Photos: Donald J. Dunn (3)
Barbie
im Praktikum
Wir
haben jetzt auch eine Praktikantin. Ulrike ist
allerdings schon 24. Wir erwähnen dies, weil das
Wort Praktikantin irgendwie ein bißchen obszön
klingt, inzwischen, so ein bißchen zischelnd,
wie mit halbge- öffnetem Mund gesprochen. Aber
wahrscheinlich ist man mit 24 schon zu alt dafür,
wenigstens im Praktikum.
Monica, die den Begriff so radikal neu definierte, war immerhin erst 22, 23. Auch hat Ulrike hier noch niemandem Mein Schöner genannt, was ihr natürlich übel angerechnet wird von allen, die für diese Anrede in Frage kämen, also von allen. Auch trägt sie keine blauen Kleider und hat, soweit wir informiert sind, noch keinen Redakteur in den Sanitärtrakt beglei- tet. Wir wissen noch nicht einmal, wie die Unterwäsche beschaffen ist, die die junge Kollegin, wir unterstellen das jetzt einmal, trägt.

Die “Barbie Jewelry Designer” Software: Läßt Juwelen entwerfen, die die Kleckse auf dem blauen Kleidchen verdecken...
Möglicherweise sind die Arbeitsbe- dingungen in Erfurt-BL (Bindersleben) auch ungünstiger als in Washington D.C. So gibt es, nur ein Beispiel, im Ressort Feuilleton keine Zigarren- raucher. Unsere Ulrike wird also schwerlich reüssieren als Praktikantin, und wenn sie, wie ihre erfolgreichere Berufskollegin, als 25jährige auf Welt- oder doch wenigstens Thüringen- tournee mit ihren Memoiren will, wird sie sich ein wenig sputen müssen. Aber vielleicht hat sie ja auch schon resigniert, in der Annahme, Informa- tionen, betreffend die Weise, auf die Redakteure dieser

Barbie mit Geburtstagskuchen
Zeitung
zu küssen pflegen, ließen sich nicht plazieren
am Markt.
Nun ja, wir wollen uns dazu nicht weiter äußern,
niemand wird schließ- lich zur Karriere gezwungen.
Manche haben eben keine Ahnung von Blasen und
Tuten.
Außerdem, sie ist schon 24. Welcher junger Mann
um die 50, der auf seinen guten Ruf bedacht
ist und im öffentlichen Leben steht, macht sich
schon gern lächerlich in den Augen der Öffentlichkeit,
indem er sich mit einer Frau dieses Alters einläßt.
Der muß es nötig haben, hieße es, für eine richtig
junge hat es wohl nicht mehr gereicht.

Die “Barbie Nail Designer” Software: Läßt Fingernagellack entwerfen, der far- big gut zu Unterwäsche und Zigarren paßt...
Indessen, bei einer richtigen Klasse- frau wird das Alter, was es bei einem Mann ohnehin ist, zweitrangig. Barbie zum Beispiel ist vierzig geworden im März. Und schön und unzerknittert wie ehedem. Das Geheimnis dieser Erfolgsgeschichte ist wohl die sanfte, beinahe unmerkliche Anverwandlung an den Zeitgeist.
Da wird die Gute nun, wenn sie weiterhin reüssieren will, wiederum einige kleine Verände- rungen vorzunehmen haben. Zum Beispiel das süße blaue Kleidchen mit dem süßen kleinen Fleck in dem süßen

Die “Barbie Photo Designer Digital Camera & CD-ROM”: Läßt Sie das Abenteuer im weißen Puppen-Haus für das unvermeidliche Verhör aufbewahren...
kleinen
Kleiderschrank, das gehört künftig einfach zur Grundausstattung.
Sonst kann ja die lieben Barbie gar nicht beweisen,
daß sie wirklich bei Bill in dem weißen Puppen-Haus
war. Das muß nun natürlich auch gebaut werden.
Und für drinnen, selbstverständlich einen kleinen Billy
mit einer kleinen Zigarre in dem kleinen Oral Office.
Sodann benötigt die Barbie - Washington - Kollektion
noch eine Hillu-Puppe – aber nein, die war ja gar nicht
dabei. Was wir aber unbedingt brauchen, ist ein hübscher
kleiner Sanitär-Trakt für das weiße Puppen-Haus mit
einem schönen Türrahmen, an den sich die Billy - Puppe
anlehnen kann. Und dann spielen die süßen Kleinen das
lustige Barbie-im-Praktikum-Spiel.
Aber sie können es machen, wie sie wollen, Barbie wird
nie so richtig wie Moni. Es ist da ein Unterschied,
der uns, etwas überraschend, dazu bewegt, Barbie nach
40 Jahren nun doch freundlich zum Geburtstag zu gratulieren.
Sie hält den Mund.
Henryk Goldberg
Seltsame Ausblicke von einer dem Leser geneigten Ebene auf aller Welts Dinge