In dieser Ausgabe / In this issue

Piraten voraus!? Freibeuter der Zukunft +++ Graffiti in Berlin: Eine Kunst, die keine ist +++ Minderheitenpolitik: Die Sorgen der Sorben +++ Frankreich: „Im Westen was Neues...“ +++ Lissabon – westlichste Hauptstadt Europas +++ Spanien: Touristenmekka Barcelona +++ Grauer Modeosten? Junge Mode in der DDR +++ Wernher von Braun Der Raketenmann +++ Neuseeland: Keas, Kiwis und Vulkane

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Autorenarchiv

Liebe Leserinnen und Leser!

„Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Knospen sprangen,

Da ist in meinem Herzen

Die Liebe aufgegangen…“

…gestand Heinrich Heine im 1827 publizierten „Buch der Lieder“. Im eben zu Ende gegangenen sogenannten Wonnemonat, wenn die alljährliche Erneuerung der Natur in unseren Breiten ihren Höhepunkt erreicht, treibt auch die romantische Verbrämung intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen ihre Blüten, um dann mit etwas Glück im weiteren Verlauf des Sommers zu tragfähigen Beziehungen zu reifen. Gut und schön, werden Sie sagen, solche angenehmen Nebensächlichkeiten kann man sich in wirtschaftlich stabilen Zeiten leisten, aber nicht mitten in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Da sollten Blick und Tat fest auf die Sicherung ökonomischer Verhältnisse und nicht auf das Knüpfen und Festigen zärtlicher Bande gerichtet sein. Man muß als rationaler Mensch schließlich die richtigen Prioritäten setzen. Genau. Aber welche sind das eigentlich?

Die tieferen Ursachen der Krise im Bankenwesen, in der Industrie und im persönlichen Bereich liegen zweifelsohne in der Gier, so viel Profit, so viel Geld, so viel Hab und Gut wie irgend möglich zusammenzuraffen. Kollektiv betrachtet haben wir über unsere Verhältnisse gelebt, haben mit windigen, ungedeckten Krediten Häuser, Autos, alle Arten Konsumgüter gekauft, haben den Götzen Mammon, Status und hoher Lebensstandard bis zum Exzess gedient.

Dieses System ist nun zusammengebrochen, und es wieder aufzubauen, wie es vorher gewesen ist, die falsch geleiteten Firmen, Banken und Institutionen durch unvorstellbare Summen ohne tiefgreifende Strukturreformen vor dem Bankrott zu retten, wird logischerweise in absehbarer Zeit zu einem erneuten Zusammenbruch führen. Also ist eine Neuorientierung gefragt, und diese Neuorientierung sollte man der Abwechslung halber vielleicht mal auf der persönlichen Ebene beginnen. Wir müssen lernen, nicht mehr mit hängender Zunge dem Geld, dem prestigeträchtigeren Job oder dem größeren Besitztum nachzujagen, sondern vielmehr weit wertvolleren Schätzen: bessere Bildung, Zurücknahme des Lebensstandards und Festigung persönlicher Beziehungen, wobei die Reihenfolge nicht entscheidend ist.

Denjenigen, die da meinen, bessere  Bildung braucht bessere Bildungsanstalten, die sich der moderne Staat erst einmal muß leisten können, sei gesagt, daß dies auf der formellen Ebene richtig sein mag, aber im persönlichen, individuellen Bereich läßt sich dieses Ziel sehr gut, sehr schnell und vor allem sehr billig dadurch erreichen, daß man schlicht und einfach Bücher liest. Damit sind keine Ex- und Hopp-Druckerzeugnisse gemeint, die dem schnellen, morgen vergessenen Unterhaltungswert dienen, sondern die Klassiker beispielsweise und die alten Philosophen, die uns noch immer und gerade heute Wertvolles und – wenn man den praktischen Nutzen durchaus quantifizieren muß – auch Verwertbares zu sagen haben.

Das Wort „Ahava“ (Liebe auf Hebräisch): „Corten“-Stahl Skulptur von Robert Indiana (USA), 1977, im Kunstgartenbereich des Israelischen Museums, Jerusalem
Das Wort „Ahava“ (Liebe auf Hebräisch): „Corten“-Stahl Skulptur von Robert Indiana (USA), 1977, im Kunstgartenbereich des Israelischen Museums, Jerusalem

Eine Zurücknahme des Lebensstandards wird vielen durch eben diese Krise bereits aufgezwungen, aber auch wenn der Arbeitsplatz stabil blieb und die Rente gesichert ist, wäre eine bewußtere, sparsamere Lebensführung sicher von Vorteil für jeden einzelnen wie auch für die Nachhaltigkeit des Ökosystems Erde.

Und die wertvollste Investition von allen mag diejenige in die Intensivierung guter zwischenmenschlicher Beziehungen sein, in die Liebe zu seinen Kindern und zu seinem Partner vor allem. Denn ein zwar abgedroschener und banaler, aber nichtsdestoweniger bedenkenswerter Spruch lautet: Wer Liebe sät, wird Liebe ernten. Dies wäre doch mal eine Spekulation, die sich einzugehen lohnte, weil sie nur emotionaler Einlagen und der Zurücknahme des eigenen Egos bedarf, jedenfalls keiner Kreditaufnahme, um potentiell hohe Zinsen abzuwerfen. Dabei muß man ja nicht gleich dem sehr kontroversen Vorschlag von Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, folgen, der da meint, daß die Krise familienpolitisch dazu genutzt werden sollte, jungen Paaren das Kinderkriegen schmackhaft zu machen. Leider gibt es bei diesem Gedanken nicht nur die Tatsache zu beachten, daß sich die Deutschen bei gleichbleibend niedriger Geburtenrate bald aus der Geschichte verabschieden werden.

