leib und Seele, und, wohlgemerkt, auch ohne die Möglichkeit der Abwahl von wichtigen, aber unliebsamen Fächern, durchgezogen hat, kann über die Penetranz der Gegner des G8 eigentlich nur verständnislos den Kopf schütteln. Die fehlgeleitete, aber offenbar leider flächendeckende Einstellung vieler Eltern, dass die lieben Kleinen in der Schule möglichst nicht gefordert, sondern nur gefördert werden sollten, und zwar auch nur von 9 bis maximal 14 Uhr, ohne Hausaufgaben, aber dafür mit jeder Menge Freizeit, verkennt ja wohl eindeutig den Sinn und Zweck der Schule und der Schulzeit: Bildung zu vermitteln, sich Bildung anzueignen, und zwar eine solche, auf deren Grundlage man aufbauen kann, sei es im Studium oder in der Arbeit, zum eigenen wie zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Und etwas zu lernen passiert nun mal leider nicht auf Grundlage der Osmosis: du hängst ein paar Stunden lang in der Schule ‘rum und lässt die Umgebung auf dich einwirken – irgendwas wird schon durchdringen. Und nur das, was nach der Schule passiert, ist wirklich wichtig. Diese Haltung gipfelte in der Meinung eines Diskussionsteilnehmers, der das Ganze auf die Formel brachte: eine glückliche Kindheit bestehe aus den drei Fs von Freunde, Freizeit, Faulenzen, und diese drei Fs würden durch das G8 vom Leben der Kinder eliminiert, weil sie sich doch jetzt durch den gestrafften Lehrplan mehr auf den Hosenboden setzen müssten. Welche Zumutung aber auch!
Warum diskutiert man nicht stärker die Methoden der Wissensvermittlung als die Tatsache, dass zum Lernen auch die gelegentliche Anstrengung und Einschränkung gehört? Denn eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Wissenserwerb ist nicht die Länge der zur Verfügung stehenden Zeit (die sich durch eine bessere Organisation auch optimaler ausnutzen ließe), sondern die Einstellung dazu, die Freude am Lernen. Diese zu vermitteln sollte bereits im Vorschulalter beginnen und sich in den weiteren Schuljahren über kompetente Lehrer mit Freude an ihrem Beruf entwickeln. Mit kompetenten Lehrern, solchen, die nicht nur stur den jeweiligen Stoff abarbeiten, sondern fächerübergreifend unterrichten und die Kinder zum selbständigen Lernen anregen, stehen und fallen Qualität wie Attraktivität des Unterrichts sowieso, und an solchen scheint es zunehmend zu mangeln. Man vergegenwärtige sich nur einmal das jetzt vorliegende Ergebnis einer Langzeitstudie der Universität Frankfurt, wonach jeder zehnte Lehrer nach rund vier Berufsjahren ausgebrannt sei. Dies liege allerdings weniger an den schulischen Gegebenheiten, sondern schlicht daran, dass die meisten dieser niemals “gebrannt haben” – will heißen, sie waren schon während des Studiums überfordert und demotiviert. Dieses Phänomen wird allerdings so lange nicht aus der Welt geschafft, wie der Lehrerberuf verunglimpft, verächtlich gemacht und oftmals nur als Verlegenheitsoption gesehen wird, weil man nicht weiß, was man mit seinem Abitur denn nun anderes anfangen soll.
Dass man auch in 8 Jahren Gymnasium gut lernen UND dabei noch reichlich Zeit erübrigen kann für Arbeitsgemeinschaften, Hobbys, Freunde und dergleichen mehr, zeigt nicht nur eigene Erfahrung, sondern auch ein Blick beispielsweise ins Bundesland Sachsen, wo das Abitur schon immer nach maximal 12 Schuljahren abgelegt wird, die Kinder im Bundesdurchschnitt sehr gut abschneiden und sich kaum je ein Schüler über mangelnde Freizeit beklagt. Sollte dies doch der Fall sein, und sich der einzelne Schüler mit stundenlangem häuslichem Lernstress, womöglich noch täglichem Tutorium, ausgesetzt sehen, müssten sich die Eltern eigentlich fragen, ob besagtes Kind wirklich auf’s Gymnasium gehört.
