Editorial Juli 2001

               
 

Liebe Leser,

Vorurteile können tödlich sein, Mißverständnisse nicht nur Ehen, sondern auch Völker entzweien. "Deutsche Rundschau" steht für Frieden. Nicht den der Waffen, den ohnehin, sondern den der Kulturen. Für einen friedlichen Wettbewerb gleichberechtigter, konkurrierender, doch nicht miteinander kämpfender Kulturen, von denen eine, unsere, die deutsche ist. Dem Brückenbau zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Kontinenten hat sich unsere Zeitung schon seit ihrer Gründung im Jahre 1997 verschrieben, das ist gleichsam die Gründungsurkunde, das Taufzeugnis dieses Blattes. Mit wechselndem Erfolg, denn bereits mit der Erstausgabe kam unsere internationale Monatszeitung ins Gerede.

Allein die Tatsache, daß sich an der Schwelle des neuen Jahrtausends, im fernen Kanada, unsere Zeitung erkühnte, die erste "Weltzeitung für Deutschsprechende" werden zu wollen, schien bei einigen Gutmenschen alte Ängste zu schüren. Selbst heute, vier Jahre und viele gelungene Ausgaben später, wird mir die Verwendung des obendrein aus dem Zusammenhang gerissenen Wortes "Volksgemeinschaft", erst kürzlich wieder in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, angekreidet: "Klugmann weiß, daß sein Blatt rechtsextremer Neigungen verdächtigt wird, wie auch andere Streiter für das "Deutschtum im Ausland", nicht immer zu Unrecht", war am 31. Mai 2001 in Deutschlands renommiertester Tageszeitung zu lesen. Der Autor, im übrigen ein unserem Blatt wohlgesinnter Kollege, wie weite Teile seines Beitrages zeigen, thematisiert damit ein Problem, mit dem sich alle Auslandsdeutschen, gerechtfertigterweise oder nicht, auseinanderzusetzen haben.

Selbstverständlich, ich war mir von Anbeginn bewußt, daß es nicht leicht sein wird, mit einer Zeitungsneugründung das ökonomische Aus deutschsprachiger Auslandsmedien aufzuhalten. Mit Gleichgesinnten wollte ich einen Gegentrend einleiten, anderen Medienmachern Mut machen; sie zum Wettbewerb im Interesse der Leser, Hörer und Zuschauer herausfordern. Mit der "Deutschen Rundschau" möchte ich im Ausland lebenden Menschen deutscher Sprache ein Instrument der Hoffnung geben. Die Hoffnung, daß eine von Ihresgleichen gemachte, weltumspannende Publikation vielleicht nicht Alltagsprobleme lösen, jedoch Zusammengehörigkeitsgefühl über Ländergrenzen hinweg neu vermitteln kann. Oder Mut bei der Pflege der deutschen Muttersprache und Kultur, ihrer Weitergabe an die in der neuen Heimat aufwachsenden Nachkommen. Wer denkt, daß Goethe Institute und Gastprofessoren diese Aufgabe allein lösen können, irrt. Wer lange genug im Ausland gelebt, studiert und gearbeitet hat, versteht, wovon ich schreibe. Kennt sich aus mit dem andersartigen Ansatz ethnischer deutschsprachiger Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen, aber auch mit den Berührungsängsten, die insbesondere Politiker, Diplomaten und Niederlassungsangestellte aus deutschsprachigen Ländern vor diesen Medien haben. Weiß also, daß Auslandszeitungen ein doppelt hartes Brot zu kauen haben, um sich erfolgreich im nationalen und gar im internationalen Medienmarkt zu behaupten. Ärgerlich ist nur: Oft sind es nicht die Gastgeber und -länder, die es Medien wie unserem schwer machen.

Man übersieht dabei die besondere Situation von Menschen, die ihre Kultur außerhalb des ursprünglichen geographischen Raumes pflegen und bewahren. Was, von Berlin oder Wien aus, den Eindruck eines merkwürdigen Oktoberfestes, eines komischen Weihnachtsmarktes erwecken mag, ist in einem anderen Umfeld oft ein wirkliches Stück Kultur, eine Verbindung zur Heimat. Das bewußtere Festhalten an solchen Formen ersetzt für viele Menschen in der kulturellen Diaspora den täglichen Umgang mit der ursprünglichen Kultur, der in München oder Dresden selbstverständlicher Alltag ist, während er in den USA oder in Namibia sich bewußte Formen schaffen mußte. Es liegt eine Ungerechtigkeit darin, beinahe jeden, der solche Formen pflegt, unter den Generalverdacht eines unverbesserlichen Nationalismus zu stellen. Und der historisch belastete Begriff der "Volksgemeinschaft" meint für mich nichts anderes als eine Sprach- und Kulturgemeinschaft, die sich auch in einer gemeinsamen Geschichte findet. Es entsteht bei mir der Eindruck, daß es nicht wenigen deutschen und österreichischen Politikern, Unternehmensgewaltigen und Wissenschaftlern immer noch sehr peinlich ist, sich mit Auslandsdeutschen und -österreichern in der Öffentlichkeit zu zeigen oder sich für deren Belange einzusetzen. Vielleicht hat ihr zufälliges Zusammentreffen mit Auslandsdeutschen, die von "verlorenen Siegen" sprachen, dazu geführt, alle im Ausland lebenden Deutschsprachigen noch immer in einen Topf zu werfen? Sind sie gar dem geringen Teil sensationslüsterner Journalisten auf den Leim gegangen, die in ihren Medien der Wirklichkeit entrückte Bilder vom "bösen, unverbesserlichen Auslandsdeutschen und -österreicher" zeichnen? Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären. Für mich ist nur sichtbar, daß man sich, behaftet mit alten Klischeevorstellungen, sorgsam davor hütet, sich in irgendeiner Art und Weise mit den Sorgen und Bitten deutscher Auslandsklubs, -vereine und -organisationen zu solidarisieren. Dieser selbst auferlegte Wahrnehmungsverlust beginnt Früchte zu tragen. Er hat, nicht nur für Eingeweihte sichtbar, über die Jahre bei einer Vielzahl von Deutschsprechenden und -stämmigen dazu geführt, mehr und mehr auf den Kauf deutscher und österreichischer Waren und auf häufige Reisen in die alte Heimat zu verzichten. Wird diesem Nonsens nicht Einhalt geboten, führt er dahin, daß sich Ausgewanderte ihrerseits immer weniger mit der gesellschaftlichen Entwicklung der ehemaligen Heimat vertraut machen und schon gar nicht mit ihr identifizieren wollen. Und ich wünsche mir, daß deutschsprechende Menschen in Australien, Kanada und im Kongo, wenn sie es mögen, Oktoberfest und rheinischen Karneval feiern dürfen, ohne deswegen in den Augen der politisch korrekten Aufsichtsbeamten in der alten Heimat sogleich zu, bestenfalls belächelnswerten Nationalisten zu verkommen.

Sie, liebe Leser, möchte ich deshalb erneut ermutigen, sich mit Erzeugern von Zerrbildern auseinanderzusetzen. Auf Ihre Zuschriften freut sich

Ihr Juri Klugmann

       
     
       

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