Die Liebe jedoch sollte immer für den bereits produzierten Nachwuchs  blühen und für den vorhandenen oder noch zu findenden Partner.

Also verlängern wir doch den Wonnemonat übers ganze Jahr, versenken wir uns – mit Heine oder ohne ihn – in die Liebe in allen ihren Schattierungen.

Dabei eine hohe Rendite wünscht Ihnen Ihre

A. Liane Harmat

Bildkredit:
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Auf den Spuren der deutschen Sprache in Burkina Faso (Teil 1)

Wohl jeder Pole assoziiert Afrika mit dem polnischen Jungenvornamen „Stao“ (eine der vielen Verkleinerungsformen von Stanislaw) und dem englischen Mädchenvornamen „Nell“. Warum?

Der Grund ist das geniale und außerhalb Polens leider weniger bekannte Buch des polnischen Literaturnobelpreisträgers von 1905, Henryk Sienkiewicz (1846-1916), „Durch Wüste und Wildnis“ (Originaltitel: „W pustyni i w puszczy“, der englische Titel: „In Desert and Wilderness“) aus dem Jahr 1911. Als Hintergrund für das Afrika-Abenteuer der Hauptfiguren Stao und Nell wurden teilweise wirkliche Ereignisse ausgewählt, die allerdings auch geschichtlich festgehalten sind. Im Sudan, während der Mahdisten-Aufstände (1882-1898), werden von Derwischen zwei Kinder entführt.

Bis dahin hatte es den beiden Kindern an nichts gemangelt, denn ihre Eltern, die als Kanalbau-Ingenieure im Land am Nil tätig waren, ermöglichten ihnen ein sorgenfreies Wohlstandsleben. Stao ist 14 und Nell 8 Jahre alt, als ihr dramatisches Abenteuer seinen Anfang nimmt: Der lange, unsagbar mühevolle Marsch durch Wüsten und Dschungel des riesigen Afrika, Begegnung mit einheimischen Stämmen, Kampf ums Überleben, „immer auf der Hut vor feindlich gesinnten Menschen und wilden Tieren“, wie es in einer deutschen Rezension zu lesen ist. Das Buch wurde im Jahr 1973 verfilmt und ist bis heute einer der Lieblingsfilme vieler polnischer Kinder und Jugendlichen, aber auch ihrer Eltern und Großeltern.

In den 70er Jahren wurde der Film in der DDR gezeigt und konnte auch dort einen Riesenerfolg verbuchen. In einem Internetforum schreibt eine 42jährige aus Ostdeutschland: „Ich habe mir den Film gestern auf Polnisch angesehen (…). Ich kann nicht verstehen, warum ein so schöner Film nicht auf Deutsch auf DVD erscheint, oder im TV gesendet wird, wo jeder Mist -zigmal läuft. Dieser Zweiteiler ist das Beste, was ich seit Langem gesehen habe, auch wenn ich kein Polnisch kann. Ich sehe die Bilder und höre die Musik. Einfach toll.“ Übrigens, 2003 hat der südafrikanische Filmregisseur Gavin Hood eine neue, kommerzielle und eher kitschige Version des Filmes „W pustyni i w puszczy“ produziert (die Produktion kostete ungefähr 4,2 Millionen US-Dollar!). Diese Version kann jedoch mit der ersten, literaturgetreuen Verfilmung nicht konkurrieren.

Die Bilder und die Musik aus dem Film „W pustyni i w puszczy“ (1973) haben das Leben vieler junger Polen geprägt, darunter das der künftigen Missionare, aber auch der Touristen, Weltenbummler und anderer Afrika-Besucher. Auch ich habe immer als Kind davon geträumt, einmal Afrika zu besuchen, was damals jedoch fast unmöglich war. Polen befand sich hinter dem Eisernen Vorhang, dazu waren wir damals noch sehr arm. Ich war glücklich, wenn ich die benachbarte Tschechoslowakei oder die DDR besuchen konnte. Vor etwa einem Jahr habe ich im Internet über eine germanistische Tagung gelesen, die im Dezember 2008 in Burkina Faso stattfinden sollte. Ohne zu zögern habe ich mich dazu angemeldet, ich dachte nämlich, das sei für mich die beste Gelegenheit, eines der ärmsten Länder der Welt und eines der interessantesten Gebiete Afrikas zu besuchen. Nach einigen Wochen habe ich von den Organisatoren eine freundliche Einladung bekommen. Ende November, etwa eine Woche vor dem Kongreß, saß ich schon im Airbus der Air France und versuchte mir vorzustellen, was mich in Afrika erwartet.

