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Kanada gilt künftig als eigenständiger Partner der deutschen Außenpolitik.
Das habe die neue Bonner Regierung in den letzten Wochen eindeutig demonstriert, behauptete Karsten Voigt in einem
Gespräch mit dieser Zeitung.
Seit Februar ist der 58jährige Sozialdemokrat Koordinator der Bundesregierung
für deutsch - amerikanische Beziehungen. Daß Kanada dabei eine wichtige Rolle spielt, beweist die Tatsache,
daß die erste Reise nach seiner Ernennung Karsten Voigt nach Kanada führte und nicht erst zum großen
Bruder USA. Auch der Besuch von Außenminister Joschka Fischer Ende Februar, der ohne Zwischenstopp direkt
nach Kanada reiste, sei ein deutlicher Beweis dafür, daß die rot-grüne Regierung in Deutschland
anders gewichtet als ihre Vorgänger, sagte Voigt der Rundschau auf dem Amsterdamer Flughafen.
Er habe bei seinem Besuch in Kanada intensive Gespräche in Montreal, Ottawa,
Toronto und Vancouver geführt und dabei die Ziele der Bundesregierung erläutert, insbesondere auch den
Standpunkt der Europäischen Union (EU), deren Vorsitz Bonn bis zum Juni innehat. Der kanadische Außenminister
Lloyd Axworthy habe ihm dabei unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß sein Land mehr nach
Europa blicke als die USA und daß die Nähe zu Europa
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“...die Deutschen... könnten... von den Kanadiern einiges über den Umgang mit Ausländern
lernen...”
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sowohl kulturell als auch politisch viel stärker sei als beim großen Bruder im Süden. Daher ist
es für Karsten Voigt folgerichtig, daß Kanada versuche, die Beziehungen zur EU zu intensivieren und
eine tiefere Zusammenarbeit mit Bonn anstrebe.
Für den Vorschlag des kanadischen Medienzaren Konrad Black, das Land solle
nicht mit der EU, sondern lieber mit Großbritannien über ein Abkommen mit der NAFTA (nordamerikanische
Freihandelszone zwischen Mexiko, USA und Kanada) verhandeln, hat Voigt nur ein mildes Lächeln übrig.
Immerhin war dieser Vorstoß Anlaß zu heftigen Debatten kanadischer Innenpolitik der letzten
Monate. Der Herr habe allerdings eines nicht bedacht, kommentierte Voigt die Idee Blacks. “Großbritannien
ist ein fester Bestandteil der EU”, klärt der Wahlberliner auf. Deshalb habe es sich an die Verträge
zu halten, die besagen, daß nur Brüssel wirtschaftliche Vereinbarungen mit Drittländern aushandeln
dürfe. Selbst wenn London dies wollte, wären der britischen Regierung die Hände gebunden. Dies hätte
Black wohl noch nicht begriffen, mutmaßt Voigt.
Was die Deutschen betrifft, so könnten sie von den Kanadiern einiges über
den Umgang mit Ausländern lernen. Auch in der Bundesrepublik leben viele Bürger, die dort gar nicht geboren
seien, sagte der SPD-Politiker. Von der erfolgreichen Einwanderungspolitik Kanadas könne man in Deutschland
profitieren. Probleme zwischen den beiden Staaten gebe es aber keine, bilanziert Voigt seinen Besuch im geographisch
größten Land der Erde. “Man könnte sagen, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen”.
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