Kaputt macht die Schule unsere Kinder ganz gewiss nicht dadurch, dass Leistung und Disziplin gefordert, benotet und eingeschätzt werden, sondern vielmehr dann, wenn das nicht geschieht.
Oder was meinen Sie?
Unabhängiges Kosovo – wem nützt es?
Seit dem 17. Februar 2008 ist die Zahl der souveränen Staaten auf der Welt um eins gewachsen: das Kosovo. Auf den ersten Blick eine positive Entwicklung, nicht wahr, und maßgebliche Länder allerorten, allen voran die USA, beeilten sich sogleich, dieses neue Gebilde als Staat zu akzeptieren. Denn geglückten Unabhängigkeitsbestrebungen eines bislang unterdrückten Volkes gilt es, moralische und tätige Unterstützung angedeihen zu lassen. Soweit, so richtig. Allerdings sollte man grundsätzlich die Beweggründe hinterfragen, und im Falle des Kosovo sogar ganz besonders.
Das Kosovo war seit der historischen Schlacht 1389 auf dem Amselfeld, in der die Serben in ihrem zentralen Mutterland dem osmanischen Eroberungsbestreben auf dem Balkan unterlagen, bis 1913 ganz der Türkei zugehörig, wurde dann an Serbien und Montenegro aufgeteilt und gehörte erst seit nach dem 2. Weltkrieg ganz zu Serbien, seit 1963 als autonome Provinz. Die Bevölkerung rekrutiert sich zu etwa 75% aus muslimischen Albanern, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts recht friedlich mit den christlich-orthodoxen Serben zusammenlebten. Seit etwa dieser Zeit begannen die Konflikte zwischen beiden Völkerschaften aufgrund schärfer gewordenen nationalstaatlichen Denkens in Europa und aufgrund zunehmender serbischer Unterdrückung der muslimischen Albaner seit 1913. Schon unter Tito erfuhren diese Konflikte eine ständige Eskalation, die dann im Krieg von 1999 kulminierte und sich in der nachfolgenden systematischen Zerstörung christlich-historischen Kulturguts in der Region und Terrorakten der Albaner gegen die Serben einerseits und dem sich ständig steigernden Hass der Serben auf die ihrem historischen Anspruch auf jenes Gebiet im Wege stehenden Kosovaren andererseits fortsetzte. In den folgenden Jahren spitzte sich der Konflikt auf dramatische Weise zulasten der Kosovo-Albaner auf dramatische Weise zu, und so ist die Ausrufung einer unabhängigen Republik Kosovo, wo die muslimische Mehrheit endlich ihr Schicksal selbst bestimmen kann, oberflächlich betrachtet nur die einzig logische Konsequenz. Nur geht es in der Region um weit mehr, als um die Beilegung dieser ethnischen Konflikte. Denn das Kosovo ist ein in vieler Hinsicht strategisch wichtiges Gebiet, überreich an Bodenschätzen, vor allem Braunkohle, deren Vorkommen dort als das größte in Europa gilt, Gold und Kupfer. Bislang wurden diese Bodenschätze vor allem von den Serben und mit serbischen Geldern erschlossen, die Serben hingegen sind eng mit den Russen verbunden und im Falle eines Verbleibens des Kosovo in Serbien behielten letztere die Entscheidungsgewalt über die Verteilung und den Verkauf dieser Bodenschätze samt der dort inzwischen entstandenen Infrastruktur an ausländische Investoren. Ein unabhängiges Kosovo hingegen kann von anderen Interessenten, unter anderen den schon fest dort etablierten Briten und Deutschen, wesentlich besser beeinflusst werden, die sich durch Privatisierung des Flughafens in Prstina, des Postwesens, der Kohlegruben, Stromerzeuger und der Eisenbahn die Filetstücke bereits untereinander aufgeteilt haben.
