| Alltagskultur |
02 / 03 / 1999 |
| Diesen Monat: Im Museum Alltäglichkeiten in Deutschland und Kanada im Vergleich |
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Eine kürzere geschichtliche Vergangenheit, aber wesentlich mehr Raum zum Leben.
Diese plakative Summe der markantesten Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada spiegelt sich auch in der Museumslandschaft
beider Länder wider.
Ohne Privatisierung und Kultursponsoring geht angesichts leerer öffentlicher Kassen in deutschen Museen mittlerweile nichts mehr. Hubertus von Sonnenburg, Kunsthistoriker und Gemäldekonservator, der aus München ans Metropolitan Museum in New York wechselte, brachte in einem Interview mit der “Zeit” die unterschiedliche Einstellung deutscher und amerikanischer Museen zur Öffentlichkeit auf eine prägnante Formel: “In Europa wollen die Museumsleute doch eigentlich gar kein Publikum. Es geht nur darum, was die Kollegen denken – unmöglich.” Tatsächlich widmen sich viele deutsche Museumsleute lieber der Forschung als der Vermittlung und dem Zugänglichmachen von Kunst. Und so manchem Kustos wäre es heimlich wohl wirklich am liebsten, wenn nur Kollegen seine Sammlung zu ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken betreten würden. Dies erklärt sich allerdings auch daraus, daß in Deutschland fast alle Museen jahrhundertealte Kunstwerke in ihren Sammlungen haben, die aufgrund ihres Zustands eine äußerst behutsame Behandlung verlangen. Ein Verleih solcher Werke zu Ausstellungen oder hohe Besucherzahlen mit ihren Auswirkungen auf das für alte Gemälde entscheidende Raumklima bedeuten Risiken für den Bestand. So entstehen naturgemäß Konflikte zwischen “Bewahren” und dem profitablen “Zeigen”. Diese Probleme sind im nordamerikanischen Raum weniger extrem, weil das Gros der dort ausgestellten Kunst jüngeren Datums und damit meist weniger “schonungsbedürftig” ist. Immerhin werden in Deutschland die öffentlichen Museumsführungen noch von den hauseigenen Wissenschaftlern übernommen. Vom Volontär bis hin zum Direktor sind die im Museum tätigen Kunsthistoriker für Führungen und öffentliche Vorträge verantwortlich. Das ist zwar keine preiswerte Lösung, garantiert aber eher inhaltliche Qualität als das nordamerikanische System, das aus Kostengründen diese Bereiche ganz auf ehrenamtliche Helfer abwälzt: Unentgeltlich (oder verschwindend schlecht bezahlt) übernehmen Laien nach kurzer museumsinterner Schulung das Gebiet Kunstvermittlung/Museumspädagogik. Dadurch haben die Wissenschaftler aus der Museumsverwaltung so gut wie keinen direkten Kontakt zum Besucher mehr, dessen Interessen sie bei ihrer Arbeit eigentlich berücksichtigen müßten. Schlimmer noch: Arbeit mit dem Publikum, das Erklären und “Zeigen” werden zu Museums-Anliegen zweiten Ranges deklariert, für die bezahlte Mitarbeiter nicht entbehrlich sind. Dabei muß gerade in Nordamerika beim Umgang mit dem Museumspublikum oft wichtige Grundlagenarbeit geleistet werden. Der Unterschied zwischen Original und Reproduktion ist vielen Schülern in der neuen Welt ebenso unverständlich wie die Tatsache, daß Gemälde an Museumswänden durch Berühren Schaden nehmen. In Europa, wo durch eine höhere Museums- und Altertums-“Dichte” ein respektvoller Umgang mit historischen Gegenständen im Alltag selbstverständlicher ist, braucht dergleichen nicht erst erklärt zu werden. |
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Dr. Manya Brunzema |
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