Das „Land der Menschen, die ihre Würde haben“ – so heißt der Name Burkina Faso in der Sprache der Mossi (die zahlenmäßig stärkste Ethnie im Land und in der ganzen Region) – habe ich allerdings nicht allein bereist, sondern mit Afsa, einer 24jährigen afrikanischen Studentin, die ich vor einem Jahr per Internet kennengelernt hatte. Afsa, die mich sogar nach Hause eingeladen hatte, zeigte mir ihre Heimat aus einer ganz anderen Perspektive, als wenn ich sie „von Hotels aus“ gesehen hätte. Mit herzlicher Gastfreundschaft und Flexibilität diente sie mir mit vielen praktischen Informationen und brachte mir sogar die wichtigsten Alltagsbegriffe in Dioula, ihrer Muttersprache, bei. Die Grundkenntnisse von Moré, einer anderen wichtigen Sprache der Burkinabé (Burkiner), verdanke ich Afsas Cousine, Aida. Innerhalb von knapp 12 Tagen konnte ich einige der schönsten Orte des Landes besuchen und habe mich in Afrika verliebt. Besonders gefallen hat es mir in kleinen Dörfern und bei einfachen Leuten.

Der Kongreß war jedoch auch etwas Einzigartiges und eine Gelegenheit, interessante Freundschaften mit Germanisten aus vielen afrikanischen Ländern auf einmal zu schließen und über zukünftige Zusammenarbeit auf dem Gebiet der interkulturellen Germanistik zu sprechen. Die ganze Reise mit Flugticket Berlin-Paris-Ouagadougou und zurück, inklusive allen Aufenthaltskosten und Geschenken kostete mich nur etwa 500 Euro (da ich momentan nicht an der Uni tätig bin, konnte ich nicht mit Rückerstattung der Kosten rechnen). Mein Traum von einer Reise nach Afrika hat sich also doch erfüllt.

Und was wissen Sie alles über Burkina Faso, außer, daß es (mit dem Namen Haute-Volta, zu Deutsch: Obervolta) von 1919 bis 1932 und von 1947 bis 1960 eine französische Kolonie war? Vielleicht assoziieren Sie es mit der Hungersnot in der Sahelzone in den 1970er und 1980er Jahren? Oder mit dem im Jahr 2002 ausgebrochenen Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste, der erst fünf Jahre später mit dem Abkommen von Ouagadougou (2007) endete? Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, zeichnet sich heute aber durch eine gewisse Stabilität und die kulturelle Vielfalt der friedlich zusammenlebenden Ethnien aus. Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber was die christlich-islamischen Beziehungen anbelangt (etwa die Hälfte der Burkiner sind Muslime), gehört Burkina Faso zu den sichersten und friedlichsten Ländern der Welt. Dieses gute, ja, richtig wohltuende Zusammenleben der Christen und Muslime in Burkina Faso habe ich besonders tief in Bobo-Dioulasso erlebt, als ich Afsas Eltern besuchte. Daß ich (als Katholik!) im Haus einer angesehenen moslemischen Familie (bei einer unverheirateten jungen Frau!) mitten in einem Moslemviertel übernachten durfte, war für mich etwas Außergewöhnliches.

Mit Freude und Dankbarkeit habe ich die Gastfreundschaft der Familie genossen, ich durfte sogar mit Afsas Vater und seinen Nachbarn zum Gebet am Tabaski-Fest gehen – so wird in Westafrika das Opferfest, das höchste islamische Fest (‘Eid al-Adha, arab.) genannt – und während des Gebetes viele Fotos machen, ohne daß jemand dagegen protestierte. Ein anderes „Wunder“ und guter Beweis für den friedlichen Umgang von Christen und Moslems in Burkina Faso war für mich auch die Einladung der polnischen Franziskanern an Afsa in Sabou. Afsa war damit die erste Frau (und die einzige Muslimin!), die im dortigen Männerkloster der Franziskaner je übernachtete. Die freundliche Einladung der Missionare war – etwa wegen verschiedener Hausregeln – nicht selbstverständlich, denn die Priester riskierten, daß sich darüber irgendwelche Gerüchte verbreiten.

(Teil 2 folgt in nächster Ausgabe.)

Artur Stopyra

Vom Schiffsvorrat zu Spitzenweinen

„Heeden is, Gode loff, vande Caepse druyven d’eerste mael wijn geparst“ („Heute, Gott sei gepriesen, wurde zum erstenmal aus Kaptrauben Wein gepreßt.“) – Diese Worte schrieb Jan van Riebeeck, Gründer der niederländischen Kolonie am Kap der Guten Hoffnung, am 2. Februar 1659 in sein Tagebuch, weshalb dieser Tag als Beginn des Weinbaus in Südafrika gilt und dort jetzt nach 350 Jahren an vielen Orten auch gefeiert wird.

Am 6. April 1652 waren drei Schiffe der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (V.O.C. = Vereenigte Nederlandsche Ge-Octroeerde Oost-Indische Compagnie) in der Tafelbucht vor Anker gegangen, am Tag darauf gingen die Besatzungen an Land, und wiederum einen Tag später begann man mit dem Bau einer Feste – es war die Gründung Kapstadts und damit der ersten ständigen Niederlassung von Europäern auf südafrikanischem Boden. An eine Siedlungskolonie war zunächst nicht gedacht, vielmehr sollte eine Zwischenstation zur Verpflegung und Frischwasserstation der um das Kap fahrenden Schiffe der V.O.C. auf ihrem Weg zwischen Europa und Ostasien errichtet werden.