Warum aber sind die Amerikaner so erfreut über das jetzt formell unabhängige Kosovo? Ist es allein die Genugtuung darüber, dass das humanistische Prinzip der Selbstbestimmung wieder einmal triumphierte? Diese Frage beantwortet sich eigentlich von selbst, richtet man seine Aufmerksamkeit zunächst auf Camp Bondsteel, den KFOR Hauptstützpunk der USA südlich von Prstina, ausgebaut von der Firma Kellogg, Brown & Root, einer Tochter von Halliburton, die im Irak heute Umsätze in Milliardenhöhe macht. Dieses Militärgelände will die USA auf 99 Jahre pachten, um so eine ständige militärische Präsenz in diesem Gebiet zu erhalten. Die Serben sind den USA seit dem Balkankrieg aus verschiedenen Gründen keine Verbündeten mehr und neigen sich mehr den Russen zu, eine ständige militärische Präsenz auf dem Balkan ist aber für die USA von hoher Bedeutung, und so deckt sich die Abspaltung des Kosovo gut mit diesen Interessen.
Die Unternehmung Bondsteel wird u.a. auch von Aserbaidschan unterstützt, und hier eröffnet sich ein weiterer interessanter Blickwinkel auf die Interessenlage im Kosovo: Aserbaidschan am Kaspischen Meer herrscht über gewaltige Rohölvorkommen, und die USA, wie auch europäische Konsumenten, betrachten diese Quelle als willkommene Alternative zur Abhängigkeit von arabischem Erdöl. Wichtig dabei ist natürlich der Transport der wertvollen Fracht, und es existieren bereits mehrere Rohrleitungen, die die Lieferung vom Kaspischen zum Schwarzen Meer sicherstellen, von wo aus dann der Weitertransport in Tankern erfolgt. Leider verläuft der Haupttransportweg vom Schwarzen Meer zu den Raffinerien im Mittelmeer und weiter durch die Meerenge des Bosporus, und mit zunehmender Ölproduktion wird der Schiffsverkehr dort zu sehr belastet und stellt außerdem ein sich ständig erhöhendes Sicherheitsrisiko hinsichtlich potentieller Umweltkatastrophen dar. Also müssen Umgehungsprojekte geschaffen werden, die sich auch unabhängig von Russland realisieren lassen. Eines davon ist die AMBO-Pipeline, die sich vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas über 894 km quer durch den Balkan nach Vlore an der albanischen Adria-Küste erstrecken, 1,5 Milliarden US Dollar kosten und täglich 750,000 Barrels Öl transportieren soll. Das AMBO (Albanian-Macedonian-Bulgarian-Oil) -Konsortium ist in den USA registriert und hat enge Verbindung wiederum zu Halliburton. Es geht nun den USA darum, dieses Projekt vom Eis zu bekommen, bevor die russische Gazprom oder die französische Total den Wettbewerb gewinnen.
Die Rohrleitung soll in Albanien enden, und die Wichtigkeit, das Wohlwollen der Albaner gegenüber den USA durch amerikanische Unterstützung der kosovarischen Unabhängigkeit gegen Serbien zu sichern, muss wohl nicht weiter erklärt werden. Dabei sollen natürlich der Einfluss der USA in Europa gefestigt und die Einflussnahme seitens der Europäer gemindert werden.
Somit hat wieder einmal ein Kaiser, dem die Welt hinterherläuft, keine Kleider an.
Liebe Leserinnen und Leser!
