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"Immer der Erste zu sein
und immer voranzustreben den anderen,
und nicht der Väter Geschlecht
zu beschämen!"
Homer,
Ilias
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Liebe Leser,
offensichtlich gab es schon in der Antike guten Grund für Homer sich mit Mahnungen, wie der Eingangs zitierten
an das griechische Volk oder besser, die Eliten seines Landes, zu wenden. Heute, im Zeitalter der Hochtechnologien
und Globalisierung, scheinen die Epen des großen Literaten allenfalls für wissenschaftliche Arbeiten
zu taugen. Im "Handbuch für Spitzenpolitiker", wenn es ein solches überhaupt gibt, ist dieser
homersche Rat gewiss nicht zufinden. Dabei wäre es dringend nötig, daß wir uns im hektischen Alltag,
am Ausgang eines kriegerischen, blutigen Jahrtausend, wieder auf das besinnen, was uns geistige Giganten der Menschheitsgeschichte
hinterließen. Eine breite Diskussion darüber entfachen, welche von unseren Ahnen gepriesenen und geprägten
"menschlichen Werte" noch heute Richtschnur des täglichen Handelns sein sollten.
Sollte die in der alten preußischen Nationalhymne enthaltene Aussage: "üb immer Treu und Redlichkeit
bis an Dein Lebensende" noch gelten oder doch lieber auf dem Müllhaufen der Geschichte landen? Ich weiß
nicht, wie es Ihnen geht, doch ich gewinne sehr oft den Eindruck, daß das Schrittmaß unserer heutigen
Welt nur noch vom Geldwert bestimmt wird. Wohin haben uns unsere "Eliten" geführt, wenn aus den
Ereignissen der letzten Jahrhunderte kaum Lehren gezogen wurden? Wurden doch die größten Geissel der
Menschheit: Krieg, Massenarmut und -arbeitslosigkeit, Elend und Seuchen, wenn schon nicht gebannt, nicht einmal
auf ein Minimum eingeschränkt! Wohin haben uns unsere politischen und wirtschaftlichen "Eliten"
geführt, wenn der Abstand zwischen den Superreichen und Bettelarmen noch größer geworden ist? Wohin
haben uns unsere "Eliten" geführt, wenn beispielsweise der Bundesminister für Finanzen von
Deutschland, des "wirtschaftlichen Motors" der Europäischen Union, eingestehen muß, daß
seine Regierung eine Ausgangslage von 1,5 Billionen DM (!) Schulden vorfindet? Wohin haben uns unsere "Eliten"
geführt, wenn bereits vorhandene soziale Risse in unseren Ländern und Gesellschaften immer tiefer werden?
Sollten es nicht zuerst unsere "Eliten" sein, die versuchen, "Immer der Erste zu sein und immer
voranzustreben den anderen, und nicht der Väter Geschlecht zu beschämen!"? Dabei denke ich hier
an all die Mütter und Väter, die im Kampf gegen Tyrannei, für Demokratie und soziale Gerechtigkeit
in den vergangenen Jahrhunderten ihr Leben ließen oder, wie die deutschen Revolutionäre von 1848, ihre
Heimat verlassen mußten. Wo bleibt zum Beispiel der von Alt-Bundespräsident Herzog geforderte "Ruck",
der in Deutschland durch die Gesellschaft gehen sollte? Nimmt man die soziale Lage der sogenannten Industrieländer
genauer unter die Lupe, ist es im Grunde genommen fast eine finanzielle Bankrotterklärung, die unseren heranwachsenden
Kindern und Enkeln als Erbe aufgebürdet wird. Dabei steht dieses Erbe im krassen Widerspruch zu den global
vorhandenen personellen, materiellen und finanziellen Möglichkeiten. Was passiert mit den, durch Elefantenhochzeiten
entstehenden, unermeßlichen Profiten der Superbanken und Riesenkonzerne?
Wo bleibt das moralische Gewissen der eigentlichen Nutznießer dieser gigantischen Verschmelzungsprozesse
von Politik, Industrie und Kapital, die nicht müde werden sich selbst immer wieder als "Eliten"
zu bezeichnen? Wie kann es je die Regierung und Elite eines x-beliebigen Staates verantworten, daß der Rotstift
ausgerechnet beim Bildungs- Gesundheits- und Kulturhaushalt angesetzt wird ? Verantworten, daß Jugendliche
massenhaft weder Ausbildung noch Arbeit finden?
Ich wünsche mir vor allem ein friedliches neues Jahrtausend. Ein Jahrtausend, in dem Regierungen an der Macht
sind und von uns solche Politiker in die Regierungsverantwortung gewählt werden, die sich nicht als "Elite"
mit Sonderrechten ausstatten, sondern sich tatsächlich als erste Diener des Staates oder einer Staatengemeinschaft
verstehen. Ein Jahrtausend in dem die Menschen der Dritten Welt mit Hilfe der reichen Länder besser in die
Lage versetzt werden, Ihr Menschsein als Menschen zu geniessen. Ein Jahrtausend in dem die Vereinten Nationen nicht
nur über Menschheitsprobleme debattieren, sondern sie unbürokratisch lösen. Ein Jahrtausend in dem
sich die Supermacht USA demokratisch gefassten Beschlüssen der Vereinten Nationen unterordnet und endlich
ihre Schulden von mehr als 1 Milliarde Dollar bezahlt. Ein Jahrtausend, was noch mehr Männer, wie den Amerikaner
Ted Turner hervorbringt, der den Vereinten Nationen von seinem Reichtum 1 Milliarde Dollar schenkte. Und was wünschen
Sie sich vom neuen Jahrtausend? Auf Ihre Zuschriften freut sich,
Ihr Juri Klugmann
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