Neben der Station wurde deshalb ein Garten angelegt (der heute noch existierende „Kompaniegarten“ hinter dem Parlamentsgebäude), in dem man Obst und Gemüse anbaute. Da die Pflanzen dort gut gediehen, bat Jan van Riebeeck, der erste Kommandant der Station, schon einen Monat nach der Ankunft die Direktoren der V.O.C. in Amsterdam um Übersendung von Rebstöcken, denn ihm war bewußt, „welch hohen Stellenwert die Kompanieleitung dem Wein beimaß, war dieser doch für die Seeleute auf ihren monatelangen Fahrten von unschätzbarem Wert, nicht nur in Krankheitsfällen und gerade auch bei der Behandlung des so gefürchteten Skorbut, sondern auch, um das nach dreimonatiger Fahrt nicht selten faulig werdende und dann fast untrinkbare Wasser zu ergänzen bzw. zu ersetzen.“ Es wurde deshalb angeordnet, daß die Schiffe nur mit einem umfangreichen Vorrat an Wein in See stechen durften.

Im Sommer 1654 trafen die ersten Rebsetzlinge in Kapstadt ein. Man hatte sie in nasse Erde gepackt und diese in Segeltuch eingenäht, das während der Überfahrt immer wieder feucht gehalten werden mußte. Die Herkunft dieser ersten Pflanzen läßt sich nicht mehr genau feststellen, aber es wird vermutet, daß sie aus Frankreich oder Deutschland (Rheinland) kamen. Am 22. Juli 1655 folgte die nächste Sendung mit Weinstöcken, diesmal aus Frankreich, Deutschland und Spanien, und im Jahr darauf brachten die beiden Schiffe „Dordrecht“ und „Parel“ erneut Rebstöcke aus Frankreich mit. Die Setzlinge gingen gut an, was van Riebeeck in seiner Ansicht bestätigte, daß dort, wo Gemüse und Obst gut wachsen, auch der Wein gedeihen sollte, zumal er in seinen Berichten das Klima am Kap mit dem Frankreichs und Spaniens verglich.

Die Anpflanzungen im Kompaniegarten standen unter der Leitung des Chefgärtners Hendrik Boom und seines Assistenten Jacob Cloete van Kempen, dessen Nachfahren 1778 das berühmte Weingut „Constantia“ erwarben. Weil die Niederländer aber selbst keine Ahnung von Weinkultur besaßen, griffen sie gerne auf die Hilfe der Deutschen zurück, die ja auch in großer Anzahl in der V.O.C. dienten und von denen etliche aus dem Rheinland stammten, wo sie mit dem Weinbau bereits in Berührung gekommen waren. Besucher am Kap – von vorbeifahrenden Schiffen – äußerten sich immer wieder lobend über die Fortschritte mit den Weinanpflanzungen, und auch mehrere Direktoren der V.O.C. überzeugten sich mit eigenen Augen davon, weshalb sie nach ihrer Rückkehr die weitere Entsendung von Rebstöcken verfügten. Diese wurden schon bald nicht nur im Kompaniegarten angepflanzt, sondern weiter westlich der Siedlung, ungefähr dort, wo heute der Stadtteil Green Point liegt und wo zur Zeit das Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gebaut wird. Weil es hier aber immer wieder zu Überschwemmungen kam, verlegte man die Pflanzungen 1658 an das südöstliche Ufer des Liesbeeck-Flusses, wo mit 1.200 Rebstöcken die erste Weinfarm Südafrikas, „Wynberg“ (später „Bosheuvel“, dann „Protea“) entstand. Im Jahr darauf war es dann endlich soweit: Am 2. Februar 1659 konnten erstmals Trauben geerntet und zu Most verarbeitet werden, was Jan van Riebeeck mit Freude und Stolz in seinem Tagebuch vermerkte und was als die Geburtsstunde der südafrikanischen Weinkultur gilt.

Gleichwohl waren die ersten Weine zumeist noch von minderer („zweifelhafter“) Qualität, doch der Anfang war gemacht. Als van Riebeeck 1662 das Kap verließ, wurde er zu Recht nicht nur als der Gründer Kapstadts, sondern zugleich als der Begründer des südafrikanischen Weinbaus betrachtet. Schon kurz nach den ersten positiven Ergebnissen folgten andere Farmer seinem Beispiel und pflanzten ebenfalls Weinstöcke an.

1676 wurde die erste Weinpresse nach Südafrika geliefert, vier Jahre zuvor war erstmals Branntwein aus Kaptrauben destilliert worden. Einen enormen Aufschwung erlebte der Weinbau schließlich mit dem 1679 in Kapstadt eintreffenden Kommandeur (ab 1691 mit dem Titel Gouverneur) Simon van der Stel, der noch im selben Jahr den nach ihm benannten zweiten Ort am Kap, Stellenbosch, gründete. 1685 ließ er das Gut „Constantia“ anlegen, wo man über 100.000 Rebstöcke anpflanzte. Bald folgte die Gründung weiterer, heute namhafter Weingüter wie „Boschendal“ (1685), „Libertas“ (1689), „Welmoed“ (1690), „Lanzerac“, „Spier“, „Blaauwklippen“ und „Landskroon“ (jeweils 1692) sowie „Meerlust“ und „Bellingham“ (beide 1693), um nur einige zu nennen. In die Amtszeit van der Stels (bis 1699) fiel auch der erste bescheidene Export von Kap-Weinen nach Europa. In den Jahren 1688-1690 wanderten viele aus Frankreich vertriebene Hugenotten über die Niederlande nach Südafrika ein. Etliche von ihnen kamen aus Südfrankreich und waren daher mit dem Weinbau vertraut, was eine zusätzliche Bereicherung der am Kap entstehenden Weinkultur bedeutete.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Qualität ständig verbessert, und ab 1761 fanden Rot- und Weißweine aus Südafrika immer häufiger den Weg nach Europa. Großer Beliebtheit erfreute sich seit 1778 insbesondere an den Höfen gekrönter europäischer Herrscher der süße Dessertwein vom berühmten Gut „Constantia“. Friedrich der Große und Napoleon lobten ihn über alle Maßen, und der Dichter Friedrich Gottlob Klopstock besang ihn 1795 in seiner Ode „Der Kapwein und der Johannisberger“ mit den Worten: „Alter Vater Johann, zürne mir Deutschem nicht, Daß ich die Tochter Konstanzia Lieber (darf ich auch, darf ich das trunkene Wort Wagen?) lieber sie trink’ als dich…“

