In dieser Ausgabe
+ Ist Dialekt nochzeitgemäß?

+ Integration jungerRußlanddeutscher

+ Mittelalterliches Lüneburg:Weißes Gold, rote Klinker

+ Erholung zwischen Lahn, Sieg und Eder.

+ Flüchtlingskindergartenin Jordanien

+ Freihandelsabkommen USA - Europa

+ Das Schicksal des Windhuker Reiters

+ Europa im Jahrhundert der Kriege

+ Feuerwehr-Oldtimer in PEI

Reden wir über’s Wetter

Liebe Leserinnen und Leser!

Seitdem alle Welt über die globale Klimaerwärmung beunruhigt ist, ist selbst das Reden übers Wetter hochbrisant. Private Unterhaltungen spiegeln die überhitzte Klimadebatte wider, die öffentlich auf politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Seite geführt wird. Wie oft gibt es gegensätzliche Sichten der Dinge.

Die ökologisch Beunruhigten sprechen von nicht mehr aufzuhaltender Klimakatastrophe, verursacht vom Kohlendioxid, das durch Verbrennung fossiler Brennstoffe in zunehmender Konzentration in die Luft geblasen wird. Angesichts der Tatsachen, daß die Durchschnittstemperatur auf der Erde ansteigt, die Polkappen abschmelzen, Gletscher überall zurückgehen, Wüsten sich ausdehnen und der Meeresspiegel ansteigt, werden furchterregende Szenarien beschrieben: Millionen heimatloser Menschen auf der Flucht, geflutete Küstenstädte, untergehende Inseln, zunehmende Wirbelstürme.

Andererseits mahnen Klima- und Wetterforscher zu Besonnenheit und rationalem Umgang mit den Folgen der Klimaerwärmung. Auch sie sind überzeugt, daß es nicht mehr gelingen kann, den Klimawandel aufzuhalten, aber sie stützen ihre Beruhigungsversuche. Es werde schon nicht so schlimm kommen, auf neueste Computersimulationsmodelle, die einen weitaus geringeren Anstieg der Temperaturen und des Meeresspiegels voraussagen. Man habe noch Zeit genug, technologisch der Klimaerwärmung zu begegnen, wird argumentiert.

Eine dritte Seite gar verweist auf vermeintlich positive Begleiterscheinungen des Klimawandels wie Mittelmeerklima am Nordseestrand und geöffnete Straßencafés in Hamburg im Winter.

Bislang haben alle Versuche, die Zukunft vorherzusagen – ob mit oder ohne Computersimulation – versagt. Daß heute zunehmend wissenschaftliche Forschungen von der Privatwirtschaft in Auftrag gegeben und finanziert werden, fordert ein kritisches Hinterfragen der Ergebnisse geradezu heraus. Hat sich doch im Umweltbereich bisher für jede Meinung ein vermeintlicher Experte und Befürworter aus Wissenschaftskreisen gefunden.

Erinnern Sie sich noch an die Konfrontation mit Saurem Regen in den 70er Jahren in Deutschland, die Todesfälle von Babys durch Pseudo-Krupp und an den ersten Smogalarm im Ruhrgebiet am 17. Januar 1985, an dem die Schulkinder zu Hause bleiben durften? Damals wurden den Menschen schlagartig die Folgen hoher Schwefeldioxidkonzentrationen in der Luft vom Waldsterben bis zu chronischen Krankheiten bewußt; es war der Beginn der grünen Bewegung. Es entwickelte sich ein ökologisches Bewußtsein, die Menschen fingen an, über ihr Umweltverhalten nachzudenken. Zahlreiche, daraus hervorgehende Bürgerinitiativen zwangen Politik und Wirtschaft zum Handeln und heute, fast 30 Jahre später, darf Deutschland stolz darauf sein, die fortschrittlichste Umwelttechnologie der Welt zu besitzen.

Politiker jeder Richtung deklarieren inzwischen den Klimaschutz als eines ihrer obersten Ziele. In geradezu unglaublichem Aktivismus in Sachen Klima jetten sie fast pausenlos samt riesigem Begleittroß zu Umweltkonferenzen rund um den Globus – allein 2007 waren es über 80 – und verursachen dadurch eine nicht zu vertretende Umweltbelastung. Diese wiegt um so schwerer, als ihre Ziele nicht im entferntesten erreicht wurden und sich als bloße Lippenbekenntnisse erwiesen haben.

Im rasant aufstrebenden China ist Umwelt- und Klimaschutz bislang ein Fremdwort. Aber wenn das Image als Ausrichter der Olympischen Spiele 2008 gefährdet ist, schreckt die Regierung nicht vor diktatorischen Maßnahmen zurück, um den Autoverkehr zu stoppen und den Besuchern ein Trugbild von heiler, sauberer Luft in Peking vorzugaukeln.

Im Dezember 2007 soll auf Bali das Nachfolgeabkommen nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 verabschiedet werden. Es scheint absehbar, daß die Ergebnisse wieder hinter den Erfordernissen zurückbleiben. Die USA als größter CO2-Ausstoßer verweigern sich nach wie vor; Präsident Bush: „It just didn’t make sense for the United States.“ Stattdessen ruft er im Verbund mit anderen konservativen Regierungschefs sein eigenes Umweltprogramm aus. Also weiter wie gehabt.

Doch immer mehr Menschen wollen das nicht mehr zulassen. Über das Internet hat sich ein globales Umweltbewußtsein wie ein Lauffeuer um die Erde verbreitet. Innerhalb weniger Tage haben Hunderttausende die Umweltpetitionen der Organisation Avaaz online unterzeichnet und damit gezeigt, wo sie stehen.

Anlaß zu Hoffnung gibt auch die Existenz einer freien Presse. Während Politik und Wirtschaft den Medien oftmals vorwerfen, Nachrichten aus purer Sensationsgier zu dramatisieren, fühlen wir uns verpflichtet, Sie unabhängig und ohne Vorbehalte zu informieren. Während Politiker die Meinung ihrer Wähler nur zu Wahlkampfzeiten zu interessieren scheint, führen wir mit Ihnen, unserer Leserschaft, einen ständigen und offenen Dialog. Wir befinden uns oft genauso wie Sie zwischen gegensätzlichen Seiten, müssen uns als Nichtfachleute eine Meinung bilden und daraus unser persönliches und journalistisches Handeln ableiten.

Die Geschichte hat bewiesen, daß nur in Ausnahmefällen Politiker und Wirtschaftsbosse in der Lage sind, Entscheidungen für die Zukunft der Erde verantwortungsvoll und weitblickend zu treffen. Nur wenn sich weltweit ein neues, ethisches Bewußtsein entwickelt, ist Wandel zum Besseren möglich.

Wir freuen uns ganz besonders auf Ihre Zuschriften zu diesem Thema.

Elisabeth von Ah

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