Colorado – Der bunte Sonnenstaat im Herzen der USA
 

Deutsche Einwanderer sorgen für das Wohlbefinden
der Feriengäste aus aller Welt

 

Colorado – vielfarbiges Land. Die Übersetzung des Namens dieses einzigartigen Freizeitparadieses bringt es auf den Punkt. Hier gibt es für jeden und von jedem etwas – und das nicht nur im Winter.

Unser Korrespondent (l.) in Colorado zu Besuch bei Max Dercum, einem deutschstämmigen Mitglied der Colorado Ski Hall of FameBesonders faszinierend und deshalb eine der meistbesuchtesten Ferienregionen der USA ist das Gebiet westlich der bereits 1600 Meter hoch gelegenen Landeshauptstadt Denver. Beginnend in Genesee bis hin zum weltberühmten Vail bietet dieser Teil Colorados alles was ein aktives Herz begehrt. Der Interstate 70, der alle Abenteuerregionen in diesem Teil der Rocky Mountains problemlos erreichbar macht, ist für sich allein eine Sehenswürdigkeit. Bis hinauf auf 3500 Meter schlängelt sich die Autobahn durch enge Täler und über felsige Bergrücken, um dann nach Durchquerung des drei Kilometer langen Eisenhower Tunnels sanft abfallend dem Autofahrer wieder etwas mehr Sauerstoff zum Atmen zu gewähren.

Im Sommer Wandern, Radfahren, Camping, Fischen und Klettern. Im Winter alle erdenklichen Varianten des Schneevergnügens. Das ist Colorado. Die Sonne auf der Landesflagge verrät aber noch ein weiteres Privileg. Sonnenschein gibt es hier beinahe das ganze Jahr über. Bei statistisch ermittelten 320 Sonnentagen ist das mehr als in Miami oder Honululu. Im Winter schneit es hauptsächlich bei Nacht. Dann aber richtig. Bis zu 8,5 Meter wurden beispielsweise in Vail gemessen. All diese Vorzüge sorgen dafür, daß Colorado “in” ist. Dabei ist den wenigsten Besuchern bekannt, daß die Ursprünge der Touristenindustrie zu einem großen Teil auf deutsche Einwanderer zurückgehen und der Fremdenverkehr in Colorado noch heute von Deutschen profitiert oder gar abhängt.

Denver-das Tor zu den Rocky Mountains liegt 1600m über dem Meeresspiegel und ist bekannt als die 'Mile-High City'Alles begann Mitte der vierziger Jahre. Max Dercum, aus der Nähe von Euskirchen bei Bonn abstammend, verlor gemeinsam mit seiner Frau Edna das Herz an die damals noch völlig unberührten Rocky Mountains. Beide gründeten das heute höchstgelegene Ski- Gebiet der Vereinigten Staaten, Arapahoe Basin. Die Erschließung könnte kaum schwieriger sein, denn A- Basin wie es Einheimische nennen, ist zwischen 3200 und 4000 Meter hoch gelegen. Hinzukommt, daß der Loveland Paß, der das Gebiet überhaupt zugänglich macht, erst in den fünfziger Jahren annehmbar ausgebaut wurde.

Heute ist dieser Paß mit 3655 Metern der höchste Punkt, den man in den USA unmittelbar nach einer Autobahnausfahrt erreichen kann. Daß es sich jedoch auch in luftigen Höhen gut leben läßt, beweisen Max und Edna Dercum bis zum heutigen Tag. Als lebende Legenden, denen man das achtzigste Lebensjahrzehnt nicht ansieht, haben sich beide bei bester Gesundheit in den wilden Steilhängen um die Bergwerkssiedlung Montezuma ihr romantisches Zuhause erhalten.

Lake Dillon, Colorado - eines der höchstgelegenen Segelreviere in den USAGanz in der Nähe, im attraktiven Skiort Keystone, haben einige andere Deutsche ihre Spuren hinterlassen. Zu ihnen gehört der in München aufgewachsene und in Jägerndorf im Sudetenland geborene Alf Tieze, der in den sechziger Jahren den Mut hatte, in das damals noch feucht-steinige Land zu investieren und die ersten Ski-Lifte und Feriendomizile zu bauen. Seine in den Alpen erworbenen Kenntnisse über Liftprojektplanung und Projektrealisierung faßte er zu einem speziellen Lehrprogramm zusammen und gab sie als Program Director über Jahre hinweg am Colorado Mountain College an amerikanische und Studenten aus aller Welt weiter.