Heute gehören südafrikanische Weine, deren Angebotspalette in den vergangenen Jahren erheblich erweitert wurde, zu den Spitzenweinen der Welt. Und so finden in den kommenden Wochen und Monaten überall in den Weingegenden am Kap Jubiläumsveranstaltungen statt, die an die Anfänge vor dreieinhalb Jahrhunderten erinnern.

Wolfgang Reith

Deutsche Soldaten bekämpfen Piraten am Horn von Afrika

Es ist entschieden: Künftig werden auch deutsche Soldaten an der EU-Mission „Atalanta“ zur Bekämpfung von Piraten vor der Küste Somalias am Horn von Afrika mitwirken.

Das von der Regierung am 10. Dezember in einer Entschließung verabschiedete und vom Bundestag am 19. Dezember 2008 bestätigte Mandat gilt zunächst bis zum 15. Dezember 2009. Bis dahin können bis zu 1400 deutsche Soldaten gegen die Piraten aktiv werden.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verfügt mit dieser großen Zahl von Soldaten über das von ihm angestrebte „robuste“ Mandat. Eingesetzt wird zunächst nur eine Truppe von 200 bis 250 Mann, die sich an Bord der in der Region liegenden Fregatte „Karlsruhe“ befindet. Sollten jedoch im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) noch mehr deutsche Anti-Piraten-Kämpfer gebraucht werden, ist dies mit dem erteilten Mandat jederzeit möglich. Ein Vorgehen gegen die Piraten an Land und im somalischen Luftraum, wie es der UN-Sicherheitsrat auf Initiative der USA und mit Genehmigung der Regierung Somalias kürzlich beschlossen hat, ist jedoch nicht geplant.

Neben der Beteiligung an der Operation „Atalanta“ wird auch künftig eine weitere deutsche Fregatte – zur Zeit ist es die „Mecklenburg-Vorpommern“ – an der von den USA geleiteten Antiterror-Operation Enduring Freedom (OEF) vor der ostafrikanischen Küste mitwirken. Sollte es die Lage vor Ort erfordern, kann auch sie zeitweilig in den Kampf gegen die Piraten einbezogen werden – unter anderem auch deshalb wurde die Zahl der Soldaten mit 1400 Frauen und Männern so hoch angesetzt.

Die Hauptaufgabe der deutschen Piraten-Jäger wird die Abschreckung sein. Im vorigen Jahr wurden vor der ostafrikanischen Küste mehr als 100 Schiffe überfallen und fast 40 davon gekapert. Im Gegensatz zu anderen Gegenden der Welt, wie West-Afrika und der Straße von Malakka in Südostasien, wo es Piraten vor allem auf wertvolle Frachten abgesehen haben, sind die Seeräuber vor Somalias Küste auf das Erpressen von Lösegeldern aus. Je nach Herkunftsland des Schiffes fordern sie Summen von hunderttausend Dollar bis zu mehreren Millionen, rauben die Besatzungen aus und stehlen die Schiffskassen. Ihr Aktionsradius reicht dabei inzwischen bis zu 300 Seemeilen ins Meer hinaus. Marine-Experten gehen davon aus, daß die bloße Präsenz der europäischen Kriegsschiffe oder allenfalls das Vorzeigen ihrer weit überlegenen Waffen bereits ausreicht, die See wieder sicher zu machen. Dennoch werden künftig auch die deutschen Soldaten nicht untätig zuschauen, wenn Piraten Schiffe kapern. Falls die Abschreckung nicht ausreicht, darf nun auch geschossen werden. Im Notfall haben die Soldaten das Recht, Piratenschiffe zu kapern und die Piraten festzunehmen.

An erster Stelle beim Schutz vor Piratenüberfällen im Rahmen der Operation „Atalanta“ stehen Frachter des Welternährungsprogramms, die Hilfslieferungen nach Somalia bringen. Erst danach folgen „zivile Schiffe im Operationsgebiet“, das einen Streifen von 500 Seemeilen (etwa 900 Kilometer) vor der Küste umfaßt.

Gestritten wird über den Umgang mit Kreuzfahrern. Ein Horrorszenario für westliche Staaten wäre es, wenn es zur Entführung eines solchen Schiffes mit mehreren Tausend Passagieren käme. Bis Ende März 2009 sind allein neun Passagen deutscher Kreuzfahrtschiffe durch das gefährdete Seegebiet bereits angekündigt. Solche „Vergnügungsreisen“ hält Verteidigungsminister Jung für „unverantwortlich“. Andere Politiker fordern bereits jetzt, daß Betroffene für eventuelle Rettungs- und Befreiungsaktionen zur Kasse gebeten werden, wenn trotz der Warnungen des Auswärtigen Amtes weiterhin Reise in die Krisenregion stattfinden.

