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Liebe Leserinnen und Leser, mögen Sie Roggenbrot? Ich liebe es seit meiner Kindheit. Vorzugsweise mit ausgelassenem Gänseschmalz bestrichen und mit einer sauren Gurke garniert. Gelegentlich bekomme ich Heimweh nach Roter Grütze. Meine Verwandten und Freunde wissen dies und lassen mir oft ein paar Päckchen zukommen. Seit ich mir Kanada als neue Heimat erkor, versuche ich dem “Geschmack der alten Heimat” treu zu bleiben. Oetker-Pudding zum Nachtisch, Haribo-Bärchen zu besonderen Anlässen. Im Alltag reinigt Miele-Technik Haus und Geschirr. Automobile bilden bei dieser Form von Heimweh keine Ausnahme: Mein erstes Auto war ein Volkswagen, und dabei blieb es. Noch immer fahre ich einen VW. Die Jahre haben an uns beiden Spuren hinterlassen. Gelegentlich eckt man an... (Karikatur: Pohlenz)
Mir scheint, wir Auswanderer und Weltenbummler auf Zeit, gleich welcher Nation, sind ideale Verbraucher, Kunden und Klienten
für Firmen unserer Heimatländer: Nicht nur, weil wir regelmäßig liebgewordene heimische Produkte kaufen, sondern weil wir –
bewußt oder unbewußt – für sie werben, indem wir unsere Angehörigen, Freunde und Bekannten aus anderen Kulturkreisen mit ihnen
bekannt machen. Seltsamerweise wird unser Heer begeisterter Kundenwerber von deutschen Firmen kaum noch wahrgenommen,
geschweige mit Freude und Geschick eingesetzt.Schauen Sie sich die Inserate in deutschsprachigen Auslandsmedien an: Werbung deutscher und österreichischer Großfirmen und Banken werden Sie höchst selten darin finden. Ein Umstand, der mich schon zu Beginn der 90er Jahre als Anzeigenverkäufer und Wirtschaftsredakteur deutschsprachiger Auslandsmedien wunderte. Als Verleger der “Deutschen Rundschau” erscheint er mir erst recht unverständlich. Was geht nur in den Köpfen erfahrener Marktanalytiker und Werbefachleute vor, wenn sie im Ausland lebende, studierende und arbeitende Deutsche und Deutsch sprechende Menschen als “nicht die richtige Zielgruppe für unsere Werbestrategie” charakterisieren? So erklärten es mir kürzlich wieder VW-Angestellte und DaimlerChrysler-Mitarbeiter. Eine Sichtweise, die bei mir nur Kopfschütteln auslöste. Bei Ihnen nicht auch? Manche unter unseren Leserinnen und Lesern werden sich erinnern, daß es in den 50er bis 70er Jahren in deutschen Auslandszeitungen nur so von Inseraten bekannter deutscher Marken “wimmelte”. Damals wurden Auslandsdeutsche, Paßösterreicher und alle, die Deutsch aus Freude oder von Berufs wegen sprachen, immer wieder aufgefordert, deutsche Autos zu kaufen, Zeiss-Ferngläser, Leica-Kameras, Schwarzkopf-Kosmetik und Lebens- und Genußmittel “Made in Germany”. Doch dieses Bild hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten drastisch gewandelt. Gewiß, Marktstrategien, Werbeziele und Kundenbedürfnisse ändern sich. Trotzdem frage ich mich: Sind der wechselhafte Erfolg deutscher Marken im nordamerikanischen Markt und die Absatzschwirigkeiten in anderen Wachstumsmärkten wirklich nur darauf zurückzuführen, daß deutsche Edelwaren gegenüber vergleichbaren einheimischen Erzeugnissen zu teuer sind? Hat es nicht auch viel damit zu tun, daß Millionen von Auslandsdeutsche als wichtige Verbrauchergruppe nicht mehr mit der gleichen Ausdauer und mit den bewährten Methoden früherer Jahre umworben werden? Eine Reihe deutscher Firmen will offensichtlich ihre Erzeugnisse gar nicht mehr als deutschen Ursprungs erkannt wissen. Einige verstecken sich hinter ausländisch klingenden Firmen- und Markennamen, andere versuchen es mit Werbesprüchen wie “Drivers wanted”, statt des möglicherweise im Ausland mehr und sofort zündenden Aufrufes “Fahrer gesucht”. (Daß Audi den Mut hatte, in England mit “Vorsprung durch Technik” zu werben, ist lange her.) So verwundert es nicht, daß zum Beispiel in Kanada mehr Asiaten statt Auslandsdeutsche das Auto mit dem berühmten Stern erwerben. Von Volkswagen liegen mir keine Zahlen vor. Gibt es sie überhaupt? Es würde sich bestimmt auszahlen, wenn sich einer der vielen Weisen in Wolfsburger Chefetagen die Frage stellte, warum der VW-Käfer seinerzeit das Lieblingsauto deutscher Auswanderer war, während heutige VW-Modelle bei dieser Kundengruppe nicht mehr an den durchschlagenden Verkaufserfolg der 50er und 60er Jahre anknüpfen können. Ich bin sicher, daß es das Geschäft spürbar belebt, wenn alle exportorientierten deutschen und österreichischen Unternehmen sich wieder stärker auf uns, die Millionen zählende Verbrauchergruppe Auslandsdeutsche und Deutschsprechende im Ausland, besinnen. “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.” Gorbatschows geflügeltes Wort gilt auch für Diejenigen, die gewollt oder unbedacht die oft besser als andere Einwandergruppen gestellten Auslandsdeutschen als Verbraucher- und Zielgruppe ignorieren. Bei Roggenbrot und Roter Grütze norddeutscher Art werde ich bleiben, doch ob mein nächstes Auto wieder ein Volkswagen ist, kann ich aufgrund meiner geschilderten Erfahrungen nicht versprechen. Aber wie ist es mit Ihnen? Kaufen nicht auch Sie immer mal ein Stück “alte Heimat”, wenn Sie sich ein neues Auto zulegen, eine moderne Waschmaschine oder wenn Sie Brot im Supermarkt holen? Und welche deutschen Erzeugnisse vermissen Sie in Ihrer neuen Heimat? Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen! Auf Ihre Briefe freut sich Ihr Juri Klugmann | |||||||
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