Preußen und kein Ende...

               
 

Landgewinne stets mit Gewalt erkämpft

Der ungekrönte Bayernkönig Franz Josef Strauß wollte nach eigenen Aussagen Preußen bis zum letzten Bayern verteidigen. Damit begab er sich in die Reihe der Verfechter sogenannter preußischer Tugenden.

Wilhelm II., Strategen Paul von Hindenburg (links) und Heerführer Erich LudendorffAus realer, rein geschichtlicher Sicht war Preußen eine Armee ohne Land. Friedrich II. führte drei Kriege gegen die österreichische Kaiserin Maria Theresia, um sich Schlesien einzuverleiben. Die Herrscherin galt zu ihrer Zeit zumindest als ebenso aufgeklärt wie der Preußenkönig. Die fortlaufende Aggression gegenüber den Nachbarn begründete das aus der Mark Brandenburg hervorgegangene militärisch allmächtige Preußen, das seinen Landgewinn mit Gewalt erkämpfte. Des Staates erster Diener schaffte einen Rechtsstaat ohne demokratische Basis.

Nicht die vornehmen aristokratischen Werte halten einen Staat zusammen, sondern der Wille des Volkes. Das im späteren Verlauf der deutschen Geschichte verheerende Obrigkeitsdenken (schlichthin auch Kadavergehorsam genannt) leistete einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu dem Inferno von 1945. Die preußisch geprägte deutsche Generalität wußte am Tag der endgültigen Katastrophe nur eine Antwort auf ihr völliges Versagen: “Wie das Gesetz es befahl”, wobei der ehemalige Gefreite Adolf Hitler das Gesetz bestimmte. Die moralischen Skrupel des Prinzen von Homburg erwachten nur gegen Ende 1944, nachdem die Niederlage des Großdeutschen Reiches endgültig besiegelt war. Trotz dieses Wissens schickten deutsche Befehlshaber Zigtausende im aussichtslosen Kampf gegen die Welt in den Tod.

Das schlichte Auftreten, das mehr Mehr-Sein-als-Scheinen-Wollen sind hervorragende menschliche Werte, die nicht nur preußischen Ursprung haben. Wenn es heute an diesen Tugenden mangelt und Selbstdisziplin und Pflichterfüllung für manchen in der heutigen Welt Fremdworte sind, dürfte ein Hinweis auf die preußischen Eigenschaften erlaubt sein, jedoch ohne Glorifizierung des stattgefundenen mörderischen Mißbrauchs

Hans H. Vogt

       
     
       

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