In dieser Ausgabe
+ Ist Dialekt nochzeitgemäß?

+ Integration jungerRußlanddeutscher

+ Mittelalterliches Lüneburg:Weißes Gold, rote Klinker

+ Erholung zwischen Lahn, Sieg und Eder.

+ Flüchtlingskindergartenin Jordanien

+ Freihandelsabkommen USA - Europa

+ Das Schicksal des Windhuker Reiters

+ Europa im Jahrhundert der Kriege

+ Feuerwehr-Oldtimer in PEI

 Liebe Leserinnen und Leser,

benötigen Sie nach der apokalyptischen Flutkatastrophe in Südostasien, die bisher 220.000 Menschen das Leben kostete, noch schreckenseinflößende Katastrophenfilme “made in Hollywood”? Wir haben diese Filme nie gemocht und verzichten auch zukünftig auf sie. Die Macht der Natur, die unserem Dasein Grenzen setzt, und die täglichen Meldungen über Mord und Totschlag, Folter und Vergewaltigung von Körper, Geist und Seele sind schlimm genug. Sie reichen aus, um einen sensiblen Charakter in tiefe Depressionen verfallen zu lassen. Einen Augenblick schien es, daß die Menschheit angesichts der Bilder von furchtbarer Zerstörung und unsagbaren Leids alle ihr innewohnenden Widersprüche und selbstgemachten Konflikte vergessen würde, um den Opfern in den Tsunami-Gebieten am Indischen Ozean zu helfen. Der Welle der Zerstörung folgte eine Welle beispielloser Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls. Einen Augenblick schien es, als ob Menschlichkeit über unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen siegen würde. Einen Augenblick schien es, alle Bewohner unserer Erde würden sich auf einem Schlag bewußt werden, daß wir einander brauchen, um gemeinsam zu überleben. Einen Augenblick schien es Hoffnung zu geben, daß wir als vernunftbegabte Wesen statt todbringener Waffen zukünftig allen notleidenden Menschen Zugang zu sauberem Wasser, lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und menschenwürdigem Dasein ermöglichen würden.

Doch diese Augenblicke der Hoffnung werden überschattet von neuen Schreckensmeldungen über Terroranschläge, Bürgerkriege und schwelende Konflikte. Jan Egeland, für Hilfsaktionen zuständiger Koordinator der Vereinten Nationen, erinnerte kürzlich in New York daran, nicht zu vergessen, daß seit 1998 im Kongo 3,8 Millionen Menschen dem Bürgerkrieg zum Opfer fielen und heute immer noch täglich 1000 Menschen eines gewaltsamen Todes sterben. Daß in Dafur im Sudan täglich vor den Augen der Weltbevölkerung gemordet wird. Daß den Opfern des verheerenden Erdbebens im iranischen Bam anhaltende Hilfe und Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nicht zuteil wird. Wer spricht heute noch vom Genozid in Ruanda und Burundi, steht den Millionen Waisenkindern bei, deren Eltern in den letzten Jahren Opfer einer kriegerischen Auseinandersetzung wurden, heilt die Wunden der Millionen, die in den Krisenzonen unserer Erde geistig und körperlich verstümmelt zurückbleiben?

Hingegen reisen zur Zeit noch immer Politiker aller Herren Länder medienwirksam in die Tsunami-Katastrophengebiete und machen sie zu obersten Wallfahrtsorten des Schreckens, unter dem Schutz von Sicherheitskräften und in Hubschraubern, die dadurch gehindert werden den Opfern zu helfen.

Wir hoffen, daß Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme, Erdrutsche und Vulkanausbrüche mit Hilfe moderner Technologien und neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse besser voraussehbar und in ihren Auswirkungen abgemildert werden können, wissen aber, daß sie dennoch immer unberechenbar bleiben Das flößt uns blankes Entsetzen ein. Im Gegensatz dazu scheinen wir uns jedoch an von Menschen gemachte Katastrophen als unvermeidbares Übel gewöhnt zu haben. Ist es nicht schizophren, daß wir Kriege und bewaffnete Konflikte, angezettelt von denjenigen, die am Krieg und Leid anderer Menschen Geld verdienen, als unabänderliche Tatsache akzeptieren, die uns kaum mehr Entsetzen einflößt? Welche Umkehrung der Realität hat dazu in unserem Bewußtsein stattgefunden?

Mit ihrer nie dagewesenen Spendenbereitschaft für die Opfer der Flutkatastrophe haben sich mitfühlende Menschen in aller Welt in Hilfsbereitschaft vereinigt. Auch die Regierungen zeigen mit gewaltigen Spendensummen anscheinend Verantwortungsbewußtsein. Dabei haben die Vereinigten Staaten von Amerika gerade mal die Summe zugesagt, die sie in anderthalb Tagen im Irak-Krieg ausgeben. Die Spende der deutschen Regierung entspricht gerade dem Betrag, den Steuerflüchtlinge angesichts versprochener Amnestie im letzten Jahr freiwillig zurückzahlten.

UN-Generalsekretär Kofi Annan bezweifelt zudem aufgrund seiner Erfahrung, daß die Zusagen tatsächlich in voller Höhe eingehalten werden. Kritische Stimmen hinterfragen bereits das politische Kalkül der Geberländer und sehen ihre handfesten Interessen, die in Imageaufwertung, dauerhafter Militärpräsenz in der Region und in der Stärkung von Waffenhandel und Militärkooperation bestehen könnten. Und während US-Hubschrauberpiloten in Indonesien begrüßen, daß sie mit ihrem Einsatz “Gutes für die Menschen tun können”, schließt ihr Oberbefehlshaber Präsident Busch einen künftigen Krieg gegen Iran nicht aus.

Wissen Sie einen Weg, wie wir unsere Welt für alle Bewohner lebenswert gestalten können? Sehen Sie einen Ausweg aus der Misere? Bitte schreiben Sie uns.

Ihr Juri Klugmann
Ihre Elisabeth von Ah

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