Heute kann sich niemand vorstellen, wie riskant und abenteuerlich es damals war, in das Ski- Geschäft einzusteigen oder gar seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen. Denn schließlich präsentiert sich Keystone als moderne, offene Kleinstadt mit breitgefächerten Angeboten für die ganze Familie.

Daß das Niveau nicht nur im Winter gehoben ist, verdeutlichen in diesem Sommer erstmalig arrangierte Kammermusikkonzerte in der kleinen Freiluftarena unweit des Ortszentrums. Auch hier ist der deutsche Einfluß gegenwärtig. Die Konzerte werden von Charles Wetherbee geleitet, dessen Mutter aus Bayreuth stammt.

Der Optimismus und Enthusiasmus Alf Tieze’s inspirierte zahlreiche Landsleute, ihm nachzufolgen und sich ebenfalls in Colorado niederzulassen und zu engagieren.

Peter Heidysch zum Beispiel. Der aus Sonneberg in Thüringen stammende Wahl-Coloradan kümmert sich heute als Malermeister darum, daß die Häuser im gesamten Summit County stets frisch gestrichen sind und einen gastlichen Eindruck hinterlassen. Seit 1970 lebt er in den Rockies, nachdem ihm 1963 eine abenteuerliche Flucht nach Bayern und damit in die Freiheit gelang. Als er sich schließlich mit seiner Frau entschied in die USA überzusiedeln, wußte er nicht, was ihm dort erwarten würde. Heute blickt er jedoch positiv zurück und bereut seine Entscheidung keine Minute. Selbst wenn der Anfang schwer war, so fühlte er sich doch niemals alleingelassen. “Irgend ein Landsmann war immer da”, sagt Heidysch mit Bezug auf die starke deutsche Gemeinschaft, die fast überall in den USA anzutreffen ist. Seine Frau, im bayerischen Gunzenhausen aufgewachsen, betreibt im Skiort Copper Mountain ein Souvenirgeschäft. “All American goods” nennt sie ihr reichhaltiges Sortiment.

Deutschland ist in Colorado aber nicht nur durch Menschen, sondern auch durch diverse Getränke und Speisen vertreten. In Vail’s Kaltenberg Castle, einem urigen Lokal im Stile eines besseren Hofbräuhauses braut Prinz Luitpold, der Urenkel des letzten bayerischen Königs, Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot. Weißwurst, Schweinshaxen oder Nürnberger Rostbratwurst, auf der Speisekarte mühevoll ins Englische übersetzt, gehören ebenso zum urdeutschen Angebot.

Direkt unterhalb der renovierten Gondeltalstation gelegen, kann man somit deftig essen und sich in den kurzen Ski- oder Wanderpausen mit einem frischen Hefeweizen oder Dunkelbier erfrischen. Hopfen und Malz werden extra aus Bayern eingeflogen. Das Wasser kommt aus den Rockies. Sauberer könnte es ohnehin nicht sein.

Jeder Ferienspaß hat leider einmal sein Ende. Das gilt auch für einen Aufenthalt in Colorado. Um aber zumindest den Speisenunterschied zwischen den USA und Deutschland etwas abzufedern, empfiehlt sich am Ende der Reise ein Besuch im Genesee Café. Wolfgang, der deutsche Inhaber, verspricht nicht zuviel, wenn er eine der besten Rouladen der Welt ankündigt oder ein frisches Schnitzel empfiehlt. Beides sowie das hausgemachte Rotkraut können durchaus mit einem deutschen Fünfsterne-Lokal konkurrieren.

Die Deutschen sind überall. Dieses Sprichwort gilt nicht zuletzt auch für Colorado. Daher kann man selbst im Wilden Westen der USA als deutschsprachiger Gast – 10.000 Kilometer von Zuhause entfernt – problemlos auf seine Muttersprache zurückgreifen. Der vom Deutschen Werner Behmke gegründete Rocky Mountain Family Club bietet speziell für Besucher ohne Englischkenntnisse einen Aufenthalt in Colorado mit Anschluß an deutschsprachige Familien an!

Thomas Pfennig

 

 


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