Noch völlig ungeklärt ist auch, was mit Gefangenen geschehen soll. Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) meint, daß sie nur dann nach Deutschland überstellt werden können, wenn sie deutsche Schiffe oder Staatsbürger angegriffen haben. Ist dies nicht der Fall, können sie unter Berücksichtigung der in Deutschland geltenden Rechtsgrundlagen anderen Staaten übergeben werden, wenn diese zur Strafverfolgung bereit sind. Da dies durchaus strittige Fragen sind, dürften zukünftig viele der Piraterie Verdächtige einfach wieder freigelassen werden. Um diese unbefriedigende Situation zu ändern, befürworten deutsche Politiker der verschiedenen Parteien langfristig die Einrichtung eines internationalen Strafgerichtshofes. Konkrete Absprachen dazu gibt es jedoch noch nicht. So bleiben trotz des erteilten Mandates noch etliche Fragen zu klären. Kritiker des Marine-Einsatzes verweisen überdies darauf, daß die dafür veranschlagten Kosten von 45 Millionen Euro etwa fünfmal so hoch sind wie die gesamte Hungerhilfe, die Deutschland Somalia erweist.

Klaus Behling

Ein erhaltenswertes Kulturgut

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts – nach der Erfindung des Buchdrucks – entwickelte sich „als erste, typisch gebrochene Schrift“ die „Schwabacher“, die schon bald überall in Deutschland Verbreitung fand. 1485 wurde sie erstmals durch Friedrich Creußner in Nürnberg verwendet.

Obwohl der eigentliche Schöpfer unbekannt ist, so darf wohl angenommen werden, daß es sich um einen Schriftschneider aus dem nur 15 Kilometer von Nürnberg entfernten Schwabach handelte, nach dessen Herkunft die Schrift dann ihren Namen erhielt. Diese „Original-Schwabacher“, die vor der Fraktur die übliche deutsche Werkschrift war, ist also die älteste deutsche Schrift, die sich im Gebrauche fast unverändert erhalten hat, und sie wurde in der Zeit nach ihrer Entstehung vor allem von Martin Luther für den Druck seiner Bibel benutzt.

Wenige Jahrzehnte später entstand die Fraktur, die ab Mitte des 16. Jahrhunderts die Schwabacher verdrängte. Ihr Ursprung lag „in schnell geschriebenen gotischen Gebrauchsschriften“, wie sie u.a. auch in der Kanzlei des Kaisers verwendet wurden. Die Fraktur wurde zum ersten Mal 1525 in Nürnberg gesetzt, und sie blieb für vier Jahrhunderte (1540-1941) die in Deutschland vorherrschende Druckschrift. Übrigens existierte die Textur, die Vorläuferin der Fraktur, bereits vor der Antiqua (Druckschrift in lateinischen Buchstaben), denn das erste Buch in dieser Alt-Fraktur wurde schon 1474 in England hergestellt. Zeitgleich mit der Fraktur schuf Johann Neudörffer (1497-1563), der als der bedeutendste Nürnberger Schreibmeister jener Epoche gilt, auch die „Kurrent“ genannte deutsche Schreibschrift.

Während die Antiqua damals vor allem in den romanischsprachigen Ländern Italien und Frankreich gebräuchlich war und weiterentwickelt wurde, fand die Fraktur in fast allen Staaten mit deutschen bzw. germanischen Sprachen Verwendung, so etwa in Schweden noch bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts tauchten dann erstmals Bestrebungen auf, die deutsche Schrift (und mit ihr die Fraktur) abzuschaffen. Die Gegner erreichten sogar, daß sich 1911 der Reichstag mit dem Thema befaßte, doch votierten 75 Prozent der Abgeordneten für die Beibehaltung der herkömmlichen (deutschen) Schrift vor allem in den Druckereien. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden zahlreiche neue deutsche Druckschriften, aber auch die Schreibschrift wurde weiterentwickelt. So hatte Ludwig Sütterlin bereits 1914 die nach ihm benannte Schrift erschaffen, die ab 1915 und dann verstärkt nach dem Krieg in den Schulen gelehrt und auch als Schulausgangsschrift bezeichnet wurde. 1935 entstand die „Rudolf-Koch-Kurrent“, benannt nach dem gleichnamigen wohl bedeutendsten Schriftkünstler des 20. Jahrhunderts, der im Jahr zuvor verstorben war. Auch eine Fraktur ist nach ihm benannt. Martin Hermersdorf, ein Mitarbeiter Rudolf Kochs, entwickelte schließlich dessen Kurrent weiter – die ab 1951 als „Hermersdorf-Schrift“ bekannt war und an deutschen Schulen gelehrt wurde – und setzte sich im übrigen nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein für den Erhalt bzw. die Erneuerung der deutschen Schrift ein.