Alle drei Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an vermeidbaren Krankheiten, an Erschöpfung, an Gewalttätigkeit, an Hunger und Durst. Jährlich werden etwa 246 Millionen Kinder als Bettler, Arbeitssklaven und Prostituierte verkauft, werden 250 000 Kinder unter 18 Jahren zum Kämpfen in kriegerischen Auseinandersetzungen gezwungen. Etwa eine Million Kinder arbeiten in Bergwerken und Steinbrüchen Lateinamerikas, Asiens und Afrikas.
Laut WHO leben 33 Millionen Kinder weltweit auf der Straße, werden in Verhältnisse hineingeboren, die für Bürger in Wohlstandsgesellschaften schlicht unvorstellbar sind, müssen darin leben und sterben daran. Ein Menschenleben ist in vielen Teilen der Erde nicht viel wert, ein Kinderleben oft nur dann, wenn das entsprechende Kind für ein paar jämmerliche Dollars verkauft werden kann, häufig von den eigenen Eltern, die so bitter arm sind, daß sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Skrupellose Händler nutzen solche Notsituationen aus. Inzwischen ist Kinderhandel zu einem lukrativen, weltweit florierenden Geschäft geworden, denn es gibt ja die ebenso skrupellosen Abnehmer der „Ware Kind“, also Menschen, die nichts Schlimmes daran finden, wehrlose Kinder körperlich und sexuell zu mißbrauchen, ihnen Lohn, Nahrung, Zuwendung und Bildung vorzuenthalten, sie bis aufs Blut zu peinigen und auszubeuten.
![]() Klaus Cadsky Cartoon |
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50 Millionen Knöpfe verarbeitet |
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(Karikatur: Klaus Cadsky – “Nico”) |
Ob es sich dabei um ganz junge Mädchen aus Asien oder zunehmend aus osteuropäischen Staaten handelt, die in die Prostitution gezwungen werden, um vierjährige pakistanische Buben, die in Saudi-Arabien Kamele in Wettkämpfen reiten müssen, um unter 15-jährige aus Kolumbien oder Angola, denen zwecks optimalem Einsatz in bewaffneten Auseinandersetzungen durch Drogen und Gewalt systematisch jedwedes ethisch-moralische Bewußtsein ausgetrieben wird – an ihnen allen und an unzähligen Anderen werden jeden Tag Verbrechen begangen.
Erschreckend hierbei ist auch die Tatsache, daß anderweitig „unbescholtene“ Bürger sich maßgeblich an diesen Verbrechen beteiligen, indem sie etwa minderjährige Prostituierte entweder im eigenen Land kaufen oder eigens dafür weite Reisen unternehmen, beispielsweise nach Thailand oder Kenia. Sextouristen in den Küstenregionen des letztgenannten Landes, die auf Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren ausgehen, rekrutieren sich zu 18 Prozent aus Italien, zu 14 Prozent aus Deutschland und zu 12 Prozent aus der Schweiz(1).
Und was ist mit den Europäern oder Nordamerikanern, die Kinder vor allem aus Guatemala gegen Geld adoptieren, Kinder, die ihren Eltern laut Unicef entweder gestohlen oder abgeschwatzt wurden? Hier mag man einwenden, daß solchen Kindern womöglich eine Zukunft in Armut erspart wird. Dennoch bleibt es ein ethisch fragwürdiges Handeln an den Kindern, die aus ihrem Kulturkreis gerissen, von ihren Familien getrennt werden, um als gekaufte Ware ansonsten kinderlosen Paaren einen weiteren Konsumwunsch zu erfüllen.
Kinder sind wehrlos, manipulierbar, billigste Arbeitskräfte, können in jeder Art und Weise mißbraucht werden, und solange sie ungebildet bleiben, produzieren sie ihrerseits wieder manipulierbaren, ungebildeten und ausnutzbaren Nachwuchs. Mit dem stetigen weiteren Ansteigen der Weltbevölkerung wird sich die Situation der Kinder in den Ländern mit dem stärksten Bevölkerungswachstum noch sehr viel weiter verschlechtern, denn in den ärmsten Ländern gibt es die meisten Geburten. In diesen Ländern gibt es beispielsweise keine staatlichen Sozialversicherungssysteme, und so ist eine große Kinderschar oftmals die einzige Hoffnung der Familie, nicht Hungers zu sterben.
