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Liebe Leser, “Veröffentlichen Sie doch endlich mal die Wahrheit in Ihrer Zeitung!” wurde ich kürzlich von einem Leser in einer hitzigen Debatte aufgefordert. Die Kritik, die die Anschuldigung enthielt, daß einige unserer Autoren und Autorinnen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gar absichtlich “Lügengeschichten” vorsetzen, verblüffte und verärgerte mich zugleich. Um ehrlich zu sein, bekam ich sogar etwas Wut im Bauch, als ich mich von der ersten kurzen Verdatterung erholte. Nein, auf unsere ehrenamtlich arbeitenden und dem Projekt “Schaffung einer Weltzeitung für Deutschsprechende” mit Leib und Seele verschriebenen Korrespondentinnen und Korrespondenten wollte ich partout nichts kommen lassen.
So kommt es, daß auch die “Deutsche Rundschau” bei der Suche nach Wahrheit den Stein der Weisen bisher nicht gefunden hat. Immerhin geben wir die Suche nicht auf. Wenn Ihnen unsere Artikel, Meldungen und Kommentare helfen, unsere heutige Welt besser zu erkennen, sind wir der Wahrheit bereits ein Stück näher gekommen. Genau das bezwecken wir. Wenn Sie den Inhalt mehrerer Ausgaben unserer Zeitung vergleichen, werden Sie feststellen, daß uns Details und scheinbar Nebensächliches tatsächlich wichtig sind. Gerade weil wir Sie über solche Ereignisse und Dinge informieren wollen, die Sie von anderen Medien in dieser Form nicht oder nur selten erfahren, legen wir großen Wert auf gründliche journalistische Kleinarbeit. Nur wer seine journalistische Arbeit ernst nimmt, für Sie gut beobachtet, unsere Welt mit wachen Augen sieht und sein Ohr auch leisen Tönen zuneigt, hat als Autor bei der “Deutschen Rundschau” dauerhaft eine Chance. Ja, liebe Leser, Sie haben ein Recht auf eine unzensierte Berichterstattung und auf die Wahrheit. Und doch, so frage ich Sie und mich selbst, hat nicht die Wahrheit viele Gesichter? Als ich von meiner ersten Frau geschieden wurde, gab es vor Gericht ihre Wahrheit und meine Wahrheit. Nach 20 Jahren Trennung rückblickend, muß ich feststellen, daß die tatsächliche Wahrheit möglicherweise in der Mitte lag. Wer von Ihnen geschieden ist, weiß wovon ich spreche. Wenn ich mich recht entsinne, war die Wahrheit von US-Präsident Clinton, zumindest zeitweilig, auch eine andere als die Wahrheit von Monika Lewinsky. Oder? “Kleine Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit”, heißt es im Volksmund. Ich habe mir sagen lassen, – ich weiß nicht mehr genau, ob es die alten Mazedonier, Skyten oder Perser waren –, daß Könige es gewohnt waren, ihre Berater zur ersten Problembesprechung in nüchternem Zustand zu rufen und zur zweiten, auf der die Entscheidung fallen sollte, in betrunkenem. Vielleicht trifft das alte lateinische Sprichwort “in vino veritas” – im Wein [liegt] die Wahrheit – doch zu? Wie dem auch sei, ich werde unser internationales Autoren-Team trotzdem nicht auffordern, nur in betrunkenem Zustand Beiträge zu schreiben… Der griechische Geschichtsschreiber Herodot – er wurde von Cicero als “der Vater der Geschichtsschreibung” bezeichnet – schreibt im ersten Buch seiner “Historien”, Kapitel 136: bei den Persern gelte die Tapferkeit als die Haupttugend, und die Knaben würden vom 5. bis 20. Lebensjahr darin unterwiesen. Sie lernten aber nur drei Dinge: Reiten, Bogenschießen und die Wahrheit sagen. Ob auch Goethe in “Dichtung und Wahrheit” mit Wahrheit so etwas wie Wirklichkeit und Realität meinte, die er der “Dichtung” als die künstlerische Wirklichkeit gegenüberstellte? Ich versichere Ihnen, daß die Korrespondentinnen und Korrespondenten der “Deutschen Rundschau” immer wieder von mir ermutigt werden, wahrheitsgemäß zu berichten. Ich stimme jedoch auch der Aussage des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu: “Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zum Kompromiß und überhaupt zum Zusammenleben.” Ist das auch Ihre Meinung? Auf Ihre Zuschriften freut sich, Ihr Juri Klugmann |
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