Nachdem das Reichspropagandaministerium schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges betont hatte, es müsse mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, bei der Fraktur handele es sich um eine deutsche, bei der Antiqua aber um eine undeutsche Schrift, erging am 3. Januar 1941 durch Martin Bormann, den „Stabsleiter beim Stellvertreter des Führers“ an alle „Reichsleiter, Gauleiter und Verbändeführer“ ein geheimes (!) Rundschreiben, in dem die Verwendung der deutschen Schrift künftig untersagt wurde mit der Begründung, dabei handele es sich in Wirklichkeit um „Schwabacher Judenlettern“. Stattdessen sollte nur noch die Antiqua (lateinische Schrift) benutzt werden, die man jetzt als „Normal-Schrift“ bezeichnete. Alle Druckerzeugnisse waren nach und nach darauf umzustellen, und in den Schulen durfte nur noch die „Normal-Schrift“ gelehrt werden. Weil man negative Rückwirkungen in der Bevölkerung befürchtete, wurden die Veröffentlichung des Rundschreibens sowie auch seine Ausführungsbestimmungen ausdrücklich untersagt. Eine der ersten Zeitungen, die bereits im selben Jahr auf Antiqua-Druck umstellte, war das NS-Parteiblatt „Völkischer Beobachter“.

Obwohl also das Verbot ausgerechnet auf Hitler zurückgeht, wird von den Gegnern der deutschen Schrift, insbesondere aber von Politikern des linken Spektrums und Gewerkschaftsfunktionären, diese immer wieder völlig widersinnig als „Nazi-Schrift“ diffamiert. Nicht selten setzen deutsche Zeitungen und Zeitschriften in Unkenntnis der Sachlage die Überschriften von Artikeln zu den Themen Rechtsextremismus, Neo-Faschismus oder Antisemitismus in Frakturschrift, um eine Assoziation dieser Schrift mit der NS-Ideologie herzustellen. Schon die alliierten Besatzungsmächte hatten nach 1945 die Herstellung deutscher Druckerzeugnisse nur genehmigt, wenn diese in Antiqua gesetzt waren – ohne sich darüber klar zu sein, daß sie damit im Sinne des „Führer-Erlasses“ von 1941 handelten.

Gleichwohl erlebte die deutsche Schrift in geschriebener und gedruckter Form ab etwa 1950 eine vorübergehende Renaissance. So erklärte der bayerische Landtag in jenem Jahr das Erlernen der deutschen Schrift in der Schule zur Pflicht, 1955 und 1956 folgten Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen, wo die deutsche Schrift im 3. Schuljahr zum obligatorischen Lehrstoff gemacht wurde. Zuvor schon war es den Volksschullehrern in Nordrhein-Westfalen überlassen geblieben, ob sie den Schülern im 1. Schuljahr zuerst die lateinische oder die deutsche Schrift beibrachten, nur mußten die Schüler bis zum Ende der 2. Klasse dann eben beide Schriften beherrschen. Und der nordrhein-westfälische Kultusminister sagte sogar noch am 26. März 1965 auf eine Anfrage hin schriftlich zu, dafür sorgen zu wollen, „daß die amtlichen Bestimmungen über die Durchführung des Unterrichts in der deutschen Schreibschrift künftig beachtet“ würden. Seit den siebziger und achtziger Jahren gelten solche Bestimmungen zwar nicht mehr, gleichwohl bildet die deutsche Schrift zum Teil wieder einen „Wahlgegenstand“ im Kunsterziehungsunterricht. Für Studenten der Germanistik oder der Geschichtswissenschaft ist es hingegen unverzichtbar, daß sie die deutsche Schrift in geschriebener und gedruckter Form beherrschen, das gleiche gilt für Berufe wie die des Archivars, des Bibliothekars oder des Notars.

In einem Informationsblatt des „Bund für deutsche Schrift und Sprache“ (gegründet 1918, verboten 1941, wiederbegründet 1951 und existent bis heute) heißt es zusammenfassend:

„Die deutsche Schrift (Handschrift und Frakturdruck) ‚diente‘ bis zu ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten im Jahre 1941 niemals einer einzigen Richtung, politischen Partei oder Ideologie: Luthers Bibel (1534), Kants „Kritik der reinen Vernunft“ (1781), Goethes und Heines Werke, das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx (1848 in London gedruckt!), die Werke Thomas Manns, Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (1927), Hitlers „Mein Kampf“ (1925) und sogar einige Bücher deutscher Emigranten sind in Fraktur gedruckt.

Die deutsche Schrift ist weder „rechts“ noch „links“: Kommunisten, Nationalsozialisten, der „Centralverein deutscher Juden“, Stresemanns Deutsche Volkspartei, die Sozialdemokraten, sie alle bedienten sich selbstverständlich in ihren Wahlaufrufen der deutschen Schrift. Sie war eben seit 400 Jahren die volkstümliche Schrift. In ihr waren und wurden nicht nur die Heilige Schrift, die Märchen, die Klassiker und natürlich auch der überwiegende Teil der zeitgenössischen Literatur gedruckt, sondern auch fast alle Zeitungen in Deutschland und somit auch der größte Teil der Wahlplakate in den zwanziger und dreißiger Jahren.“

„Ohne Zweifel“, so der damalige niedersächsische Kultusminister am 22. September 1988, „ist die deutsche Schreibschrift ein wertvolles Kulturgut, das es zu pflegen gilt“, und das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus pflichtete am 12. Mai 1989 bei: „Bei der deutschen Schrift handelt es sich… um ein altes, bewahrenswertes Kulturgut.“ Eine Art Wiedergutmachung des „Führer-Erlasses“ von 1941 aber nahm der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages genau 30 Jahre später vor, indem er erklärte: „…Den Freunden der deutschen Schrift ist es jedoch unbenommen, sich für die Verbreitung dieser Schrift einzusetzen und für ihre Verwendung zu werben. Der Staat respektiert die freie Entfaltung von Kunst und Kultur, so auch auf dem Gebiet der Schriftverwendung. Der im „Dritten Reich“ herrschende Zwang zur Bevorzugung der „Normal-Type“ (d.h. lateinischer Lettern) besteht nicht mehr…“ Diese Aussage läßt wahrlich nichts an Klarheit vermissen!