Wie also ist der Situation beizukommen? Individuelle Geldspenden gutherziger und wohlmeinender Einzelpersonen helfen sicherlich punktuell und vorübergehend, packen das vielschichtige Übel aber nicht bei der Wurzel. Kinderhandel, Kinderpornographie, Kinderprostitution und Kinderarbeit unter menschenunwürdigen Verhältnissen müssen ausgemerzt werden. In armen Regionen müßten mit Hilfe der entwickelten Nationen viel mehr Schulen gebaut werden, die unentgeltlich Bildung vermitteln. Nur wie überwindet man jahrhundertealte Überzeugungen in vielen Kulturen, wonach Kinder zu arbeiten haben, sobald sie laufen können, anstatt in die Schule zu gehen, selbst wenn diese nichts kostet? Oder wie rottet man das tiefsitzende, weitverbreitete Vorurteil aus, wonach speziell Mädchen keine Schulbildung brauchen?
Gut ausgebildete Kinder, die lernen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, sind besser in der Lage, sich selbst zu helfen und bringen damit auch die Gesellschaft voran. Um dieses Ideal langfristig zu erreichen, sollten wir bei unseren eigenen Kindern beginnen. Nämlich versuchen, ihnen die bestmögliche Ausbildung zugänglich zu machen, sie zu moralisch, sozial und politisch verantwortlichen Menschen zu erziehen. Vielleicht gelingt es dann eines Tages, elende Verhältnisse und damit die Situation der Kinder weltweit zu verbessern.
A. Liane Harmat
(1)Quelle: http://www.fairunterwegs.org
Krieg und (kein) Frieden im Nahen Osten
Liebe Leserinnen und Leser!
„Ich kann’s nicht mehr hören“, winkt einer meiner Freunde regelmäßig dann ab, wenn die Rede auf den Nahen Osten kommt, und er klinkt sich aus. Ein anderer hingegen, international renommierter Gastprofessor an der Amerikanischen Universität in Beirut, berichtet von traumatischen Erlebnissen. Die hatte er, nachdem der Uni-Betrieb wegen des israelischen Bombardements geschlossen werden mußte, bis zu seiner dramatischen Evakuierung durch US-Marines über Zypern und Italien in die USA. Und ein dritter ergeht sich beständig in den abenteuerlichsten Vorschlägen, wie der Brandherd zu löschen sei, wobei weder die eine noch die andere Seite gut wegkommt.
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(Karikatur: Pohlenz)
Das Theoretisieren, besonders in objektiver und informierter Weise, über den seit 1948 bestehenden Brandherd in Palästina gestaltet sich angesichts fundamendalistisch gesteuerter, verheerender Attentate auf ahnungslose Menschen überall in der Welt und von israelischen Bomben zerfetzten libanesischen Kindern zunehmend schwieriger. Die Debatten in den Medien werden hitziger. Gleichzeitig läßt sich eine deutlichere Polarisierung der Meinungen feststellen, Schuldzuweisungen werden vehementer, Rechtfertigungsversuche unnachgiebiger und die Rufe nach diplomatischen Lösungen werden schwächer. Die Polarisierung dehnt sich, mehr noch als bisher, auf die geopolitische Ebene aus und verändert neutrale Positionen in unzweideutige diplomatische Unterstützung der einen oder anderen Partei. Beispiel Kanada: Dieses Land hat jetzt mit seiner neutralen internationalen Vermittlerrolle gebrochen und sich parteiisch auf die Seite Israels im gegenwärtigen Konflikt geschlagen. Währenddessen rufen konservative Kreise in den USA und anderswo nach einer Beendigung der diplomatischen Vermittlungsversuche und dem Einsatz eines „aggresiven Programms“, sprich Krieg, gegen die der Schürung der gegenwärtigen heißen Phase verdächtigten Länder Iran und Syrien.
