In dieser Ausgabe
+ Ist Dialekt nochzeitgemäß?

+ Integration jungerRußlanddeutscher

+ Mittelalterliches Lüneburg:Weißes Gold, rote Klinker

+ Erholung zwischen Lahn, Sieg und Eder.

+ Flüchtlingskindergartenin Jordanien

+ Freihandelsabkommen USA - Europa

+ Das Schicksal des Windhuker Reiters

+ Europa im Jahrhundert der Kriege

+ Feuerwehr-Oldtimer in PEI

Liebe Leser,

mit der deutschen Sprache nimmt man es in Deutschland sehr genau. Die Rechtschreibreform scheint es zu belegen. Sie wurde trotz allem Für und Wider und trotz heftigen Widerstandes vieler Bürger durchgeboxt. Die für den Kurswechsel zuständigen Schriftgelehrten und vor allem die Kultusminister von Deutschland, Österreich und der Schweiz waren sich einig wie sonst selten. Die Mehrheit der im deutschsprachigen Raum publizierten Medien hat sich damit abgefunden und sich auf die neuen Regelungen eingestellt. “Deutsche Rundschau” folgt der neuen Sprachregelung noch nicht. Eine Entscheidung, die uns schon von einigen Redakteuren und Lesern geharnischte Kritik einbrachte. Wer mit dem Anspruch “Weltzeitung für Deutschsprechende” antrete, solle doch beispielgebend bei der Verbreitung der neuen Rechtschreibregeln vorangehen, wurde mir mündlich und schriftlich (in neuer Schreibweise!) mehrfach nahegelegt. Zunächst muß ich eingestehen, daß ich ein Gegner der neuen Rechtschreibreform bin. Nicht etwa aus Bequemlichkeit oder weil mir das Geld für die Installation des neuen Rechtschreibprogramm zu schade ist. Nein, weil für Deutschsprechende im Ausland das Umsetzen der Rechtschreibreform und Erlernen der neuen Regelungen viel schwieriger ist als in deutschsprachigen Mutter- und Vaterländern. Die Kinder deutschsprachiger Auswanderer erlernen meist die Mutter-, wenn nicht gar die Großmuttersprache zuerst. Erst danach oder gleichzeitig wird die Landessprache erlernt und erst dann, wenn überhaupt, werden sie in deutschen Samstagsschulen mit der neuen Regelung vertraut gemacht. Ich habe mir sagen lassen, daß viele deutsche Sprachschulen im Ausland noch nicht die entsprechenden Lehrmaterialien erworben haben. Nicht zuletzt, weil finanzielle und materielle Fördermittel aus der alten Heimat spärlicher als früher fließen.

Wird sich die “Deutsche Rundschau” der Rechtschreibreform anschliessen? Gewiß, denn viele unserer Redakteure und Korrespondenten arbeiten schon jetzt nach den neuen Regeln. Wir redigieren und editieren oft die nach der neuen Sprachreglung verfaßten Texte um. Ein zeitaufwendiges, nervenraubendes Unterfangen. Sie, liebe Leser, werden jedoch erst ab der Januar-Ausgabe im Jahr 2001 die “Deutsche Rundschau”, geschrieben in der neuen Rechtschreibung, lesen können. Bis dahin schreiten und schreiben wir im alten Stiefel weiter.
Die neue deutsche Rechtschreibreform hat auch noch andere Konsequenzen. Deutschstämmige Rußlanddeutsche, die ins “gelobte Deutschland” einwandern wollen, müssen in einem Sprachtest den Nachweis erbringen, daß sie die deutsche Sprache gut beherrschen. Wer den Test nicht mit Erfolg absolviert, kann seinen Traum vom Leben im Land seiner Ahnen nicht verwirklichen. Ich frage mich, was passiert wäre, wenn Kanada oder die anderen gefragten Auswandererländer in der Nachkriegszeit von ihren vielen deutschsprachigen Neueinwanderern einen ähnlichen Sprachtest in Englisch als Eintrittskarte gefordert hätten. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin der Meinung, daß jede/r Auswanderungswillige die Sprache der Wahlheimat schnellstmöglich erlernen und sprechen sollte. Man sollte aber an Deutschstämmige keine unnötig höheren Anforderungen stellen, als man sie an Antragsteller aus anderen Ländern stellt. Und was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

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