In dieser Ausgabe / In this issue

Piraten voraus!? Freibeuter der Zukunft +++ Graffiti in Berlin: Eine Kunst, die keine ist +++ Minderheitenpolitik: Die Sorgen der Sorben +++ Frankreich: „Im Westen was Neues...“ +++ Lissabon – westlichste Hauptstadt Europas +++ Spanien: Touristenmekka Barcelona +++ Grauer Modeosten? Junge Mode in der DDR +++ Wernher von Braun Der Raketenmann +++ Neuseeland: Keas, Kiwis und Vulkane

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Liebe Leser,

Haben Sie je davon gehört oder es erlebt, daß Auslandsdeutsche, -österreicher oder -schweizer eine Lobby zu gründen suchten? Nein, weder in Washington noch in Ottawa sitzen Senatoren, die die Trommel für die Interessen der bedeutenden ethnischen Minderheiten in diesen Ländern rühren würden. Dabei wäre es sogar wünschenswert, wenn es unter den rund 50 Millionen Amerikanern oder mehr als 3 Millionen Kanadiern, die sich laut jüngsten Volkszählungen zu ihrer deutschsprachigen Abstammung bekennen, kluge und energische Köpfe geben würde, die nach den höchsten Ämtern im Staate streben. Nein, nicht um der Macht, sondern um der Verantwortung willen, die solche Funktionen mit sich bringen.
Ich sehe es weder als etwas Gefährliches noch etwas Verwerfliches an, wenn es in unserer ethnischen Gruppe Menschen gibt, die Persönlichkeiten wie Carl Schurz, John Diefenbaker oder William Aberhart, den Generalen Steuben, von Riedesel oder Norman Schwarzkopf, Ingenieuren wie Dr. Thomas Keefer oder Sir Adam Beck, Künstlern wie Doris Day (Kappelhoff) oder Fred Astaire (Austerlitz), Wissenschaftlern wie Heinz Pagels, Gerhard L. Weinberg oder Dr. Gerhard Herzberg, Komponisten wie Oskar Hammerstein II oder Jerome Kern nacheifern. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre natürlich, daß unsere Kinder und Enkel, wenn schon nicht in der Schule, so zumindest durch uns erfahren, wer die genannten Persönlichkeiten sind. Gerade in Sachen Kulturbewußtsein können wir uns von anderen Völkern und ethnischen Gruppen eine große Scheibe abschneiden. Denn im Gegensatz zur Geschichte seines Volkes, die man mit Licht- und Schattenseiten ererbt, kann man sich entscheiden, welchen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Traditionen man folgen und welche Bräuche man bewahren will.

Gen. Friedrich Adolph von Riedesel

Da die Bundesrepublik Deutschland das ganze Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, sollten auch wir im Ausland lebenden Deutschsprechenden beginnen, darüber nachzudenken, welche unserer Jubiläen es wert sind, daß wir sie feiern. Die New Yorker Steuben-Parade ist ein gutes Beispiel, wie man auf die eigene ethnische Gruppe, ihre Leistungen in der Neuen Welt und ihre besten Vertreter aufmerksam machen kann. So kann sich beispielsweise jeder von uns dafür einsetzen, daß man aus Anlaß des 400. Jubiläums der Landung der ersten deutschen Siedler in Jamestown, USA, im Jahre 2008 die amerikanische Postbehörde erneut um die Herausgabeeiner Sonderbriefmarke ersucht. Erneut, weil der erste Versuch von deutschamerikanischen Persönlichkeiten an der ablehnenden Haltung des Citizens Stamp Advisory Committee in Washington scheiterte.
Einsetzen könnte man sich beispielsweise auch bei den zuständigen Behörden der Auswandererländer dafür, daß in deutschen, österreichischen oder schweizer Schulbüchern zukünftig mehr über die Geschichte und vielen Leistungen deutschsprachiger Auswanderer zu finden ist. Der von mir angeregte “Weltkongreß der Deutschsprachigen” (nicht der Auslandsdeutschen, wie ich von einigen Lesern mißverstanden wurde) könnte sich solchen und anderen Themen zuwenden. Er soll nicht ein Instrument für Lobbyisten sein, sondern zur Völkerverständigung und Freundschaft zwischen Deutschsprechenden und -lernenden in aller Welt beitragen. Es ist an der Zeit, daß wir, die in aller Herren Länder lebenden Deutschsprechenden, uns endlich unserer Verantwortung, Dinge in der Welt zum Guten zu bewegen, bewußt werden und den vielen Worten Taten folgen lassen.Es reicht nicht aus, wenn unsere zahlreichen Klubs und Organisationen in aller Welt nur Kulturveranstaltungen, Oktober- und Trachtenfeste von lokaler, regionaler oder seltener nationaler Bedeutung organisieren. Wir brauchen eine arbeitsfähige, internationale Interessenvertretung, wie sie andere ethnische Gruppen haben. Wie es sie seit langem mit dem “Rat der Auslandsgriechen” oder dem “Jüdischen Weltkongreß” gibt, damit wir besser unsere Interessen vertreten können.

Ich wende mich deshalb erneut an alle Klubs, Organisationen, Glaubensgemeinschaften und Einrichtungen in der Welt, die sich die Erhaltung und Pflege der deutschen Sprache und deutschsprachigen Kultur auf “ihre Fahnen geschrieben” haben. Schreiben Sie uns Ihre Meinung, lassen Sie uns wissen, ob und warum Sie die Gründung eines “Weltkongresses der Deutschsprachigen” ablehnen oder unterstützen. Lassen Sie uns wissen, ob Sie als Repräsentant einer deutschsprachigen Gruppe an einem solchen Kongreß teilnehmen werden oder als Unternehmer ein solches Anliegen finanziell unterstützen würden. Unterbreiten Sie Vorschläge. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

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