Deutschlernen in Portugal heute
  Das Konzept der privaten deutschen Schule bei Faro scheint aufzugehen
 

Deutsche Auslandsschulen entstehen durch Gründung eines demokratischen gemeinnützigen Vereins nach Recht des Gastlandes. Das ist die Voraussetzung, um von Deutschland kulturell und politisch anerkannt und finanziell gefördert zu werden.

Wie auch schon lange in Deutschland bemängelt wird, ist niemand bereit, sich zu engagieren, ein Ehrenamt zu übernehmen.
Wir werden als Dienstleistungs-Anbieter angesehen und stehen im Vergleich zu anderen Schulen schlecht da – dort sind die Eltern ihre Kinder von morgens bis abends los. Bei uns wird Engagement verlangt: wenigstens an einem Samstag sollen die Familien an der Schule arbeiten.

Das Desinteresse ist so zu erklären:
Die meisten Familien sind auf der Suche nach ihrem Lebensglück und auf der Flucht vor Vielem: dem Ehemann, dem Finanzamt, dem schlechten Wetter oder – hauptsächlich – der Arbeit. Ich kenne hier viele Deutsche, aber kaum einen, der einer geregelten Arbeit nachgeht. Ich selbst gehöre dazu: Mein Honorar beziehe ich eher zufällig und weit unter 5.000 Euro pro Jahr.

Boote der Ruderschule lagern unter den Feigenbäumen des SchulgartensWeder vom deutschen Staat noch von den Deutschen im Süden Portugals erhält diese Schule Unterstützung. Als Mitglied der Deutsch-Portugiesischen Handelskammer hofften wir auf Unterstützung durch Sponsoren unserer Partner. Nur die weltweit als kulturell engagierte Montage-Material-Firma Würth schrieb Schecks, 299 Briefe blieben unbeantwortet.

Ein möglicherweise verständliches Beispiel unserer Arbeit liefert das Theater-Projekt einer professionellen Inszenierung des Oliver Twist: Jahrgangs- und fächerübergreifend arbeiten die 6- bis 16-jährigen an einer gestik- und mimikreichen Umsetzung des Theaterstücks, eingeschlossen Regieassistenz, Licht und Ton. Theater, Musik, Malerei, Modellieren und Bewegung – Mannschaftssport in großen Ruderbooten – sind die besonderen Erziehungshilfen, die unsere Jugend zu den Schlüsselqualifikationen für eine bessere Zukunft führt. Die deutsche Botschaft in Lissabon erhielt eine Einladung zur Aufführung unserer Oliver-Twist-Inszenierung. Von dort kam ein Anruf gerade in dem Moment des Abladens der Requisiten: Freundliche Worte und gute Wünsche und die klare Auskunft, daß Deutschland nicht helfen wird, eine dritte deutsche Schule in Portugal zu etablieren. Die Belastung durch die Schulen in Lissabon und Porto seien schon kaum noch tragbar.

Autor Weber mit Enkelin Claudia Keller, die zu Besuch aus München weiltOhne Zweifel besteht hier Bedarf an einer deutschen Schule: als normaler deutscher Schulbetrieb, als Fremdsprachenschule für Ausländer und als kultureller Treffpunkt. Diese Veranstaltungen tragen sich aber finanziell nicht selbst und werden einschlafen, wenn das Lehrerpaar Weber in Rente geht.

Beispielsweise kommen zu uns Portugiesen, um die deutsche Sprache zu lernen, weil sie kommunizieren möchten. Manche hatten jahrelang Deutschunterricht und wußten viel über Goethe und Schiller – konnten aber nicht reden, nicht einmal simple Konversation.

Wir haben alljährlich junge Lehrerinnen aus Deutschland, die nach dem Studium ihre Wartezeit bei uns überbrücken. Keine davon war bereit, eine Unterrichtsstunde für 5 Euro zu erteilen – aber mehr kann der Kunde nicht zahlen: Portugal ist immer noch ein armes Land.

Ein Ausweg ist in Sicht: Im Osten von Portugal entsteht der größte Stausee Europas. Unsere Schule unterhält seit einem Jahr eine Ruderabteilung mit 5 Wanderruderbooten mit insgesamt 18 Plätzen. Das Rudern lockt außerhalb der Schulzeit Leute aller Altersstufen und Herkunft an – und wird deutsch organisiert, was bedeutet, daß alles pünktlich funktioniert: ein Wunder für Portugal!

Ich sehe eine gute Chance für die Erhaltung deutscher Erziehung für eine bessere Zukunft, wenn ich finanziell unterstützt werde, eine deutsche Ruderschule am neuen Europasee einzurichten – mit dem Nebeneffekt der Pflege deutscher Sprache und Kultur.

Dierk Weber

 

 


| Home | Aktuell | Who's who | Kontakt | Abonnement |
|
Anzeigen | Links | Suchen | Archiv | DR-Profil | Fakten |

© Copyright 1997-1999 Deutsche Rundschau -- All rights reserved