Wolfgang Reith

Berlins Spitzenrestaurant “Facil” verwöhnt nicht nur den Gaumen, sondern alle Sinne

Ein Spaziergang zu Berlins Sehenswürdigkeiten macht nicht nur Touristen schnell hungrig. Vom Fernsehturm zum Reichstag, vom Brandenburger Tor über den Potsdamer Platz… Hier lockt ein üppiges Angebot von Sushi-Bar bis Bagel-Shop. Kenner lassen all dies zurück, um sich in einen wahren Himmel des feinen Geschmacks zu begeben.

Hoch über der belebten Straße gelegen befindet sich im exklusiven Mandala Hotel das Facil. Längst sind es nicht nur Eingeweihte, die sich vom charmanten Personal den Weg zu kulinarischen Genüssen in einem von Berlins niveauvollsten Restaurants weisen lassen.

Außergewöhnliches bietet sich dem Gast bereits vor dem Dinner: Ein Augenschmaus die klar strukturierte Architektur! Eine Oase der Ruhe betritt man durch die Glastüren. Klares, offenes Design überzeugt in stilvoller Moderne, ohne abgehoben zu wirken. Bei erlesensten Zutaten verstehen sich Preise der oberen Kategorie von selbst. Das vorzügliche Business Lunch ist jedoch auch für kleinere Budgets erschwinglich. Eine junge Klientel lockt auch dies in den von Gault Milleau zum Aufsteiger 2008 gewählten Feinschmeckertempel. Ob in der unverkrampften Eleganz des Saals oder Dinner im Separée: Im Facil fühlt sich ein jeder willkommen!

Das Restaurant „Facil“ im Mandala Hotel, Berlin

(Hotel Mandala / Restaurant Facil)

Aufgeschlossen und entspannt ist auch Michael Kempf, der persönlich zum Interview empfängt. Mit seinen 32 Jahren ist er nicht nur einer der jüngsten Küchenchefs Deutschlands, sondern auch ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. “Innovativ, puristisch, individuell – das ist für mich das Besondere an der Küche des Facil. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in die der Gast gerne wiederkehrt.” Ein Ansinnen, das sowohl in Ambiente wie im zuvorkommenden, jedoch unaufdringlichen Service perfekt aufgeht. Trotz der Lage im fünften Stock dieses wahrhaft “gehobenen” Ortes verleiht die begrünte Dachterrasse dem lichtdurchfluteten Speisesaal die entspannte Harmonie eines Gartens. Marmor, Mahagoni und Alabaster vereinen sich rund um die Tische zu klassischer Eleganz. Das Glasdach zaubert des Abends romantischen Sternenschein zum Dinner. Während die Speisekarte mit Kreationen gekrönt von Gourmet- Sternen verführt…

Schon das Amuse Bouche vom Schweinebauch zergeht auf der Zunge. Ein Gläschen Champagner zum Aperitif beschwingt ohne zu beschweren. Am meisten begeistert das Entrée von Seeteufelbäckchen mit knackigen Kichererbsen. Zart und dennoch mit Biß, wie auch die anderen Gänge perfekt gewürzt. Ein leichter Riesling unterstreicht dies optimal. Als Hauptspeise erhält der Rücken vom Müritzlamm durch Anchovis-Emulsion eine besondere Note. Dazu harmoniert ein süffiger Rotwein mit angenehmsten Bukett. Eine Symphonie von Erdbeeren und Pistazie zum Dessert krönt die Gaumenfreuden. Ein letzter Gruß vom Koch darf nicht fehlen: Klassischer Aprikosenkuchen angerichtet mit einem “Venusbrüstchen” von Moccacreme. All dies kein Menü, sondern ein Gedicht!

Die Inspiration dieses Magiers der Kulinaristik? “Klassische, bodenständige Gerichte aus Süddeutschland. Das ist das Essen meiner Kindheit. International die junge Küche Portugals.” Eine Reise nach Barcelona ist noch dieses Jahr geplant. Da liegt die Frage nahe, ob ihn eine Metropole wie Paris oder Mailand von hier weglocken könnte. “Berlin ist für mich die ideale Stadt. Aufgeschlossen, experimentierfreudig – dies spiegelt das Konzept des Facil wider. Hier kann ich mich perfekt entfalten.” Untrennbar mit der Weltstadt verbunden ist auch Michael Kempfs “kulinarische Sünde”, die er lachend verrät: “Currywurst!”

Und das persönliche Ziels des Meisterkochs? Die Kreation eines berühmten Gerichts, wie Escoffier für Nellie Melba? Oder ein eigenes Restaurant? “Ein zweiter Michelin- Stern”, heißt es. Daß Michael Kempf dies erreicht, bezweifelt man nicht. Beschwingt durch ein Menü der Spitzenklasse entschwebt der Gast. Begehrlich sich bald erneut verführen zulassen von den Gourmetkreationen des Facil!

Lida Bach

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