In dieser Ausgabe
+ Ist Dialekt nochzeitgemäß?

+ Integration jungerRußlanddeutscher

+ Mittelalterliches Lüneburg:Weißes Gold, rote Klinker

+ Erholung zwischen Lahn, Sieg und Eder.

+ Flüchtlingskindergartenin Jordanien

+ Freihandelsabkommen USA - Europa

+ Das Schicksal des Windhuker Reiters

+ Europa im Jahrhundert der Kriege

+ Feuerwehr-Oldtimer in PEI

Unabhängiges Kosovo – wem nützt es?

Seit dem 17. Februar 2008 ist die Zahl der souveränen Staaten auf der Welt um eins gewachsen: das Kosovo. Auf den ersten Blick eine positive Entwicklung, nicht wahr, und maßgebliche Länder allerorten, allen voran die USA, beeilten sich sogleich, dieses neue Gebilde als Staat zu akzeptieren. Denn geglückten Unabhängigkeitsbestrebungen eines bislang unterdrückten Volkes gilt es, moralische und tätige Unterstützung angedeihen zu lassen. Soweit, so richtig. Allerdings sollte man grundsätzlich die Beweggründe hinterfragen, und im Falle des Kosovo sogar ganz besonders.

Das Kosovo war seit der historischen Schlacht 1389 auf dem Amselfeld, in der die Serben in ihrem zentralen Mutterland dem osmanischen Eroberungsbestreben auf dem Balkan unterlagen, bis 1913 ganz der Türkei zugehörig, wurde dann an Serbien und Montenegro aufgeteilt und gehörte erst seit nach dem 2. Weltkrieg ganz zu Serbien, seit 1963 als autonome Provinz. Die Bevölkerung rekrutiert sich zu etwa 75% aus muslimischen Albanern, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts recht friedlich mit den christlich-orthodoxen Serben zusammenlebten. Seit etwa dieser Zeit begannen die Konflikte zwischen beiden Völkerschaften aufgrund schärfer gewordenen nationalstaatlichen Denkens in Europa und aufgrund zunehmender serbischer Unterdrückung der muslimischen Albaner seit 1913. Schon unter Tito erfuhren diese Konflikte eine ständige Eskalation, die dann im Krieg von 1999 kulminierte und sich in der nachfolgenden systematischen Zerstörung christlich-historischen Kulturguts in der Region und Terrorakten der Albaner gegen die Serben einerseits und dem sich ständig steigernden Hass der Serben auf die ihrem historischen Anspruch auf jenes Gebiet im Wege stehenden Kosovaren andererseits fortsetzte. In den folgenden Jahren spitzte sich der Konflikt auf dramatische Weise zulasten der Kosovo-Albaner auf dramatische Weise zu, und so ist die Ausrufung einer unabhängigen Republik Kosovo, wo die muslimische Mehrheit endlich ihr Schicksal selbst bestimmen kann, oberflächlich betrachtet nur die einzig logische Konsequenz. Nur geht es in der Region um weit mehr, als um die Beilegung dieser ethnischen Konflikte. Denn das Kosovo ist ein in vieler Hinsicht strategisch wichtiges Gebiet, überreich an Bodenschätzen, vor allem Braunkohle, deren Vorkommen dort als das größte in Europa gilt, Gold und Kupfer. Bislang wurden diese Bodenschätze vor allem von den Serben und mit serbischen Geldern erschlossen, die Serben hingegen sind eng mit den Russen verbunden und im Falle eines Verbleibens des Kosovo in Serbien behielten letztere die Entscheidungsgewalt über die Verteilung und den Verkauf dieser Bodenschätze samt der dort inzwischen entstandenen Infrastruktur an ausländische Investoren. Ein unabhängiges Kosovo hingegen kann von anderen Interessenten, unter anderen den schon fest dort etablierten Briten und Deutschen, wesentlich besser beeinflusst werden, die sich durch Privatisierung des Flughafens in Prstina, des Postwesens, der Kohlegruben, Stromerzeuger und der Eisenbahn die Filetstücke bereits untereinander aufgeteilt haben.

Warum aber sind die Amerikaner so erfreut über das jetzt formell unabhängige Kosovo? Ist es allein die Genugtuung darüber, dass das humanistische Prinzip der Selbstbestimmung wieder einmal triumphierte? Diese Frage beantwortet sich eigentlich von selbst, richtet man seine Aufmerksamkeit zunächst auf Camp Bondsteel, den KFOR Hauptstützpunk der USA südlich von Prstina, ausgebaut von der Firma Kellogg, Brown & Root, einer Tochter von Halliburton, die im Irak heute Umsätze in Milliardenhöhe macht. Dieses Militärgelände will die USA auf 99 Jahre pachten, um so eine ständige militärische Präsenz in diesem Gebiet zu erhalten. Die Serben sind den USA seit dem Balkankrieg aus verschiedenen Gründen keine Verbündeten mehr und neigen sich mehr den Russen zu, eine ständige militärische Präsenz auf dem Balkan ist aber für die USA von hoher Bedeutung, und so deckt sich die Abspaltung des Kosovo gut mit diesen Interessen.

Die Unternehmung Bondsteel wird u.a. auch von Aserbaidschan unterstützt, und hier eröffnet sich ein weiterer interessanter Blickwinkel auf die Interessenlage im Kosovo: Aserbaidschan am Kaspischen Meer herrscht über gewaltige Rohölvorkommen, und die USA, wie auch europäische Konsumenten, betrachten diese Quelle als willkommene Alternative zur Abhängigkeit von arabischem Erdöl. Wichtig dabei ist natürlich der Transport der wertvollen Fracht, und es existieren bereits mehrere Rohrleitungen, die die Lieferung vom Kaspischen zum Schwarzen Meer sicherstellen, von wo aus dann der Weitertransport in Tankern erfolgt. Leider verläuft der Haupttransportweg vom Schwarzen Meer zu den Raffinerien im Mittelmeer und weiter durch die Meerenge des Bosporus, und mit zunehmender Ölproduktion wird der Schiffsverkehr dort zu sehr belastet und stellt außerdem ein sich ständig erhöhendes Sicherheitsrisiko hinsichtlich potentieller Umweltkatastrophen dar. Also müssen Umgehungsprojekte geschaffen werden, die sich auch unabhängig von Russland realisieren lassen. Eines davon ist die AMBO-Pipeline, die sich vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas über 894 km quer durch den Balkan nach Vlore an der albanischen Adria-Küste erstrecken, 1,5 Milliarden US Dollar kosten und täglich 750,000 Barrels Öl transportieren soll. Das AMBO (Albanian-Macedonian-Bulgarian-Oil) -Konsortium ist in den USA registriert und hat enge Verbindung wiederum zu Halliburton. Es geht nun den USA darum, dieses Projekt vom Eis zu bekommen, bevor die russische Gazprom oder die französische Total den Wettbewerb gewinnen.

Die Rohrleitung soll in Albanien enden, und die Wichtigkeit, das Wohlwollen der Albaner gegenüber den USA durch amerikanische Unterstützung der kosovarischen Unabhängigkeit gegen Serbien zu sichern, muss wohl nicht weiter erklärt werden. Dabei sollen natürlich der Einfluss der USA in Europa gefestigt und die Einflussnahme seitens der Europäer gemindert werden.

Somit hat wieder einmal ein Kaiser, dem die Welt hinterherläuft, keine Kleider an.

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