Die Hurrikan Saison beginnt am 1. Juni und endet am 30. November. Jährlich
nehmen mehr als 10 Stürme Kurs auf Miami. Viele werden schwächer, sobald sie auf Land treffen, manche
ändern ihren Kurs und haben verheerende Auswirkungen auf Südflorida, wie Hurrikan Andrew im Jahre 1992
und Hurrikan George in den Florida Keys im Jahre 1998.
Tropische Wirbelstürme:
In der Karibik und im Golf von Mexiko werden sie Hurrikans genannt. Sie entstehen ausschließlich über
großen, warmen Meeresflächen, wenn das warme Wasser die umgebenden Luftmassen erwärmt. Diese Arten
von Sturmtiefs haben einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern. In ihnen werden Windgeschwindigkeiten von
bis zu 400 Kilometern pro Stunde erreicht. Tropische Stürme mit 120 und mehr Kilometern pro Stunde werden
als Hurrikan bezeichnet. Die Kraft eines Kugelschreibers entwickelt sich bei diesen Luftgeschwindigkeiten zu einer
tödlichen Waffe, da er sich mit Leichtigkeit durch einen Menschen durchbohren könnte.
Es beginnt mit einer unscheinbaren Nachricht in den Medien, ein Hurrikan bewegt sich auf die Küste zu. Keiner
nennt sie bei ihrem wissenschaftlichen Namen. und um die Katastrophe zu verniedlichen, werden sie mit weiblichen
und männlichen Vornamen getauft. Von jetzt an drehte sich alles um "George".
Wie ist es nun tatsächlich, sich auf diese enorme Naturgewalt vor Ort vorzubereiten? Sobald sich ein tropisches
Tiefdruckgebiet bildet, läuft das Fernsehen 24 Stunden am Tag mit ununterbrochenen Berichterstattungen aus
den Gebieten, wo der Hurrikan gerade wütet. Sobald sich der Sturm auf die Küste bzw. uns zubewegt, entsteht
Panik. Vorbereitungen wie das Horten von unverderblichen Lebensmitteln und Gallonen von Trinkwasser, Batterien,
Radios, Medikamenten und Sperrholz, um die Türen und Fenster zu vernageln, werden getätigt. Wenn der
count-down beginnt, sind fast alle Regale in den Supermärkten wie leergefegt. Trotz der aufkommenden Panik
wird allen Bewohnern klar, daß wir im selben Boot sitzen.
Es ist absolut notwendig sich vorzubereiten, da man im Falle einer Zerstörung für Wochen ohne Strom und
Wasser auskommen muß und da Hilfeleistung von seiten des Staates nicht garantiert werden kann.
Die düstere Stimmung meldet sich ein paar Tage vorher mit verhangenem, grauen Himmel und starken Windböen
an. Die Entscheidung, die Bevölkerung in Küstengebieten wie Miami Beach zu evakuieren, wird vom Bürgermeister
der jeweiligen Stadt über die Medien bekanntgegeben.
Im Falle einer obligatorischen Evakuierung kann man sich umgehend in die zahlreichen Notunterkünfte, die bereit
gestellt sind, begeben. Es bestehen Bus-Evakuierungsrouten und Krankentransporte für die betroffenen Gebiete.
In die Notunterkünfte können nur die wichtigsten Wertsachen und Papiere mitgenommen werden. Sein ganzes
Hab und Gut sowie seine geliebten Haustiere muß man ungeschützt zurücklassen. Die meisten Anwohner
nehmen das Risiko auf sich, den Sturm zu Hause auszusitzen um eventuellen Schaden durch sofortige Reparatur, zum
Beispiel eingeschlagener Fensterscheiben, zu verringern. Obwohl niemand zwanghaft evakuiert wird, sollte es gut
überlegt sein, zu bleiben, da in Südflorida die Gefahr eines Hurrikans nicht nur durch tobende Winde,
sondern auch durch gewaltige Sturmwellen besteht. Sämtliche Zugangswege in das zu erwartende Katastrophengebiet
werden durch polizeiliche Kontrollen abgesperrt, so daß ein Zurückkehren ins eigene Heim unmöglich
ist.
Fensterlose, begehbare Kleiderschränke oder Badezimmer werden zum Notlager mit Decken, Taschenlampen und dem
notwendigen Proviant vorbereitet. Sämtliche Besitztümer wie Computer, Stereoanlagen, Fernseher usw. werden
an einem sicher erscheinenden Platz untergestellt und so gut es geht wasserdicht verpackt. Sollte man keine Hurrikan-Fensterläden
haben, wie die meisten Apartmentgebäude in Südflorida, kann man Sperrholzplatten vor den Türen und
Fenstern anbringen, um so eingeschlagene Fenster und fliegendes Glas durch umgestürzte Bäume oder andere
fliegende Objekte zu vermeiden.
Nun beginnt das große Warten.
Leergefegte Straßen, verbarrikadierte Häuser. Miami ist eine aufgeräumte Stadt, da alles, was nicht
niet- und nagelfest ist, wie Balkon- und Terassenmöbel, Mülltonnen sowie Parkbänke, sich bei den
grausamen Winden zu einer zerstörenden Waffe entwickeln würde.         
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, kann die Party im wahrsten Sinne des Wortes beginnen. Nachbarn, Familien
und Freunde treffen sich zur sogenannten Hurrikan Party, um sich gegenseitig Beistand zu leisten. Jeder bringt
seinen Bedarf für die zu erwartende Zeit. Mit der Panik entwickelt sich eine Art Galgenhumor, der ein bißchen
von der Grausamkeit nimmt.
Der Sturm meldet sich mit tosenden Winden an und zu diesem Zeitpunkt ist es absolut lebensgefährlich, das
Haus noch einmal zu verlassen. Man vertreibt sich die Zeit mit dem Verfolgen der Live-Berichterstattung der Meteorologen
bis zum totalen Stromausfall. Im Dunkeln bei Kerzenschein und tobenden Stürmen ohne Zugang und Verbindung
zur Außenwelt muß man ausharren. Ein Hurrikan kann sich von Stunden bis zu Tagen über einem Gebiet
aufhalten, bis er weiterzieht oder sich auflöst.
Sobald es windstiller wird und man den ersten Blick nach draußen werfen kann, die umgefallenen Bäume
und Zeitungsboxen verstreut auf den leergefegten Straßen sieht, ist man heilfroh, unbeschadet davongekommen
zu sein.
Das zusammen Durchgestandene bringt das Beste in jedem von uns zum Vorschein und verbindet uns für alle Zeiten.
Gabriele Ohst-Trappio
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