Das ist eine höchst bedauerliche Wendung, denn kriegerische Auseinandersetzungen, zumal im Nahen Osten, haben der Zivilbevölkerung niemals etwas gebracht außer unsäglichem Leid: zu Tode gekommene Menschen, zerstörte Städte und Landschaften, vernichtete Lebensgrundlagen, auf Jahre und Jahrzehnte hinaus spürbare wirtschaftliche, politische und soziale Nachwirkungen. Einzig spezielle Interessenvertreter und die Hersteller der im Kampf gebrauchten Waffensysteme, Bomben und Munition sowie deren Zulieferer reiben sich jedesmal freudestrahlend die Haut von den Händen. Was hat denn der vorerst letzte Krieg in Palästina konkret gebracht? Vorgeblich von der Hisbollah provoziert, marschiert die israelische Armee im Libanon ein, um einen vorbeugenden Vernichtungsschlag gegen die Bedrohung aus dem Norden auszuführen, übrigens bereits zum fünften Mal seit 1978, und bombardiert gleichzeitig das Land samt seiner Hauptstadt 20 Jahre zurück in die Vergangenheit. Am Ende sind tausende Unbeteiligte gestorben, aber das Ziel ist nicht erreicht, sondern das Gegenteil: die Hisbollah wurde nicht entwaffnet, die Bürger des Libanon, ansonsten eher in religiöse und politische, sich gegenseitig bekämpfende Fraktionen gespalten, schliessen sich enger zusammen in Opposition zu Israel. Das kann weder in israelischem noch in US-amerikanischem Interesse sein.
Aber vielleicht im Interesse vieler Millionen Menschen im Iran? Glaubt man nämlich den neuesten Enthüllungen des Starjournalisten des „New Yorker“, Seymour Hersh („Watching Lebanon, by Seymour M. Hersh, Washington’s interests in Israel’s war.“ Issue of 2006-08-21; posted 2006-08-14), so war der mißglückte Feldzug gegen die Hisbollah nicht nur mit der Bush-Regierung abgesprochen, sondern gar eine „Trockenübung“ für einen tatsächlich geplanten, nicht nur in bestimmten Kreisen geforderten, präventiven Krieg gegen Iran.
Eine weitere Folge der Invasion im Libanon ist die neuerliche Entsendung von Friedenstruppen als Puffer zwischen die kriegerischen Parteien – ebenfalls nicht zum erstenmal. Wieder muß die internationale Gemeinschaft ihren Hals hinhalten zur Stabilisierung der ewig wackeligen Situation im Libanon. Wird es etwas nützen oder wird es wieder zu Blutvergießen kommen, wie beispielsweise 1983 in Beirut, als 241 US-Marinesodaten und 58 französische Fallschirmjäger, alles Mitglieder einer UN-Friedenstruppe, arabischen Selbstmordattentätern zum Opfer fielen?
Für uns hier ist es dankenswerterweise nur die theoretische Erörterung eines schier unlösbaren Konflikts. Was aber, wenn unsere Söhne im wehrpflichtigen Alter demnächst zur Friedenserhaltung nach Palästina abkommandiert werden? Seit dem neuesten Beschluß der deutschen Bundesregierung ist dies durchaus denkbar. Abwinken und ausklinken funktioniert dann nicht mehr.
Eines allerdings kann man in jedem Falle tun: sich umfassend und aus vielerlei Quellen informieren und sich weder von der einen, noch von der anderen Seite einschüchtern oder vereinnahmen lassen, schon gar nicht im Namen sogenannter „political correctness“. Das Diskutieren über die Verhältnisse hilft ebenfalls beim Denken.
Was meinen Sie?
Heidi Liane Harmat
