In dieser Ausgabe
+ Ist Dialekt nochzeitgemäß?

+ Integration jungerRußlanddeutscher

+ Mittelalterliches Lüneburg:Weißes Gold, rote Klinker

+ Erholung zwischen Lahn, Sieg und Eder.

+ Flüchtlingskindergartenin Jordanien

+ Freihandelsabkommen USA - Europa

+ Das Schicksal des Windhuker Reiters

+ Europa im Jahrhundert der Kriege

+ Feuerwehr-Oldtimer in PEI

Liebe Leser,

der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA) wird im kommenden Jahr 120 Jahre alt. Vielen von Ihnen wird diese traditionsreiche Organisation noch unter dem ehemaligen Namen “Verein für das Deutschtum im Ausland” ein Begriff sein. Der neue Name wurde dem Zeitgeist angepaßt, das große Engagement seiner Mitglieder zum Wohle der deutschen Landsleute in aller Welt blieb unverändert. Der VDA sieht sich als Brücke zu den zwischen 14 und 15 Millionen Deutschen in aller Welt, die sich der alten Heimat bzw. der Heimat ihrer Vorfahren emotional verbunden fühlen und die deutsche Sprache und Kultur pflegen. Seine besondere Solidarität gilt, wie es in dem Aufruf an die Mitglieder und Freunde des VDA heißt, jenen Deutschen, die sich in Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion nach jahrzehntelanger Unterdrückung um die Wiederbelebung der deutschen Sprache und Kultur bemühen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß es in der Geschichte des VDA eine Reihe von Versuchen verschiedener deutscher Regierungen gab, diese Organisation zu mißbrauchen. Sie als Ochsen vor den Karren ihrer politischen Interessen zu spannen. Bei einem Verein, der sich um die Aufrechterhaltung der Verbindungen zu seinen Landsleuten im Ausland bemüht, überrascht das nicht sonderlich. Das mag für manche Funktionäre und verschiedene Mitglieder des VDA belastend — für andere gar verlockend gewesen sein. Ich weiß nicht, was z.B. die demokratisch gewählte VDA-Führung in der NS-Zeit dem Diktat der braunen Machthaber entgegensetzte? Gleichschaltung stand im “Tausendjährigen Reich” auf der Tagesordnung. Wie Kritiker behaupten, ordnete sich der VDA der “Führer befiehl, wir folgen!”-Aufforderung unter. Leider! Und doch: Mir fehlt, wie vielen Angehörigen meiner Generation, die genaue Sachkenntnis und somit auch das Recht, um über Gut und Böse, Recht und Unrecht in den einzelnen geschichtlichen Entwicklungsphasen des VDA zu befinden.

Korrekt ist, daß den Weg von der Gründung am 15. August 1881 in Berlin als “Allgemeiner Deutscher Schulverein” zum heutigen VDA Persönlichkeiten aus allen Parteien sowie gesellschaftlichen Klassen und Schichten geprägt haben. Der Reichspräsident Paul von Hindenburg, der zu Zeiten der Weimarer Republik an der Spitze der Organisation stand, gehörte ebenso dazu wie die prominenten Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner und Wenzel Jaksch. Wer seine Emotionen beiseite schiebt und für Gerechtigkeit eintritt, muß zugeben, daß es der VDA einfach nicht verdient hat, allein an seinen Taten in dunklen Jahren gemessen zu werden.

Jede Kritik ist schmerzhaft. Den Anschuldigungen von Nachkriegskritikern, daß es sich beim VDA um einen “rechtslastigen” Verein handele, wehrte vielleicht deshalb der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. Hans Klein (CDU/CSU), einst in einem Vortrag mit den Worten ab: “Entgegen nachträglicher Unterstellungen von parteipolitisch voreingenommenen heutigen Kritikern hat sich der VDA — seit 1908 trugen die zusammengeführten Schulvereine den Namen ‘Verein für das Deutschtum im Ausland’ — stets klar abgegrenzt gegen den in Zielsetzung und
Handlungsweise anders ausgerichteten Alldeutschen Verband und gegen antisemitische Einflüsse.” (Wer von Ihnen, liebe Leser, diese Aussage von Dr. Hans Klein durch Fakten be- oder widerlegen kann, sollte uns bald schreiben, weil “Deutsche Rundschau” in den nächsten Ausgaben Artikel veröffentlichen wird, die sich der Geschichte des VDA widmen.)

Und heute? Im jüngsten Aufruf an seine Mitglieder und Freunde läßt der VDA eine Zweifel an seiner Zielstellung: “Der VDA möchte auch im beginnenden neuen Jahrtausend eine Brücke zu seinen Landsleuten in aller Welt sein und den Dialog mit ihnen pflegen. Ein kleiner Teil der Deutschen im Ausland trägt durch seine Mitgliedschaft im VDA dazu bei, daß der Verein seine weltweite Arbeit zur Erhaltung und Förderung des Deutschtums leisten kann. Der VDA erhält dafür keine staatlichen Mittel und ist ausschließlich auf Spenden und Beiträge seiner Mitglieder angewiesen.”

Zweifellos ein Anliegen, das unsere ganze Unterstützung und die Solidarität aller im Ausland lebenden Deutschsprechenden verdient! Denn Hand aufs Herz: Nicht nur für den VDA, sondern für die Mehrheit der im Ausland um die Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur ringenden Organisationen stellt der anhaltende Mitgliederverlust das größte aller Probleme dar. Dem dürfen wir nicht länger tatenlos zusehen! Es müssen Konzepte gefunden werden, die insbesondere die jüngere Generation anziehen. Ein erster Schritt wäre, daß wir unsere eigenen Kinder ermutigen, ihr Mitspracherecht durch Mitgliedschaft wahrzunehmen. Mitgliedschaft im VDA? JA! Die Entscheidung über die Existenzberechtigung von Organisationen und Vereinen wie dem VDA darf nicht den innen- oder außenpolitischen Interessen und Zielen von Politikern überlassen werden. Doch was ist Ihre Meinung?

Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

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