Editorial Oktober/November 2001

               
 

Liebe Leser,

der abscheuliche Terrorakt auf das World Trade Centre vom 11. September 2001 hat sich im wahrsten Sinne des Wortes unauslöschlich in die Hirne und Herzen der Weltbevölkerung gebrannt. Mit diesem furchtbaren Anschlag, bei dem tausende unschuldiger Menschen von Extremisten in so heimtückischer Weise ermordet wurden, hat die blutige Serie terroristischer Gewalttaten des 19. und 20. Jahrhunderts zu Beginn des neuen Milleniums einen grausamen Höhepunkt erreicht. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Hinterbliebenen. Ich frage mich, welche tatsächlichen Umstände es sind, die Menschen dazu bringen, zu terroristischen Mitteln zu greifen. Ich frage mich, was Menschen dazu bringt, sich in so fanatischer und selbstmörderischer Weise vernichtend auf alles zu stürzen, was Bewohner der sogenannten zivilisierten Welt an Werten hochhalten und als Symbole ihres Wohlstandes errichten.

RAF-Bombenanschlag in Ramstein, August 1981: “Was haben Bomben mit Frieden zu tun?”

Wo sind die wahren “Brutstätten des Terrorismus”? Vielleicht nicht nur in Afghanistan, Lybien oder im Irak, wie viele denken. Auch lösen nicht allein bittere Armut, Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit, unter der noch immer die Mehrheit unserer Erdbevölkerung zu leiden hat, Aktionen der Gewalt aus. Selbst gebildete Angehörige der Mittel- und Oberschichten entpuppten sich als haßbesessene Terroristen, wie die Geschichte lehrt. Auch der von einigen Politikern angeprangerte “Raubtierkapitalismus” und das menschenunwürdige Dasein vieler Menschen kann eine Ursache von Terrorismus bedeuten. Ist Terrorismus auch Erziehungssache? Erzogen nach den Glaubensbekenntnissen falscher Propheten, trainiert bereits im Alter von zehn Jahren im Umgang mit Maschinenpistolen und Sprengstoff, umgeben von Bomben- und Granatenhagel, Krieg als Alltag... Wer ist nun Terrorist – der tatausführende Selbstmörder, dessen Gehirn bereits als Kind gewaschen wurde, der Initiator oder die Regierung, welche in demagogischer Weise zum Kampf gegen ihre “Feinde” aufruft, oder alle drei? Wer täglich die Hölle auf Erden hat, wird kaum an eine friedliebende Weltgemeinschaft und Zukunft mit edlen Werten glauben. Darf es als Antwort auf Fanatismus eine “demokratische Rache” geben? Kann Terrorismus mit einem Krieg bekämpft werden? Muß der Begriff “Terrorismus” neu definiert werden? Im Lexikon vom Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG, 1999, heißt es u.a.: “Seine theoretische Grundlage fand der Terrorismus v.a. im revolutionären Anarchismus des 19. Jahrhunderts, dessen Theoretiker die Vernichtung jeglicher Gesellschaftsform forderten und die Kampfform der ‘Propaganda der Tat’ entwickelten, die jede rächende Tat an einem Vertreter herrschaftlicher Ordnung rechtfertigte. Zumindest zeit- und teilweise haben sich im 20. Jahrhundert zur Befreiung von fremder Herrschaft die nationalen Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, die ETA im spanischen Baskenland, die IRA in Nordirland, jüdische Organisationen im Kampf gegen Briten und Araber in Palästina vor 1948 sowie die PLO in Nahost terroristischer Mittel bedient. Die von palästinensischen Gruppen zur politischen Erpressung unternommenen Flugzeugentführungen brachten den Übergang zum internationalen Terrorismus mit dem charakteristischen Phänomen der Zusammenarbeit von Terrororganisationen unterschiedlichster politischer Ausrichtung”.

Wer entscheidet zukünftig, wer ein “Freiheitskämpfer” und wer ein “Terrorist” ist? Doch hoffentlich internationale Gremien wie die UNO. Werden Truppenteile der NATO außer in Afghanistan und im Irak auch in Nordirland, im Baskenland und anderen Ländern auf Terroristen Jagd machen? Ich wünsche mir, daß nicht nur die Drahtzieher des Anschlages auf das World Trade Center und andere amerikanische Einrichtungen, sondern alle Terroristen zur Strecke gebracht werden. Jeder, der mit terroristischen Mitteln seine Ziele zu erreichen sucht(e), muß seine gerechte Strafe erhalten. Die Zeit des Wegschauens bei Terrorakten, ganz gleich, ob sie in der Dritten Welt, im Nahen Osten, Kosovo oder in Tetschenien passieren, sollte endgültig vorüber sein. Lassen Sie uns gemeinsam gegen politische Verführung, Armut und Mißachtung der religiösen Gefühle anderer Menschen kämpfen. Unsere “zivilisierte” Welt braucht keine Weltpolizisten, sondern Regierungen, die den kulturellen Reichtum unserer Erde als Schatz verwalten und die Würde aller Menschen gleichmaßen achten. Unsere Welt braucht FRIEDEN! Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

       
     
       

| Home | Aktuell | Who's who | Kontakt | Abonnement |
|
Anzeigen | Links | Suchen | Archiv | DR-Profil | Fakten |

     
     

© Copyright 1997-2001 Deutsche Rundschau -- All rights reserved